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Belichtungsdreieck – So verabschiedest du dich vom Automatikmodus deiner Kamera

Der Einsteiger in die Fotografie scheut sich oft davor, die Automatik-Funktion auszuschalten, weil er der Meinung ist, dass dann so viele Einstellungen vorzunehmen sind, die das Fotografieren viel zu kompliziert machen. Viele meinen auch, dass sie dadurch Fehler machen können und deshalb schlechtere Fotos bekommen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, denn mit der manuellen Einstellung erhält man oft bessere Ergebnisse, weil man damit das Ergebnis wesentlich beeinflussen kann. Das ist im Grunde auch gar nicht schwer, denn es sind nur drei Faktoren, die Du dabei berücksichtigen musst:

  • Blende
  • Belichtungszeit
  • Empfindlichkeit (ISO Wert)

Dabei musst Du zunächst verstehen, dass diese voneinander abhängig sind, das heißt wenn Du einen Wert veränderst, musst Du mindestens noch einen weiteren verändern, um wieder eine passende Einstellung zu erhalten. Aus diesem Grund rufen wir zunächst noch einmal in Erinnerung, wie diese drei Komponenten im Einzelnen das Bild beeinflussen.

Die Blende

Die Blende ist eine in der Regel variable Vorrichtung im Objektiv, durch welche das Licht fällt, das hinter dem Objektiv auf den Bildsensor trifft. Bei den meisten Spiegelreflex-Kameras sind das so genannte Irisblenden, bei denen bewegliche Lamellen die Größe der Öffnung steuern. Die Größe der Blendenöffnung ist durch die Blendenzahl angegeben, wobei eine weit geöffnete Blende mit einer kleineren Blendenzahl definiert ist, zum Beispiel dem Blendenwert f/4, eine geschlossene Blende hat den Wert f/11 oder höher. Je weiter die Blende geöffnet ist, das heißt je kleiner die Blendenzahl ist, umso mehr Licht fällt hindurch.

Die Blendenöffnung beeinflusst allerdings nicht nur die hindurchfallende Lichtmenge, sondern sie hat auch Einfluss auf die Gestaltung Deines Fotos. Je größer die Blendenöffnung ist, umso kleiner ist der Entfernungsbereich, der auf dem Foto scharf abgebildet ist. Umgekehrt ist dieser Bereich umso größer, je weiter die Blende geschlossen ist, also je weniger Licht hindurchfällt. Wenn Du also eine Landschaft mit Bäumen im Vordergrund und Bergen im Hintergrund fotografierst, wählst Du eher eine möglichst geschlossene Blende, damit Motive in einer möglichst großen Tiefe scharf zu sehen sind. Dein Bild hat dann mehr Tiefenschärfe.

Aber eine hohe Blendenzahl kann auch Nachteile haben. Bei der kleinen Blendenöffnung bricht sich das Licht an den Lamellen und führt dort zu einem teilweise unscharfen Bild. Diesen Effekt nennt man Beugungsunschärfe.

Auch klingt es zunächst vorteilhaft, eine große Schärfentiefe zu haben, das ist aber nicht immer gewollt. Wenn Du ein Porträt fotografierst, dann möchtest Du möglicherweise, dass man die Objekte im Hintergrund nicht deutlich erkennen kann. In dem Fall wählst Du eine kleinere Blendenstufe, also eine größere Öffnung. Vor allem das Variieren der Schärfentiefe kannst Du gut zur Bildgestaltung einsetzen, wenn Du sie in Wechselwirkung mit den anderen Komponenten des Belichtungsdreiecks veränderst.

Die Belichtungszeit

Die Zeitspanne, in welcher Licht auf den Bildsensor fällt, nennt man Belichtungszeit oder auch Verschlusszeit, weil während dieser Zeit der Verschluss der Kamera geöffnet ist. Grundsätzlich muss eine längere Belichtungszeit gewählt werden, wenn wenig Licht vorhanden ist, also wenn es dunkler ist. Bei ausreichend vorhandenem Licht reicht es, wenn der Verschluss für eine kürzere Zeitspanne geöffnet bleibt.

