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Blende

Ein klassischer Bestandteil jeder Kamera ist die Blende, jene Öffnung im Objektiv, die steuert, welche Menge an Licht auf den Bildsensor – bzw. bei analogen Kameras auf den Film – gelangt.

Was ist eine Blende?

Die Blende ist erforderlich, damit überhaupt ein Bild auf dem Sensor oder dem Film abgebildet wird. In der frühen Geschichte der Fotografie war dies ein kleines Loch, mit dem sich sogar ohne optische Linse ein lichtschwaches Bild auf einer dahinter liegenden Fläche abbilden lässt, wie dies bei der Camera obscura geschieht. Sie diente jedoch nicht der Bildaufzeichnung, sondern lediglich der Projektion. Dieses Prinzip der Lochkamera war bereits in der Antike bekannt und die Erfinder der Fotografie haben es im 19. Jahrhundert weiterentwickelt.

Diese Technik ist natürlich viel zu lichtschwach für die moderne Fotografie, die in der Regel mit einer variablen Blendenöffnung arbeitet, um den Lichteinfall steuern zu können. Dies geschieht heute meist über einen Lamellenverschluss, mit dem Du die Öffnung der Blende verkleinern oder vergrößern kannst. Da die Funktion jener der Iris des menschlichen Auges entspricht, durch die ebenfalls der Lichteinfall gesteuert wird, nennt man diese Mechanik Irisblende.

Die meisten Objektive sind mit einer Irisblende ausgestattet, doch der Vollständigkeit halber seien auch zwei andere Techniken erwähnt, die ebenfalls in Kameraobjektiven zum Einsatz kommen. Da gibt es noch die Spaltsegmentblende, sie arbeitet mit zwei hintereinander liegenden Blendenscheiben, die aus mehreren deckungsgleichen Kreissektoren bestehen. Das Auf- und Abblenden erfolgt bei dieser Blende, indem sich die hintereinander liegenden Blendenscheiben gegeneinander verdrehen.

Die Siebblende besteht aus einer Scheibe mit regelmäßig oder unregelmäßig angeordneten Löchern, was ihr auch den Namen gegeben hat. Sie bewirkt eine „erwünschte“ Fehlerhaftigkeit der Abbildungen und wird unter anderem in speziellen Weichzeichner-Objekten für die Porträtfotografie eingesetzt, deren effektvolle Ergebnisse Robert sehr schätzt.

Funktionsweise der Blende

Um die Funktionsweise der Blende zu verstehen, ist es wichtig, dass Du Dich mit der Definition der Blende einer Kamera vertraut machst. In der Optik bezeichnet man als Blende allgemein eine Vorrichtung, die den Querschnitt von Lichtstrahlenbündeln begrenzt. Das hat keinen Einfluss auf die Größe des Bildausschnittes. Durch die Verkleinerung oder Vergrößerung der Blende veränderst Du den Querschnitt des Lichtstrahls, was die Helligkeit des Bildes beeinflusst.

Das würde eigentlich schon genügen, um ein optimal belichtetes Foto zu erzeugen, doch erst in der Zusammenwirkung von Blende und Belichtungszeit hast Du ein wichtiges Instrument zur Gestaltung Deiner Bilder.

Blende und Belichtungszeit

Wenn Du die fotografische Blende verkleinerst, fällt weniger Licht durch das Objektiv und das Foto wird unterbelichtet, also es wird zu dunkel. Das kannst Du ausgleichen, indem Du die Belichtungszeit verlängerst, so dass das Licht über einen längeren Zeitraum durch die nun kleinere Öffnung dringen kann und den Bildsensor dadurch länger belichtet.

Diese Vorgehensweise ist jedoch bei einem schnell bewegten Objekt von Nachteil, weil Du von diesem bei einer längeren Belichtungszeit ein unscharfes Bild erhältst. Das ist klar, weil es sich während der Belichtung schon wieder ein Stück weiter bewegt hat. Daher solltest Du Personen in Bewegung wie beispielsweise beim Sport mit einer großen Blende und einer möglichst kurzen Belichtungszeit fotografieren.

Umgekehrt musst Du die Belichtungszeit verlängern, wenn Du für Dein Foto eine kleine Blende verwendest. Das bietet sich bei einem Motiv an, welches sich nicht bewegt. Aber ob und in welchem Rahmen Du die Blende verkleinerst, kommt auch darauf an, wie Du Dein Motiv gestalten willst, denn mit dem Verändern der Blendeneinstellung ist ein weiterer Effekt verbunden.

