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Blitzlicht versus „natural light“:

Warum ein Lichtsetup mit einem oder zwei Blitzen für Robert und Olaf mitunter die ideale Wahl ist. Prinzipiell gibt es zwei Arten von Fotografen: Jene, die „natural“, respektive „available light“ bevorzugen, und Fotofreunde, die ihr Speedlight stets parat halten …

Ein „Glaubenskrieg“, der Olaf und Robert fremd ist. Denn beide setzen, je nach Situation, sowohl natürliche Lichtstimmungen wie auch Blitzlicht für ihre Porträtfotos ein. Entweder „entfesselt“ oder auch via Aufsteckblitz, der dann natürlich indirekt – sprich über Umwege (etwa über die Decke oder eine Wand) – auf die porträtierte Person scheint:

Warum Lichtsetzung und gute Fotos so eng miteinander verknüpft sind?

Doch auch in der Makrofotografie oder bei Produktfotos stehen und fallen die Ergebnisse mit dem Licht. Will meinen: Ein schlecht gesetztes Licht vermag jede Bildkomposition zu zerstören, wohingegen ein tolles, weiches Licht, für geradezu zauberhafte Nahaufnahmen, Produktbilder und Porträts sorgt. Das übrigens völlig unabhängig davon, ob eine natürliche Lichtquelle, Kunstlicht in Form von Dauerlicht oder gar ein Lichtsetup mit einem Blitz für die benötigte Helligkeit und Stimmung sorgt. Denn auch mit Blitzlicht lassen sich weitgehend natürliche Lichtstimmungen kreieren.

Selbst die kleinen Bordblitze leisten beim Aufhellen von Schatten – etwa unter der Nase einer porträtierten Person – hervorragende Dienste. Apropos, Licht: Das Wort Fotografie, früher noch Photographie geschrieben, leitet sich aus den altgriechischen Begriffen „photós“ und „graphein“ ab und bedeutet daher so viel wie „mit Licht malen“ oder „mit Licht zeichnen“. Ein erster Hinweis darauf, dass jede Bildkomposition von ihrem natürlichen oder künstlichen Licht lebt.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Blitzlichtfotografie

Wer in die Geschichte der Blitzlichtfotografie eintaucht, der stößt dabei rasch auf Methoden, die uns heute äußerst gewagt scheinen. Manche Fotografen entzündeten Magnesium oder Gemische aus verschiedenen Blitzlichtpulvern, um so für (mehr) Licht im Bild zu sorgen. Daher stellten die ersten Blitzbirnen einen echten Meilenstein in der Porträt- und Sachfotografie dar. Denn nächtliche Stimmungen, gar ganze Gebäude, lassen sich mit Blitzlicht natürlich nicht erhellen, da die Reichweite selbst bei einem modernen System- und Aufsteckblitz ihre Grenzen hat. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass die Aufgabenfelder der Blitzlichtfotografie auf bestimmte Themenbereiche wie Porträts, Tier- und andere Sachfotos sowie Makroaufnahmen ebenfalls begrenzt bleiben!