Wenn Du ein Foto mit einer Zeit von zum Beispiel 1/1.000 Sekunde oder noch weniger belichtest, so hat das den Vorteil, dass auch sich schnell bewegende Objekte auf dem Bild noch scharf zu sehen sind. Wenn Du jedoch ein fahrendes Auto mit einer Verschlusszeit von 1/30 Sekunden fotografierst, so ist es nur verschwommen zu sehen. Diese Bewegungsunschärfe kannst Du aber auch als interessanten Effekt zur Bildgestaltung nutzen.

Ein mit einer Zeit von 1/30 Sekunde belichtetes Foto wirkt in der Regel natürlich. Das liegt daran, dass unser Auge etwa 30 Bilder in der Sekunde sieht, das Foto diesem Sehen also am nächsten kommt. Bei längeren Verschlusszeiten verwischen Bewegungen stärker als wir es mit unserem Auge wahrnehmen. Kürzere Verschlusszeiten jedoch frieren Bewegungen ein, wir sehen sie auf dem Foto besser als mit dem Auge, was Robert bei der Fotografie von Tieren sehr entgegen kommt.

Die Lichtempfindlichkeit

Früher war die Lichtempfindlichkeit der Filme meistens in DIN und ASA-Werten angegeben, aus deren Kombination der heute gebräuchliche ISO Wert entstanden ist, wobei man bei Bildsensor und Film den gleichen Maßstab anlegt. Dazu musst Du wissen, dass mit steigendem ISO Wert die Empfindlichkeit linear zunimmt, ein Sensor mit dem Wert ISO 200 ist also zweimal so empfindlich wie ein Sensor mit dem Wert ISO 100, der Wert ISO 400 bedeutet eine viermal so hohe Empfindlichkeit usw.

Beim Film erreicht man einen höheren ISO Wert durch größere Silbersalzkristalle. Der Bildsensor arbeitet jedoch auf elektronischer Basis, indem er die einfallenden Lichtteilchen in elektrische Ladungen umwandelt. Dort erzielt man die höhere Empfindlichkeit durch Verstärkung des Signals, welches der Sensor ausgeht. Beide Varianten haben jedoch eins gemeinsam, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der Film wird „grobkörniger“ und beim Verstärken der Signale aus dem Bildsensor werden gleichzeitig auch störende Signale mit verstärkt. Beides führt zum so genannten Bildrauschen. Bei digitalen Kameras erkennst Du diese Störsignale als farbige und weiße kleine Punkte, die vor allem auf dunklen Flächen deutlich sichtbar sind und störend wirken.

Du kannst durch die Erhöhung des ISO Wertes das vorhandene Licht verstärken, was in folgenden Fällen erforderlich sein kann:

  • Du möchtest mit einer weit geschlossenen Blende fotografieren, aber eine längere Belichtungszeit vermeiden.
  • Du möchtest mit sehr kurzer Belichtungszeit fotografieren, aber die Blende nicht zu weit öffnen.
  • Für Dein Foto reicht die vorhandene Helligkeit nicht aus, aber Du möchtest Deine gewählten Einstellungen für Blende und Belichtungszeit nicht verändern.

Damit hast du die Grundlagen des Belichtungsdreiecks bereits verstanden und kannst Dich mit der praktischen Anwendung beschäftigen.

Der Lichtwert

Wenn Du mit einer Automatik-Einstellung Deiner Kamera fotografierst, übernimmt diese alle erforderlichen Berechnungen und Du brauchst Dir darüber keine Gedanken zu machen. Zu diesem Zweck ermittelt die Kamera zunächst den Lichtwert (engl. Exposure Value = EV), denn diesen benötigt sie auf jeden Fall und kann anschließend mit seiner Hilfe das Belichtungsdreieck berechnen. Aber wenn Du im manuellen Modus fotografierst, solltest Du dieses Hilfsmittel kennen und damit umgehen zu können.

Der Lichtwert sagt aus, wieviel Licht vorhanden ist und mit seiner Hilfe kannst Du die erforderlichen Werte für Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert berechnen. Er ist wie folgt definiert:
Bei Lichtwert 0 ist die richtige Einstellung Deiner Kamera:

  • ISO 100
  • Blende f/1
  • Belichtungszeit 1 Sekunde

Für einen Lichtwert gibt es immer unterschiedliche Kombinationen dieser Werte, die zu einem korrekt belichteten Bild führen. Dabei gilt grundsätzlich:

Wenn Du die Blendenzahl um einen Wert erhöhst, halbierst Du die Fläche der Öffnung, durch welche das Licht fällt. Dann musst Du die Belichtungszeit verdoppeln, damit der Sensor doppelt so lange belichtet wird. Das heißt, dass Du bei Blende f/1,4 eine Belichtungszeit von 2 Sekunden benötigst, um das gleiche Ergebnis zu erhalten.