Wie beeinflusst die Blende die Tiefenschärfe?

Wenn Du einen Blumenstrauß fotografierst oder ein Portrait einer Person aufnimmst, so ist es mitunter störend, wenn man die Objekte im Hintergrund genauso scharf erkennt wie das eigentliche Motiv. Das lenkt ab und ist oft überhaupt nicht gewollt. Natürlich stellst Du die Schärfe beim Fotografieren nur auf die Entfernung Deines Motivs ein, aber trotzdem sind Dinge davor oder dahinter später auf dem Foto noch unterschiedlich scharf zu sehen. Warum ist das so?

Von jedem Punkt des Motivs geht ein Lichtbündel zum Objektiv. Je kleiner der Einfallswinkel dieses Lichtbündels auf die Linse ist, umso tiefer erstreckt sich der Bereich, in dem Objekte auf dem Foto noch deutlich sichtbar sind. Bei einer kleineren Blendenöffnung trifft das Lichtbündel auf eine kleinere Oberfläche der Linse, wodurch der Einfallswinkel kleiner wird. Du erhältst dadurch eine größere Tiefenschärfe.

Möchtest Du also, dass alle Objekte vor und hinter Deinem Motiv auf dem Foto möglichst deutlich sichtbar sind, so musst Du mit einer möglichst kleinen Blende fotografieren. Umgekehrt musst Du eine große Blende einstellen, wenn Du eine geringere Tiefenschärfe möchtest, wenn also das Augenmerk auf das Hauptmotiv gelenkt werden soll.

Welche Blende verwende ich wann?

Welche Blende Du im Hinblick auf die zu erwartende Tiefenschärfe verwendest, liegt hauptsächlich an Deinen Vorstellungen vom fertigen Foto. Wenn Du Dir also eine einzelne Blume, eine Person oder ein Denkmal als Motiv ausgewählt hast, dann stören die anderen Elemente rund um Dein Motiv und Du kannst sie durch die Wahl einer größeren Blende ein wenig unschärfer erscheinen lassen, damit die Aufmerksam auf Dein Motiv gelenkt ist.

Wenn Du jedoch eine weitläufige Landschaft fotografierst, so möchtest Du wahrscheinlich, dass man auch Bäume in der Ferne und die Wolken am Himmel möglichst gut erkennen kann und dass diese nicht unscharf sind. Deshalb wirst Du dafür eine möglichst kleine Blende wählen. Dabei solltest Du beachten, dass eine große Tiefenschärfe noch einen weiteren Nebeneffekt hat. Motivdetails, die in Wirklichkeit vom Fotografen aus gesehen weit voneinander entfernt sind, scheinen auf dem Foto viel näher zusammen zu rücken.

Wenn Du also deutlich machen willst, dass die Berge im Hintergrund tatsächlich ganz weit weg sind, dann wähle besser einen Mittelweg bei der Wahl der Blende, so wie das auch Olaf oft bevorzugt, weil viele Objektive im mittleren Blendenbereich ihre optimale Leistung bringen.

Kritische Blende

Das ist aber nicht der einzige Grund, nicht unbedingt die kleinste Blende zu verwenden. Es kann dann nämlich passieren, dass Lichtstrahlen am Rand der Blende zu stark abgelenkt werden und auf dem Bildsensor auf eine falsche Stelle fallen. Man spricht dabei von einer Beugungsunschärfe. Wenn Du also einmal trotz einer vermeintlich richtigen Einstellung ein unscharfes Foto geschossen hast, dann ist vielleicht die zu klein gewählte Blende die Erklärung dafür.

Aber Achtung, nicht nur die Verwendung der kleinstmöglichen Blende kann zu Abbildungsfehlern führen. Auch ein kleiner Blendenwert, also eine sehr weit geöffnete Blende, kann sich negativ auswirken. Bildwölbungsfehler, Farbfehler und Aberrationsunschärfen können die Folgen sein. Diese Abbildungsschwächen, vor allem an den Bildrändern, wirst Du bei jedem Objektiv haben, egal wie teuer es war, denn sie haben etwas mit der allgemeinen Optik der Linsen zu tun, die sich nicht verändern lässt.