Wichtige Begriffe rund um den System- und Aufsteckblitz kurz erklärt

  • Die so genannte Leitzahl gibt dabei die Stärke des Blitzgerätes an. Eine Kennziffer, die du in der (Produkt) Beschreibung deines Gerätes findest und aus der sich dann die für Fotografen viel bedeutsamere Reichweite des Blitzes errechnen lässt. Die erfährst du, indem du die Leitzahl durch die gewählte Blende dividierst, also angenommen, du hast einen Blitz mit der Leitzahl 60 und wählst Blende 8, dann kannst du damit noch ein Motiv, das 7,5 Meter vom Blitz entfernt ist, hinreichend ausleuchten.
  • Besitzt du einen TTL Blitz, dann findet die Belichtungsmessung durch das jeweils angesetzte Objektiv – also through the lens – statt. Somit kannst du weitgehend automatisiert und ohne deine Kamera manuell einzustellen (wozu du dann einen Handbelichtungsmesser für Blitzlicht benötigst) fotografieren. Diese TTL Messung erfolgt nur bei nativen Blitzgeräten oder den Aufsteckblitzen von Fremdherstellern, die ihre Geräte eigens für deine Kameramarke konzipiert haben. Allerdings kannst du nahezu jeden Blitz über den so genannten Mittenkontakt deiner Kamera, respektive des Blitzschuhs, auslösen; Blitzstärke und die dazu gehörige Blende müssen dann aber – siehe oben – manuell gemessen und eingestellt werden!
  • Jede Kamera besitzt ihre ureigene Blitzsynchronzeit, das ist die kürzeste Verschlusszeit, die dir (d) eine Kamera beim Einsatz eines Blitzgerätes ohne störende Balken und Abschattungen ermöglicht. Ein HSS Blitz kann diese mechanisch bedingte Einschränkung mittels der Kurzeit- oder High-Speed-Synchronisation austricksen und ermöglicht dir dann auch Verschlusszeiten, die unterhalb der eigentlichen Blitzsynchronzeit liegen. Eine Methode, die bei manchen Herstellern auch als FP-Mode oder Super FP Modus bekannt ist.
  • Möchtest du dein Blitzgerät nicht über den Zubehörschuh der Kamera montieren und dort auslösen, dann kannst du auch entfesselt blitzen: Dazu benötigst du einen so genannten Blitzauslöser, der einen Blitz, den du dann frei im Raum platzieren kannst, via Funkkontakt auslöst.

Diese Methode funktioniert auch dann, wenn du mehrere kompatible Blitzgeräte aufstellst.

Dabei kann (je nach genutztem Modell) auch das entfesselte Blitzen wieder

  1. samt TTL Automatik
    oder auch nur
  2. rein manuell funktionieren.

Zudem lassen sich manche Blitze im sogenannten Slave Modus durch einen so genannten Master Blitz, der auf dem Zubehörschuh deiner Kamera montiert wird, auslösen wie auch steuern.

Erstes Fazit: Du hast also verschiedene Möglichkeiten, beim Fotografieren mit Blitz deine Einstellungen zu steuern. Bequemer ist dabei ohne Frage die vollautomatische (TTL) Variante, die vor allem Fotoreporter bevorzugen, während kreative Fotografen ihre Blitze häufig auch gezielt manuell einstellen.

Studioblitzgeräte und systemübergreifende Lösungen

Natürlich dürfen in keinem Tutorial zur Blitzlichtfotografie die leistungsstarken Studioblitze fehlen. Die kommen häufig als komplettes Set, also samt Stativ, Diffusor und Funkauslöser, in den Handel. Auch dabei musst du abklären, ob der Fernauslöser das Signal deiner Kamera im TTL Modus überträgt. Denn ansonsten müsstest du Blende und Belichtungszeit stets manuell einstellen. Zudem benötigst du einen Studioblitz samt Akku, wenn du deinen Blitz auch outdoor nutzen willst.

Übrigens gibt es auch universelle, systemübergreifende Blitzlösungen, etwa von Cactus, die mit Kameras von unterschiedlichen Herstellern kommunizieren – eine ideale Lösung für alle Fotografen, die zum Beispiel neben ihrer Vollformat-Ausrüstung parallel eine MFT Kamera von Olympus oder Panasonic im Einsatz haben. Denn dann lässt sich in aller Regel ein und derselbe Blitz an beiden Kameras vollautomatisiert einsetzen.

Hängt die Auswahl an System- und Studioblitzgeräten von der Wahl (d) einer Kamera ab?

Nein, das ist heute – definitiv – nicht mehr der Fall. Wenn du richtig, sprich gekonnt, blitzen und zum Beispiel Blitzlicht für deine Porträts nutzen willst, so spielt deine Kameramarke längst keine Rolle mehr. Das war nicht immer so, da die Fremdhersteller früher vor allem die großen und langen Jahre von Profifotografen bevorzugten Marken wie Canon und Nikon bedient haben. Doch längst gibt es auch für Sony oder Panasonic reizvolle Alternativen. So bietet zum Beispiel Godox auch für die Besitzer von MFT Kameras oder Freunde des Pentax-Spiegelreflexsystems native Lösungen an.