Kameraeinstellungen anpassen

Je höher der Lichtwert ist, umso mehr Licht ist vorhanden, wobei eine Stufe im Plus bedeutet, dass sich diese verdoppelt hat, eine Stufe weniger bedeutet, dass sie sich halbiert hat. Wenn der Wert also eine Stufe höher ist, dann musst Du die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt, halbieren. Dafür hast Du mehrere Möglichkeiten:

  • Erhöhe die Blendenzahl um eine Stufe (z. B. von f/8 auf f/11). Dadurch halbierst Du die Fläche der Blendenöffnung.
  • Verkürze die Verschlusszeit um eine Stufe (z. B. von 1/250 auf 1/500), dadurch halbierst Du die Zeit der Belichtungsdauer.
  • Verringere den ISO Wert um eine Stufe (z. B. von ISO 100 auf ISO 50), damit halbierst Du die Empfindlichkeit des Sensors, was einer Halbierung der Lichtmenge gleichkommt.
  • Wenn Deine Kamera eine Korrektur-Taste hat, dann korrigiere Deine Einstellung hiermit um -1,0.

Wenn der Lichtwert gleich bleibt und Du veränderst eine dieser Einstellungen, so musst Du mit einem der anderen Werte entgegenwirken, um das zu korrigieren. Das bedeutet:

  • Wenn Du die Blendenzahl um eine Stufe erhöhst, musst Du entweder die Verschlusszeit verdoppeln oder den ISO Wert halbieren.
  • Wenn Du die Verschlusszeit verdoppelst, musst Du entweder die Blendenzahl um eine Stufe erhöhen oder den ISO Wert verdoppeln.
  • Wenn Du den ISO Wert halbierst, musst Du entweder die Blendenzahl um eine Stufe erhöhen oder die Verschlusszeit halbieren.
  • Das gleiche gilt jeweils auch umgekehrt.
  • Alternativ kannst Du auch bei Veränderung eines dieser Werte die Einstellung mit der Korrektur-Taste um -1,0 oder +1,0 anpassen.

Die richtige Einstellung ermitteln

Nun kennst Du auch das Prinzip des Belichtungsdreiecks und hast gesehen, dass das gar nicht schwierig umzusetzen ist, sofern Du einen Wert immer um eine Stufe veränderst. Achte dabei aber darauf, dass Du keine Zwischenstufen verwendest, wenn Du einen anderen Wert um eine volle Wertstufe veränderst, nämlich:

  • Blendenwerte: f/1 – f/1,4 – f/2 – f/2,8 – f/4 – f/5,6 – f/8 – f/11 usw.
  • Verschlusszeiten: 1s – 1/2s – 1/4s – 1/8s – 1/15s – 1/30s – 1/60s – 1/125s – 1/250s usw.

Wenn Du aber halbe Werte oder Drittelwerte einstellst, dann musst Du darauf achten, dass Du bei dem Wert, den Du anpassen möchtest, ebenfalls halbe Werte oder Drittelwerte anwendest.

Nun kannst Du aber auch nicht nur einen Wert verändern, sondern eine Vielzahl anderer Kombinationen einstellen. Dann wird es mit der Berechnung schon schwieriger, aber dafür gibt es ganz einfache Hilfsmittel, welche Dir die Arbeit erleichtern, wie die folgenden:

  • Tabelle für Belichtungsdreieck Einstellungen – Solche Tabellen findest Du im Internet als Download. Es gibt sie für die unterschiedlichen ISO Werte und Du kannst jeweils anhand des Lichtwertes die richtigen Kombinationen von Blende und Verschlusszeit finden.
  • Belichtungsdreieck Rechner – Ein solcher, wie er auch in Deiner Kamera integriert ist, ist besser als eine Tabelle, weil er jede Einstellung Deinen Wünschen entsprechend berechnet. Sehr komfortabel ist eine Belichtungsdreieck App für Dein Handy oder iPhone, weil dann alle Werte für Blende, ISO und Belichtungszeit der Rechner ermittelt. Diese Apps sind inzwischen so weit entwickelt, dass Dein Handy damit sogar die Aufgabe des Belichtungsmessers übernehmen kann, daher bevorzugt Olaf diesen Weg in den meisten Fällen.