Hier gilt es, einen optimalen Kompromiss zu finden. Dieser ist das Minimum der Summe aus Beugungsunschärfe und Aberrationsunschärfe und man bezeichnet ihn als Kritische Blende. Bei diesen Blendenwerten wird das bestmögliche Bildergebnis erzielt, wobei Du jedoch die Fehler am Computer-Monitor nur nach einiger Übung und bei genauem Hinsehen erkennen wirst. Bei Vergrößerung des Bildes auf Plakatgröße sind diese aber offenkundig erkennbar und beeinträchtigen die Qualität eines Fotos erheblich.

Schnappschusseinstellung dank Tiefenschärfe

Bei älteren analogen Spiegelreflexkameras, aber auch bei Sucherkameras findet man am Objektiv außer dem Blendenring noch eine Skala mit Entfernungsangaben in Metern, nach der man das Objektiv auf das Motiv fokussieren konnte. Dabei war der Blendenbereich f/8 bis f/11 sowie die Entfernungsangabe meist bei 10 Metern farblich markiert. Das war die so genannte Schnappschusseinstellung. Aufgrund der durch die kleine Blendenöffnung erzielten Tiefenschärfe war es möglich, in einem Bereich von 10 Metern bis unendlich scharfe Fotos zu machen, ohne eine genauere Fokussierung vornehmen zu müssen.

Diese Erfahrung kannst Du Dir auch mit einer modernen Kamera zu Nutze machen, denn wenn Du diese Blenden- und Entfernungseinstellung wählst, erhältst Du einen Schärfetiefenbereich, der das Fokussieren fast überflüssig macht, also ideal für Schnappschüsse ist. Da eine Entfernungsangabe bei den neuen Objektiven fehlt, ist es sinnvoll, das Objektiv zunächst manuell auf die gewünschte Entfernung zu fokussieren und mit ausgeschalteter Autofokus-Funktion zu arbeiten.

Das ist nicht schwer und hat außerdem den Vorteil, dass Du schneller reagieren kannst, weil Du nicht warten musst, bis der Autofokus sich auf Dein Motiv eingestellt hat, was erfahrungsgemäß immer ein wenig Zeit benötigt. Durch diesen kleinen Trick machst Du tolle Aufnahmen von Situationen, die längst vorbei wären, wenn Du warten musst, bis die Automatik die Fokussierung beendet hat.

Welche Bedeutung hat die Blendenzahl?

Bei elektronischen Autofocus-Kameras wird im Sucher oder im Display die eingestellte Blende durch eine Zahl angegeben. Objektive, an denen Du die Blendenzahl auch manuell einstellen kannst, besitzen hierfür einen Blendenring. Das sind vor allem ältere Modelle, bei vielen neuen Modellen lässt sich die Blendenzahl über ein Drehrad am Kameragehäuse einstellen, was je nach Modell und Hersteller unterschiedlich ist. Was bedeuten aber die auf dem Blendenring oder im Display anzeigten Blendenzahlen?

Selbstverständlich hat diese Blendenzahl eine Bedeutung, sie bezieht sich zum einen auf den Durchmesser der Blende bei der gewählten Einstellung, aber das reicht nicht aus, da die einfallende Lichtmenge je nach Länge des Objektivs unterschiedlich ist. Maßgebend ist dabei die Brennweite des Objektivs, weil bei einer längeren Brennweite weniger Licht in der Kamera ankommt als bei einer kurzen Brennweite. Deshalb berechnet sich diese Zahl aus der Relation zwischen der eingestellten Blendenöffnung und der Brennweite des Objektivs.

Hier ein Beispiel: Blende f/2 bedeutet also, dass diese so weit geöffnet ist, dass die Brennweite zweimal dem Durchmesser der geöffneten Blende entspricht. Bei Blende f/4 passt der Durchmesser der Blende viermal auf die Länge der Brennweite. Daran kannst Du schon erkennen: Eine größere Blende bedeutet, dass die Blendenöffnung kleiner ist.

Wofür steht das f bei der Blendenzahl?

Die Blende ist oft als reiner Zahlenwert angegeben, so wie auf dem Blendenring des Objektivs. Du wirst aber auch immer wieder die Bezeichnung f/5,6 oder in Verbindung mit jeder anderen Blendenzahl lesen und hast Dich vielleicht schon gefragt, was das bedeutet.

Im Zusammenhang mit Deiner Kamera steht das „f“ vor dem Wert der Blende für „Focal Length“, das ist die englische Bezeichnung für Brennweite. Damit ist auch klar, dass bei einem Objektiv mit der Brennweite 200 mm die Blende f/2 (= 200/2) größer ist als die Blende f/4 (= 200/4).