Hier zeigen die für Olympus und Panasonic geeigneten Funkauslöser ein „O“ in ihrem Namen (zum Beispiel: Godox X2T – O, eine TTL und HSS fähige Lösung), während das Kürzel „P“ im X2T – P für Pentax reserviert ist. Du siehst also, du kannst dir unabhängig von deiner Kameramarke eine kleine, feine Blitzausrüstung, die du entfesselt und im High-Speed-Modus nutzen kannst, aufbauen!

Aufgabengebiete und Einsatzmöglichkeiten der Blitzlichtfotografie

  • Aufhellen von Schlagschatten und anderen dunklen Bildpartien, insbesondere auch bei Gegenlichtstimmungen, wozu mitunter sogar der aufklappbare Bordblitz ausreicht.
  • Gezieltes Ausleuchten von Porträts; dabei kommen, gerade in der People und Porträt-Fotografie, neben den „normalen“ Aufsteckblitzen auch Studiogeräte zum Einsatz. Hilfreich sind, sowohl beim Speedlight wie auch bei größeren Geräten, Durchlichtschirme und Diffusoren, die für ein weiches, gefälliges Licht sorgen.
  • Aufnahmen in dunklen (Sport) Hallen oder Kirchen, wenn das Restlicht und / oder die (High) ISO Fähigkeiten deiner Kamera kein „natural light“ mehr zulassen!
  • Produkt- und Makrofotos, da insbesondere hier, bei den Nahaufnahmen, wenn nur wenige Zentimeter Abstand zwischen Objektiv und Blüte oder Insekt liegen, meist viel zu wenig Licht auf das Motiv fällt.

Dazu unser Expertentipp: Es gibt auch spezielle Makro-Blitzgeräte, die als Zangenblitz oder Ringlicht vorn am Objektiv montiert werden. So lässt sich (d) ein Motiv dann weitgehend schattenfrei ausleuchten.

Zudem kommen Systemblitze immer dann zum Einsatz, wenn die Belichtungszeit unter Ausnutzung der natürlichen Lichtquellen (was häufig in Gebäuden der Fall ist) für bewegte Motive viel zu lang würde. Denn gerade mit einem HSS Blitz lassen sich Bewegungen – etwa von Sportlern – regelrecht „einfrieren“.

Lichtrichtung und Lichtsetups

Wie bereits eingangs beschrieben, kann Licht perfekt oder auch schlecht gesetzt werden. Tatsächlich wird ein Systemblitz, den du auf dem Zubehörschuh deiner Kamera montierst (selbst wenn das der Hersteller offenbar so vorgesehen hat!) in aller Regel nicht die optimale Wahl sein. Daher solltest du, wann immer möglich, deine Lichtquelle von der Kamera lösen, sprich, deine Porträts oder Produktfotos mittels „entfesselter“ Blitze ausleuchten.

Dabei weiß auch hier, in der Porträtfotografie, ein Lichtsetup mit nur einem Blitz zu überzeugen. Das hat sogar (s) einen eigenen Namen, etwa beim beliebten „Rembrandt Light“. Dabei steht die (einzige) Lichtquelle über dem Kopf des Models, ist jedoch zugleich zur Seite verschoben, so dass eine Art Dreieck entsteht und eine Gesichtshälfte im Schatten liegt. Ein Lichtsetup, das Robert für seine Porträtfotos gerne einsetzt. Denn Schatten auf den Gesichtern muss kein Fehler sein, sondern kann – gekonnt eingesetzt – ein Porträt erst so richtig interessant machen!

Weitere bekannte Lichtsetups bei Porträtfotos sind dann

  • „Sandwich Lighting“, wobei das Licht ebenfalls von oben kommt, jedoch ein zusätzlicher Reflektor unter dem Gesicht des Models Teile davon wieder zurückstrahlt
  • „45 er“, ebenfalls ein Lichtsetup mit nur einer Lichtquelle (das kann natürlich auch Dauerlicht sein!), die – wie es schon der Name vermuten lässt – in einem Winkel von 45 Grad von links oder rechts auf das Model scheint

oder auch:

  • ein Zangenlicht, bei der ein Aufsteckblitz links und ein zweiter rechts neben dem Motiv platziert wird, eine Methode, die auch Makrofotografen gerne einsetzen.