Wann veränderst Du die vorgeschlagenen Einstellungen?

Ein externer Belichtungsmesser schlägt Dir in der Regel zum eingestellten ISO Wert gleich eine Reihe von Blende-Verschlusszeit-Kombinationen vor, aus denen Du auswählen kannst. Der Belichtungsmesser Deiner Kamera schlägt Dir meist nur eine optimale Kombination vor. Doch welche der vorgeschlagenen Kombinationen wählst Du aus bzw. wann solltest Du den Vorschlag Deiner Kamera abändern? Da gibt es einige Situationen:

  • Wenn Du eine schnelle Bewegung, zum Beispiel beim Sport, ein Wasserfall oder spielende Kinder, einfrieren möchtest, muss die Verschlusszeit sehr kurz sein, möglichst 1/1.000 Sekunde oder kürzer.
  • Wenn Du fließendes oder schäumendes Wasser, wie vielleicht in einem Gebirgsbach, so abbilden möchtest, dass man nicht jeden Tropfen sieht, sondern dass es weiche Spuren hinterlässt, dann sollte die Verschlusszeit länger sein, eventuell 1/30 oder 1/15 Sekunde.
  • Einen Abend- oder Nachthimmel fotografierst Du am besten mit möglichst kleinem ISO Wert, am besten ist dafür ISO 100, um Bildrauschen zu vermeiden.
  • Für ein Porträt wählst Du oft eine weit offene Blende. So bekommst Du wenig Tiefenschärfe und blendest damit Motive im Hintergrund aus, indem Du sie dadurch nur noch unscharf erscheinen lässt.
  • Bei der Landschaftsfotografie schließt Du die Blende so weit wie möglich, weil Du dabei die Tiefenschärfe benötigst, wenn man in der Weite der Landschaft alles scharf erkennen soll.
  • Wenn Du zum Beispiel bei einem Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang möchtest, dass Dein Foto etwas unterbelichtet ist, um es später besser nachbearbeiten zu können, musst Du diese Korrektur manuell vornehmen.
  • Bei schlechten Lichtverhältnissen kann es erforderlich sein, dass Du den ISO Wert erhöhst, damit Deine Verschlusszeit nicht zu lang wird. Achte dann aber darauf, dass Du ihn nicht zu hoch einstellst, sondern versuche besser, die Blende ein wenig mehr zu öffnen.

Berechnungsgrundlagen

Wahrscheinlich besitzt Deine Kamera einen eingebauten Belichtungsmesser, mit dem Du den Lichtwert ermitteln kannst, dann zeigt sie Dir auf dem Display auch schon eine passende Kombination von Blende und Verschlusszeit an, wobei Du den von Dir gewünschten ISO Wert vorher einstellen musst, damit er berücksichtigt wird. Es gibt aber auch separate Belichtungsmesser, die diesen Wert ermitteln und bei älteren Kameras unabdingbar waren.

Da man zu Zeiten der analogen Fotografie den ISO Wert nicht von Bild zu Bild verändern konnte, sondern dieser durch den eingelegten Film vorgegeben war, kann man vor allem bei älteren Belichtungsmessern diesen Wert einstellen und bekommt dann auf einer Skala gleich eine ganze Reihe passender Kombinationen von Blende und Verschlusszeit angezeigt. Bei modernen, digitalen Belichtungsmessern kann man sich durch Veränderung eines der Werte die jeweils richtige Kombination anzeigen lassen.

Doch geht es auch ohne diese Anzeige? Nehmen wir einmal an, Du kennst nur den Lichtwert, könntest Du dann die möglichen Kombinationen errechnen? Das geht natürlich, denn Dein Belichtungsmesser macht nichts anderes. Die Zahl des Lichtwertes beinhaltet nämlich alle Kombinationen von Blende und Verschlusszeit, bei welchen die gleiche Lichtmenge durch das Objektiv fällt. Die Formel für diese Berechnung ist:

2LW = k2/t

Um einen unbekannten Exponenten (hier den Lichtwert eV) zu berechnen, benötigst Du den Logarithmus. Daher erhältst Du für die Berechnung des Lichtwertes folgende Formel:

LW = log2 k2/t

Dabei gilt:

  • LW = Lichtwert (oder Ev = Exposure value)
  • k = Blendenzahl
  • t = Belichtungszeit in Sekunden

Veränderung der Empfindlichkeit

Mache die Probe für die beschriebene Formel:

  • Wenn Du die Blendenzahl 1 einsetzt und eine Verschlusszeit von 1 Sekunde, dann erhältst Du den Lichtwert LW = 0.
  • Erhöhe jetzt die Blendenzahl auf die nächste Stufe 1,4 und verdopple die Verschlusszeit auf 2 Sekunden – der Bruch ergibt 1 und der Wert für LW ergibt wieder 0.