Lass Dich aber nicht irritieren, es gibt noch einige andere Schreibweisen für die Blendenzahl, nämlich:

  • 1:2,8
  • 1/2,8
  • F 2,8

In der Bedeutung macht das jedoch keinen Unterschied, sie meinen alle das gleiche.

Auch auf Objektiven ist – in der Regel auf dem vorderen Ring, den man sieht, wenn man in die Linse schaut – neben der Angabe zur Brennweite des Objektivs ein Hinweis mit einer Blendenzahl angebracht (zum Beispiel 1:1.4). Dieser Wert gibt an, wieviel Licht die Blende des Objektivs maximal hindurch fallen lässt. Du kannst die Blende natürlich auch weiter schließen, um eine höhere Blendenzahl und damit geringeren Lichtdurchfall zu erreichen.

Die richtige Blendenzahl

Wozu muss man eigentlich die Blende berechnen? Wir wissen jetzt, was die Blendenzahl bedeutet und sehen auf dem Blendenring oder an anderen Stellen, dass für den Blendenwert immer eine bestimmte Zahlenreihe Verwendung findet, nämlich 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32 – 45. Dabei halbiert sich bei jedem Schritt die Fläche der Blendenöffnung und damit die durchgelassene Lichtmenge. Die krummen Werte entstehen dabei deshalb, weil es sich bei der Öffnung um eine nahezu kreisförmige Fläche handelt. Deshalb berechnet sich die nächst größere Blendenzahl durch Multiplikation mit dem Faktor √2.

Die Werte werden dabei nach folgender Formel ermittelt:

  • 1,4 × √2 = 1,9796 (gerundet = Blende f/2)
  • 2 × √2 = 2,828 (gerundet = Blende f/2,8)
  • 2,8 × √2 = 3,959 (gerundet = Blende f/4) usw.

Auf dem Display oder im Sucher Deiner Kamera wirst Du aber noch andere Werte angezeigt bekommen und darfst Dich darüber nicht wundern. Diese Zwischenwerte entstehen durch die elektronische Berechnung der erforderlichen Blendenzahl und sind deshalb möglich, weil sich die Blende nicht in Schritten, sondern stufenlos verstellen lässt. Damit können die digitalen Kameras natürlich viel genauer auf die Lichtverhältnisse reagieren als Du es früher bei der Einstellung über den Blendenring konntest, der nur die Standard-Schritte zuließ.

Wofür benötigst Du die Berechnung?

Du weißt nun, dass die Blendenschritte nach oben jeweils einer Halbierung und nach unten jeweils einer Verdoppelung der Lichtmenge entsprechen. Doch wofür benötigst Du das?

Wenn ein Foto bei einer bestimmten Lichtsituation bei Blende f/4 eine Belichtungszeit von 1/60 Sekunde benötigt, kannst Du ganz einfach die für eine andere Blendenzahl benötigte Belichtungszeit berechnen. Möchtest Du also eine größere Schärfentiefe haben und deshalb mit der nur halb so großen Blende f/5,6 fotografieren, fällt nur noch die halbe Lichtmenge auf den Bildsensor. Deshalb musst Du die Belichtungszeit auf 1/30 Sekunde verdoppeln, um ein genauso perfekt belichtetes Foto zu erhalten.

Das machen die Kameras zwar bei entsprechender Einstellung automatisch, aber sie lassen auch eine manuelle Einstellung zu. Diese empfiehlt sich, wenn Du die Belichtung dabei noch etwas nach unten oder oben korrigieren möchtest, um durch Unter- oder Überbelichtung besondere Effekte zu erreichen, so wie es Robert gerne macht. Mit ein wenig Übung wirst Du bestimmt genau wie er Freude daran finden.

Vergleich von Blendenwerten

Können wir die Blendenwerte verschiedener Objektive miteinander vergleichen oder müssen wir unsere Berechnungen für jedes Objektiv neu anstellen? Wie Du schon gesehen hast, wird für die Berechnung des Blendenwertes das Verhältnis zwischen der Blendenöffnung – in der Kameratechnik auch wirksame Öffnung genannt – und der Brennweite herangezogen.