Denn dabei lässt sich – ganz in Abhängigkeit vom Winkel, in dem die Blitze stehen – entweder weitgehend schattenfrei arbeiten oder auch bewusst mit den (Schlag) Schatten spielen. Natürlich wird ein extremes Zangenlicht so in der Natur niemals vorkommen. Daher entstehen hier Bilder, die ihren eigenen, unverwechselbaren Look haben.

Im Umkehrschluss kann aber auch Blitzlicht sehr natürlich wirken und, etwa beim Aufhellen, (s)einen ureigenen Reiz haben. Dabei gilt die Faustformel, dass große Lichtquellen, die sich nah beim Motiv befinden, für ein „schönes“, sprich weiches Licht sorgen. Nur einer der Gründe, warum die Sonne, die prinzipiell riesig, jedoch zu weit entfernt ist, für ein hartes, eher unschönes Licht steht. Daher müssen wir uns in der Porträtfotografie an sonnigen Tagen einen schattigen Ort suchen oder aber in die frühen Morgen- oder Abendstunden ausweichen.

Hilfsmittel und Tricks bei der Blitzlichtfotografie

Wie die Sonne um die Mittagszeit, produzieren auch Systemblitze – ausgenommen vielleicht Geräte mit Rundkopf – ein hartes, eher unschönes Licht. Daher solltest du deinen Blitz, besonders in der Porträtfotografie, lediglich indirekt einsetzen. Professionelle Speedlights, wie sie Olaf bevorzugt nutzt, lassen sich daher zur Decke klappen oder sogar seitlich verkanten, so dass du indirekt über eine Decke oder Wand blitzt und damit selbst bei einem auf dem Zubehörschuh deiner Kamera montieren Blitz ein wunderschönes, weiches Licht hast.

Alternativ gibt es diverse Softboxen und Diffusoren unterschiedlicher Größe; einige davon sind dann so groß, dass sie nur noch als „off camera flash“, sprich: entfesselt eingesetzt, in Betracht kommen. Zusammen mit deinen Softboxen und Durchlichtschirmen solltest du dir also gleich auch einen Fernauslöser für deinen Blitz zulegen. Dabei sind Fremdhersteller wie Godox in aller Regel preisgünstiger als native Lösungen von Canon, Nikon, Fuji oder Sony … hier muss also, neben dem Preis (gerade für Hobbyfotografen, die ihr Equipment ja nicht von der Steuer absetzen können, durchaus entscheidend!), auch der persönliche Geschmack darüber entscheiden, welche Blitzausrüstung wir uns zulegen.

Spezielle Blitzgeräte

So wie es im Bereich des Dauerlichts Flächen- und Ringleuchten gibt, existieren auch spezielle Ringblitze, die insbesondere für angehende People Fotografen interessant sind. Denn so lassen sich Porträts, vornehmlich Headshots, nahezu schattenfrei und mit einem wunderschönen, weichen Licht ausleuchten. Alternativ dazu existieren verschiedene Lichtformer, durch die ein gewöhnlicher Aufsteckblitz zum Ringblitz mutiert. Allerdings reduzieren sämtliche Diffusoren und Durchlichtschirme die Lichtausbeute, die auf unser Motiv trifft. Wer häufiger Lichtformer einsetzt oder indirekt blitzt, sollte sich daher von Anfang an Systemblitze mit einer höheren Leitzahl zulegen.

Danach gilt die Binsenweisheit, dass probieren über studieren geht. Tatsächlich nämlich lässt sich die Wirkung von Blitzlicht im Vorfeld nur schwer einschätzen. Daher bevorzugen manche Fotografen Dauerlicht, bei dem sich – zumal durch den elektronischen Sucher einer Systemkamera betrachtet – die Bild- und Lichtwirkung hervorragend beurteilen (und ggf. noch korrigieren) lässt. Nur einer der Gründe, warum viele professionelle Speedlights und vor allem Studioblitze ein so genanntes Einstelllicht besitzen, das ebenfalls einen Eindruck davon vermittelt, wie später das fertige Bild aussieht. Ansonsten braucht es Erfahrung und manchmal auch mehrere Versuche. Dennoch haben, so Roberts und Olafs abschließendes Fazit, Blitze gerade Porträt- und auch Action Fotografen viel zu bieten. Schließlich sind Power und Lichtausbeute oftmals gewaltig, zumindest jedoch höher, als wenn wir Dauerlicht einsetzen!


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