Beachte aber dabei, dass es sich bei den Blendenwerten um gerundete Zahlen handelt, das heißt Dein Ergebnis wird nicht immer eine glatte Zahl ergeben, Du musst auch hier runden. Mit dieser Formel kannst Du jetzt alle Kombinationen von Blende und Verschlusszeit berechnen, dabei wird die Empfindlichkeit ISO 100 zugrunde gelegt. Was geschieht aber nun, wenn Du die Empfindlichkeit veränderst?

Du weißt ja, dass Du dann auch entweder die Blendenzahl oder die Verschlusszeit ändern musst. Dazu rechnest Du den für einen gegebenen Belichtungsindex S0 (ISO Wert) ermittelten Lichtwert in den Lichtwert für einen anderen Belichtungsindex S um. Das geschieht, indem Du die Zahl der Verdoppelungen oder Halbierungen, die zwischen S0 und S liegen, addierst. So liegen zum Beispiel zwischen ISO 50 und ISO 400 drei Schritte. Daraus kannst Du bei gleichbleibender Motivhelligkeit den Lichtwert LWs für den Belichtungsindex S nach folgender Formel berechnen:

LWs = LWs0 + log2 S/S0

Dabei gilt:

  • LWs0 = Lichtwert bei der bisherigen Empfindlichkeit
  • LWs = Lichtwert bei der veränderten Empfindlichkeit
  • S0 = bisherige Empfindlichkeit
  • S = veränderte Empfindlichkeit

Dieser so ermittelte neue Lichtwert LWs bildet jetzt die Grundlage für die Berechnung der möglichen Kombinationen von Blendenzahl und Verschlusszeit nach der vorher beschriebenen Methode.

Beeinflusst das Objektiv die einzustellenden Werte?

Die Einstellungen auf diese Art und Weise zu berechnen, erfordert natürlich einen Taschenrechner mit mathematischen Funktionen und ein wenig Zeit und Übung. Das wäre auch nur erforderlich, wenn Du einen Belichtungsmesser besitzt, der Dir lediglich den Lichtwert LW bei ISO 100 angibt. Das wird aber kaum der Fall sein, denn sowohl der eingebaute Belichtungsmesser Deiner Kamera sowie auch der externe machen Dir Vorschläge für die erforderlichen Einstellungen und geben ggf. ganze Reihen von Möglichkeiten vor. Wenn Du nur einen Wert vorgeschlagen bekommst, dann kannst Du entweder nach dieser Methode einen anderen Wert berechnen oder, wie auch bereits erwähnt, ihn anhand einer Tabelle für die Belichtungsdreieck Einstellungen ermitteln. Robert wählt diesen Weg oft, weil das mit etwas Übung sehr schnell geht.

Die drei Faktoren des Belichtungsdreiecks ergeben immer den gleichen Wert, der einen Rückschluss auf die tatsächliche Helligkeit des Motivs zulässt. Gibt es aber noch andere Faktoren, welche die drei einzustellenden Werte beeinflussen können?

Ja, die gibt es, aber um es gleich vorwegzunehmen: Das Objekt ist es grundsätzlich nicht! Das Objektiv nimmt keinen Einfluss auf die Helligkeit und den Lichtwert. Das liegt daran, dass die Berechnung des Blendenwertes auf dem Verhältnis zwischen der Blendenöffnung und der Brennweite beruht. Der Blendenwert ist also eine Relation und enthält keine Angabe einer Dimension. Wenn Du bei einem Weitwinkelobjektiv mit geringer Brennweite den Blendenwert f/4 einstellst, so lässt die Blende genauso viel Licht hindurch wie an einem Teleobjektiv mit einer langen Brennweite beim gleichen Blendenwert. Einfluss auf die Berechnung des Belichtungsdreiecks nimmt das Objektiv daher nicht. Zumindest nicht, solange seine Bauweise der Brennweite entspricht. Doch wie ist das zu verstehen?