Der Blendenwert ist also eine Relation und enthält keine Angabe einer Dimension, also einer Maßeinheit für Längen, Flächen oder Lichtstärken. Dadurch kannst Du über diesen Wert verschiedene Objektive gut miteinander vergleichen. Wenn Du also bei einem Weitwinkelobjektiv mit 35 mm Brennweite den Blendenwert f/4 einstellst, so lässt die Blende genauso viel Licht hindurch wie an einem Teleobjektiv mit 400 mm Brennweite beim gleichen Blendenwert f/4. Dadurch kannst Du die Ergebnisse, die ein Objektiv bringt, nach einiger Zeit aufgrund Deiner Routine und Erfahrungen gut abschätzen und musst nicht mit jedem Objektiv neue Erfahrungen machen.

Blendenzahl in Abhängigkeit vom Objektiv

Warum werden aber nun bei Zoom-Objektiven, also Objektiven mit veränderlicher Brennweite verschiedene Blendenwerte für ein und dasselbe Objektiv angegeben? So findest Du vielleicht bei Deinem Weitwinkel-Zoom-Objektiv mit einer Brennweite von 18 bis 135 mm 1:3.5-5.6 angegeben. Das bedeutet, dass Dein Objektiv bei der kürzesten Brennweite, also 18 mm, eine größtmögliche Blendenöffnung von f/3,5 hat. Je weiter Du aber das Objektiv verlängerst, umso weniger Licht fällt hindurch. Deshalb ist bei der längsten Brennweite von 135 mm die größtmögliche Blendenöffnung nur noch f/5,6.

Auch daran siehst Du wieder, dass der Blendenwert kein Wert ist, der sich an einer Skala orientiert, sondern das Verhältnis zwischen Blendenöffnung und Brennweite wiedergibt. Allerdings gibt es auch besonders lichtstarke Zoom-Objektive, bei denen Du bei jeder gewählten Brennweite die gleiche größtmögliche Blendenöffnung hast. Diese Objektive haben aber meist auch einen kleineren Zoombereich, also zum Beispiel 18 bis 55 mm.

Offene Blende

Der Begriff Offene Blende oder Offenblende bezeichnet die größtmögliche Blendenöffnung eines Objektivs. Wenn Du durch den Sucher schaust und den Bildausschnitt festlegst, ist die Blende komplett geöffnet. Dadurch fällt so viel Licht wie möglich in die Kamera und Du hast es leichter, die Schärfe einzustellen und den Bildausschnitt festzulegen, weil Du ein helleres Bild hast.

Du kannst Dir aber auch einen Eindruck davon verschaffen, wie Dein fertiges Foto aussehen wird. Wenn Du also die Schärfentiefe und die Lichtverhältnisse sehen willst, wie sie tatsächlich sind, drückst Du die so genannte Abblendtaste an Deiner Kamera. Sie wird mitunter auch als Schärfentiefenprüfung bezeichnet und bei Drücken dieser Taste schließt sich die Blende auf den eingestellten Wert.

Diese kleine Taste befand sich früher bei den analogen Kameras ziemlich weit vorn in der Nähe des Blendenringes. So konnte man bei gedrückter Taste die Blendeneinstellung an der Kamera korrigieren und gleich im Sucher das Ergebnis sehen. Bei den modernen Kameras, bei denen die Blende elektronisch gesteuert ist, befindet sich der Knopf oft immer noch an dieser Stelle, es gibt jedoch auch andere Lösungen dafür. Diese findest Du in der Bedienungsanleitung Deiner Kamera.

Wenn Du anschließend den Auslöser drückst, um das gewünschte Foto zu machen, schließt sich die Blende auf den eingestellten Wert, man spricht hier von der Arbeitsblende und bezeichnet diese Mechanik auch als Springblende. Dann öffnet sich der Vorhang vor dem Bildsensor – bzw. bei der Analogkamera vor dem Film – und lässt für die eingestellte Zeit Licht darauf fallen.

Fotografieren mit offener Blende

Vor allem Objektive mit Festbrennweiten sind oft sehr lichtstark, weil man bei ihnen bauartbedingt die Blende sehr weit öffnen kann. Das kannst Du für mehrere Bereiche gut nutzen.

Zum einen ist es von Vorteil, wenn Du bei wenig Licht noch gute Fotos machen willst. Durch die weit geöffnete Blende fällt ein Maximum an Licht in die Kamera. Wenn Du dazu noch ein Stativ benutzt, um bei längeren Belichtungszeiten ein Verwackeln des Bildes zu vermeiden, erzielst Du selbst in der Dämmerung und bei abgedunkelten Räumen noch sehr gute Ergebnisse.

Bei ausreichender Beleuchtung besteht der Vorteil dieser Objektive darin, dass Du bei geöffneter Blende mit sehr kurzen Belichtungszeiten arbeiten kannst. Dadurch kannst Du schnell reagieren, wenn es darum geht, Momentaufnahmen zu machen. Du kannst aber auch schnelle Bewegungen, zum Beispiel im Sport, von Tieren oder von spielenden Kindern, gut einfangen. Deshalb werden diese Objektive oft auch „schnelle Objektive“ genannt.

Dabei solltest Du aber immer auch bedenken, dass die so erzielte Geschwindigkeit zu Lasten der Tiefenschärfe geht. Um dem entgegen zu wirken, kannst Du ausprobieren, ob es die Lichtverhältnisse zulassen, dass Du nicht den kleinstmöglichen Blendenwert an der Kamera einstellst, sondern einen Wert, der sich der Kritischen Blende annähert.

Blendeneinstellung bei elektronischen Kameras

Inzwischen gibt es mehrere Generationen von digitalen Kameras. Sofern Du ein älteres Modell besitzt, kannst Du die Einstellung der Blende – wie früher bei den analogen Kameras – am Blendenring des Objektivs vornehmen, da man diese Technik zunächst beibehalten hat. Wie bei den analogen Kameras mit Belichtungsautomatik musst Du dazu vorher den Schalter, der sich bei den meisten Kameras oben auf dem Gehäuse befindet, auf die Einstellung „A“ oder „AV“ drehen, um die Zeitautomatik zu aktivieren.

Dabei ist AV die Abkürzung von Aperture Value, dem englischen Ausdruck für Blendenwert. Sie bezeichnet das halbautomatische Programm, bei dem Du die Blende frei wählst und die Kamera automatisch die passende Belichtungszeit ermittelt. So kannst Du Dich auf die Wahl des für Dein Motiv am besten geeigneten Blendenwertes konzentrieren.

Trotzdem solltest Du im Sucher oder auf dem Display die automatisch ermittelte Belichtungszeit nicht außer Acht lassen, vor allem damit diese bei einer zu klein gewählten Blende nicht zu lang ist. Dann besteht wie Du weißt die Gefahr, dass Du die Kamera nicht mehr ruhig genug in der Hand halten kannst, um ein scharfes Foto zu machen.

Bei Kameras, deren Objektive keinen Blendenring besitzen, nimmst Du diese Einstellung des Blendenwertes vor, indem Du die Q-Taste drückst (Q steht dabei für quick = schnell). Anschließend kannst Du den Blendenwert über das Display regeln. Ältere Modelle, die diese Technik noch nicht besitzen, haben meist ein Rädchen an der Rückseite, über das Du den Blendenwert regeln kannst.

Automatikprogramme der Kamera

Außer der Einstellung für die Zeitautomatik findest Du am Einstellknopf Deiner Kamera noch weitere Bezeichnungen, die für andere Automatikprogramme stehen. So funktioniert die Blendenautomatik genau umgekehrt wie die Zeitautomatik. Sie wird in der Regel mit einem „S“ (für Shutter Time = Verschlusszeit) gekennzeichnet, mitunter aber auch nur mit einem „T“ (für Time). Bei der Auswahl dieses Programms stellst Du die Belichtungszeit fest ein und die Kamera ermittelt automatisch den passenden Blendenwert.

Das ist sehr hilfreich, wenn Du schnelle Bewegungen fotografieren willst, wofür Du eine möglichst kurze Belichtungszeit benötigst, zum Beispiel bei der Sportfotografie. Aber auch umgekehrt kann es von Nutzen sein, wenn Du eine möglichst große Tiefenschärfe wünschst und daher eine längere Belichtungszeit vorwählst, damit die Blende weit geschlossen wird.

Behalte dabei aber immer im Auge, welches Ergebnis Du erzielen möchtest. Du kannst auch bei Sportaufnahmen mit Fahrzeugen wie zum Beispiel Autos oder Motorrädern die Kamera mitführen, das heißt mit der Kamera der Bewegung folgen, um das Objekt zu fotografieren, den Hintergrund jedoch verschwimmen zu lassen. Dann sollte die Belichtungszeit nicht zu kurz sein, also wählst Du einen größeren Blendenwert, so dass die Blende mehr geschlossen ist und die Belichtungszeit dadurch länger wird.