Objektive mit Auszugsverlängerung

Du hast bestimmt schon bemerkt, dass Dein Bild im Sucher unscharf ist, wenn Du zu nah an ein Motiv herangehst. Das liegt an der Verschiebung des Bildpunktes bzw. der Veränderung der Bildweite. Bei einem Motiv in unendlicher Entfernung entspricht der Bildpunkt dem Brennpunkt des Objektivs. Je näher Du an das Motiv herangehst, umso weiter verschiebt sich der Bildpunkt nach hinten, wenn Du zu nah bist, liegt er hinter dem Bildsensor und Du erhältst kein scharfes Bild mehr. Bei Makroaufnahmen, also Aufnahmen aus ganz geringer Entfernung, ist das Bild deshalb unscharf.

Daher greift man beim Objektivbau zu einem Trick, um einen Abbildungsmaßstab von 1:4 oder sogar bis zu 1:1 zu erreichen (üblich ist ein Maßstab von 1:7 bis 1:9). Diese Objektive haben eine Auszugsverlängerung, welche den Abstand des Brennpunktes zum Sensor vergrößert, damit der Bildpunkt nicht mehr hinter dem Sensor liegt. Das gleiche kannst Du auch erreichen, indem Du ein Balgengerät oder Zwischenringe einfügst, um den Abstand zu vergrößern, worauf Olaf schon oft zurückgegriffen hat.

Mit zunehmender Entfernung des Objektivs vom Bildsensor kommt jedoch weniger Licht dort an. Die eingestellte Blende bezeichnet dann nicht mehr die effektive Lichtmenge, die auf den Sensor trifft, daher musst Du die Blende weiter öffnen oder eine längere Verschlusszeit wählen, wenn das Foto nicht unterbelichtet sein soll. Das ist der so genannte Verlängerungsfaktor, welchen Du als Zahl auf dem Objektiv oder auf dem Zwischenring findest. Ein Verlängerungsfaktor von 4 bedeutet also, dass Du die vierfache Verschlusszeit benötigst oder die Blendenöffnung um das Vierfache – also zwei Blendenstufen – weiter öffnen musst. Dieser Faktor ist natürlich auch unbedingt bei der Berechnung des Belichtungsdreiecks zu berücksichtigen.

Filter als Lichtschlucker

Natürlich wirkt sich jede Veränderung der Helligkeit auf den Lichtwert und damit die erforderlichen Einstellungen aus. Eine solche liegt meistens auch dann vor, wenn Du einen Vorsatzfilter verwendest. Ein Filter, der eigens dem Zweck dient, die Helligkeit zu verändern, ist der Neutraldichte-Filter (ND-Filter), mit dem Du eine gleichmäßige Abdunklung des Bildes erzielst. Ihn bekommst Du in verschiedenen Stufen, die beim Filter ebenfalls in Verlängerungsfaktoren angegeben sind. Das können beim ND-Filter oder Graufilter zum Beispiel die Faktoren 2, 4 oder gar 8 oder mehr sein. Diese sind auf dem Filter oft mit 2X, 4X usw. angegeben.

Aber auch andere Filter wie beispielsweise der Polfilter und insbesondere diverse Farbfilter absorbieren Helligkeit und haben teilweise erhebliche Verlängerungs- oder Filterfaktoren. Mit ihnen musst Du die ohne Filter gemessene Belichtungszeit multiplizieren oder die Blendenöffnung entsprechend vergrößern. Die Angabe 2X bedeutet also, dass Du die Verschlusszeit mit zwei multiplizieren oder die Fläche der Blendenöffnung verdoppeln musst.