Wenn Du dabei aber eine möglichst lange Belichtungszeit vorwählst, musst Du darauf achten, dass die kleinste Blendenöffnung möglicherweise nicht klein genug ist und deshalb zu viel Licht durchlässt. Dann erhältst Du eine überbelichtete Aufnahme. Die meisten Kameras werden Dich dann zwar durch ein Blinken der Blendenanzeige warnen, aber trotzdem auslösen. Deshalb ist es immer wichtig, auch bei Automatikprogrammen die eingestellte Blende im Auge zu behalten

Vollautomatische Einstellungen

Die Automatikprogramme Deiner Kamera helfen Dir natürlich auch, wenn es einmal ganz schnell gehen soll. Dafür hast Du die mit „Auto“ bezeichnete Programmautomatik, bei der die optimale Kombination von Blende und Belichtungszeit automatisch ermittelt wird. Jetzt brauchst Du Dich um gar nichts mehr zu kümmern, denn Deine Kamera nimmt die Einstellung nach zwei Kriterien vor:

  • Das Foto soll korrekt und optimal belichtet sein.
  • Das Foto soll so scharf wie möglich sein.

Diese Automatikfunktion wird von vielen Fotografen als „Laienprogramm“ belächelt, was jedoch auch Olaf für unberechtigt hält, denn es stellt in vielen Situationen eine große Hilfe dar, weil der Fotograf viel schneller reagieren kann als bei den anderen Automatikprogrammen, ganz abgesehen von der früher üblichen manuellen Einstellung.

Die komplett automatische Programmierung im Programm „Auto“ ist jedoch nicht zu verwechseln mit der Programmierbaren Automatik „P“. Hierbei kannst Du sowohl die Belichtungszeit als auch den Blendenwert regeln. Die Automatik passt dann die anderen Werte jeweils auf Deine Einstellung an, achtet jedoch darauf, dass Deine Auswahl ein gutes Ergebnis bringt, indem sie zum Beispiel zu lange Belichtungszeiten verhindert. Falls Du also bei schlechten Lichtverhältnissen eine zu kleine Blende wählst, wird die Automatik das nicht zulassen, damit Du kein unscharfes Foto erhältst.

Motivprogramme

Darüber hinaus verfügen die meisten Kameras zusätzlich über weitere Automatikprogramme, die meist nicht mit einem Buchstaben, sondern mit einem kleinen Icon gekennzeichnet sind. Sie helfen Dir bei folgenden Anlässen:

  • Porträtfotografie
  • Landschafts- oder Panoramafotografie
  • Sportfotografie
  • Nachtfotografie

Diese Icons sind nicht bei allen Kameraherstellern und -typen gleich, aber sie sind in der Regel selbsterklärend, das heißt ein Kopf steht für Porträt, ein Stern für Nacht, ein Berg für Landschaft oder eine laufende Person für Sport. Das sind nur Beispiele und im Zweifelsfall hilft Dir hier natürlich die Bedienungsanleitung Deiner Kamera weiter.

Wenn Du nun Deine Kamera zur Hand nimmst und diese Programme nacheinander einstellst, so wirst Du gleich sehen, wo diese Programme die Prioritäten setzen. So wählt das Porträtprogramm eine möglichst offene Blende für eine geringe Schärfentiefe und das Landschaftsprogramm hingegen eine möglichst geschlossene Blende für entsprechend große Schärfentiefe.

Sport- und Nachtprogramm hingegen orientieren sich an der Belichtungszeit, die bekanntlich bei Sportaufnahmen möglichst kurz, in der Dunkelheit hingegen länger sein muss. Der passende Blendenwert wird auch hier dann automatisch ermittelt, so dass Du kaum noch etwas falsch machen kannst.

Der Buchstabe „M“ auf dem Einstellring bedeutet natürlich immer „manuelle Einstellung“. Du kannst also trotz aller Automatikprogramme bei jeder guten Kamera auch Deine eigene Einstellung vornehmen. Das ist sehr wichtig, denn Du wirst ja auch immer wieder Fotos machen, bei denen Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen willst, was doch beim Fotografieren am meisten Spaß macht.
Also denke daran, bei allen automatischen Möglichkeiten, welche Dir Deine Kamera bietet, nie die Einstellung „M“ aus den Augen zu verlieren. Viel Freude beim Experimentieren!


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