Erforderliche Korrekturen

Wenn Du die Belichtungsmessung mit einem in die Kamera integrierten Belichtungsmesser vornimmst, hast Du in der Regel eine TTL-Messung. TTL bedeutet „through the lens“, also durch die Linse, was bedeutet, dass Du tatsächlich die Lichtmenge misst, die durch das Objektiv auf den Bildsensor fällt. Dann brauchst Du natürlich keine manuelle Korrektur der Berechnung des Belichtungsdreiecks vorzunehmen und wenn Du eine Automatik-Funktion Deiner Kamera verwendest, berücksichtigt diese bereits alle Faktoren, die zu einer Veränderung des Lichtwertes führen.
Aber wenn Du einen externen Belichtungsmesser verwendest, bist Du gezwungen, den Verlängerungsfaktor in Deine Einstellungen einzurechnen, damit Du ein korrekt belichtetes Foto bekommst. Unterstützung findest Du auch dabei in diversen Apps, welche Dir bei der Berechnung helfen. Du musst dann nur den Verlängerungsfaktor einstellen und bekommst automatisch die richtige Reihe von Blenden-Verschlusszeit-Kombinationen angezeigt.
Falls Du wirklich einmal in der Situation bist und kein Rechner diese Aufgabe für Dich übernimmt, so ist es aber gar nicht so schwer, die erforderliche Korrektur vorzunehmen. Beachte nur die Regel:

Der Verlängerungsfaktor ist ein Multiplikator, also:

  • Verschlusszeit 1/500 Sekunde x Verlängerungsfaktor 2 = 1/250 Sekunde
  • Verschlusszeit 1/500 Sekunde x Verlängerungsfaktor 4 = 1/125 Sekunde
  • Verschlusszeit 1/500 Sekunde x Verlängerungsfaktor 10 = 1/50 Sekunde
  • usw.

Möchtest Du den Blendenwert verändern, musst Du immer an folgendes denken:

  • Blende eine Stufe schließen halbiert die Fläche der Blendenöffnung
  • Blende eine Stufe öffnen verdoppelt die Fläche der Blendenöffnung.

Bei der Berechnung bedeutet das:

  • Blende f/11 x Verlängerungsfaktor 2 = Blende f/8
  • Blende f/11 x Verlängerungsfaktor 4 = Blende f/5,6
  • Blende f/11 x Verlängerungsfaktor 8 = Blende 4
  • usw.

Bei Verlängerungsfaktoren 3, 5, 6 oder anderen nicht linearen Werten erhältst Du für den Blendenwert natürlich Zwischenstufen, die Du bei digitalen Kameras ebenfalls einfach einstellen kannst.

Praktische Regel für Blende und Belichtungszeit

Wenn Deine Kamera auf einem Stativ steht, hast Du bei den Kombinationsmöglichkeiten von Blende und Belichtungszeit einen sehr großen Spielraum, da Du auch bei einer recht langen Verschlusszeit nicht in die Gefahr gerätst, das Foto zu verwackeln, indem Du die Kamera nicht ruhig genug halten kannst.

Gehen wir aber jetzt davon aus, dass Du aus der Hand fotografieren willst, was sehr oft der Fall ist, so musst Du beachten, dass bei einem Objektiv mit längerer Brennweite die Gefahr des Verwackelns größer ist als bei einem Objektiv mit kurzer Brennweite. Wenn Du dann nach einer passenden Kombination suchst, so hilft Dir bei der Wahl der passenden Blende und Belichtungszeit eine Faustregel weiter, die lautet:

  • Die Belichtungszeit sollte mindestens dem Kehrwert der Brennweite entsprechen.

Das ist ganz einfach und bedeutet für Dich:

  • Bei einer Brennweite von 50 mm = 1/50 Sekunde
  • Bei einer Brennweite von 200 mm = 1/200 Sekunde
  • usw.

Wenn Du diese Faustregel als Ausgangswert annimmst, kannst Du bei Bedarf folgende Anpassungen vornehmen:

  • Bei Aufnahme von bewegten Objekten kannst Du die Belichtungszeit verkürzen, wenn es hell genug ist.
  • Wenn Du einen Bildstabilisator nutzt, kannst Du die Belichtungszeit in einem gewissen Rahmen verlängern, falls das vorhandene Licht nicht zum Fotografieren ausreicht. In der Regel sind das 2 Blendenstufen, aber probiere es einfach aus, wie ruhig Deine Hand beim Fotografieren ist.
  • Sollte das Licht trotz weit geöffneter Blende nicht ausreichen, so kannst Du die Empfindlichkeit des Bildsensors erhöhen.

Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig und geben Dir eine Menge Möglichkeiten der Bildgestaltung. Wenn Du bei den Korrekturen immer die Regeln des Belichtungsdreiecks beachtest, sei es über eine Tabelle, mit Hilfe einer App oder durch manuelle Berechnung, so hast Du beste Voraussetzungen zum perfekten Foto.


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