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Der Goldene Schnitt – So funktioniert Bildgestaltung in der Fotografie

Wenn du ein richtig gutes Foto machen willst, dann musst du auch ein paar Regeln beachten, was die Bildaufteilung und Bildgestaltung angeht. Davon gibt es eine ganze Menge. Du kannst dich am goldenen Schnitt oder der Drittel-Regel orientieren oder eine Fibonacci-Spirale einbeziehen … Alle diese Begriffe sind dir möglicherweise aus dem Schulunterricht im Fach Bildende Kunst bereits geläufig, aber was genau war das noch mal und wie setzt man den goldenen Schnitt in der Fotografie ein?

Was ist der Goldene Schnitt?

Wenn es um ein unbekanntes oder gar trockenes Thema geht (den Goldenen Schnitt kannst du mit mathematischen Formeln berechnen, was nicht jedermanns Sache ist), ist es immer gut, ganz am Anfang zu beginnen, um das Thema gut zu verinnerlichen. Dann kannst du anhand verschiedener Beispiele leichter erfassen, worum es geht und wie du es am besten in deine Fotos mit einbeziehen kannst.

Definition

Der Goldene Schnitt ist ein Teilungsverhältnis, das die Proportionen einer Strecke oder einer Fläche (beim Foto) im Verhältnis zur Gesamtgröße oder Gesamtlänge bezeichnet. Oder anders formuliert: eine Strecke wird so geteilt, dass sich der kleinere Abschnitt („minor“) zum größeren („major“) so verhält, wie dieser zur Gesamtstrecke.
Und so sieht das dann aus:

FORMEL

Mathematisch kannst du es wie folgt berechnen:

BEISPIELRECHNUNG

Alles klar? Das ist soweit ziemlich trocken, aber gleich wird es etwas anschaulicher.

Wozu dient der Goldene Schnitt?

Wenn Flächen oder Strecken oder auch Objekte nach diesem Goldenen Schnitt aufgebaut sind, dann gelten sie als besonders ästhetisch. In der Natur kommt dieses Verhältnis auch vor, dort findest du es beispielsweise bei einigen Pflanzenblättern oder in Kristallstrukturen. Dieser Goldene Schnitt war schon den alten Griechen bekannt, wo ihn bereits Euklid von Alexandria mathematisch nachgewiesen hat.

Später hat man ihn aufgrund des ästhetischen Ergebnisses in allen Formen der Kunst eingesetzt, wo er als ideale Proportion für alles Mögliche galt. Ob die Proportion wirklich besonders ansprechend ist, wenn du ein Kunstwerk so aufbaust, muss jeder selbst beurteilen. Manchmal kannst du nämlich bessere Fotos erzielen, wenn du dich eben nicht an diesen Goldenen Schnitt hältst. Das kommt aber auf den Einzelfall an.

Jedenfalls ist der Goldene Schnitt seit der griechischen Antike bekannt und so verbreitet, dass man ihn bis heute beim Bau architektonischer Kunstwerke, aber auch im Kunsthandwerk bei Statuen, Bildern und heute bei Fotos immer noch einsetzt. Einige Menschen behaupten sogar, dass der Goldene Schnitt auch bei musikalischen Kompositionen vorkommt.

Berechnungsmethoden für jede Fläche

Damit du auch wirklich bei jedem Motiv, also jeder Fläche, den Goldenen Schnitt ausrechnen kannst, gibt es verschiedene Berechnungsmethoden. Dazu haben sich im Laufe der Zeit viele Gelehrte etwas einfallen lassen und so findest du beispielsweise Formeln für den Goldenen Schnitt, den Goldenen Winkel, das Goldene Rechteck, das Goldene Dreieck und die Goldene Spirale. Wie du siehst, kannst du sowohl bei Gebäuden, Landschaften oder Personen für jede beliebige Form das optimale Bildverhältnis berechnen.

Beispiele für den Goldenen Schnitt in Kunst und Kultur

Um dir die Wirkung des Goldenen Schnittes gut vor Augen zu führen und um tatsächlich zu sehen, wie das Ganze dann live wirkt, könntest du dir ein paar Bauwerke anschauen.

Aber Achtung, Spoiler Alarm: Es gilt nicht als gesichert, dass diese Gebäude auch absichtlich und willentlich von den Erbauern nach dem Goldenen Schnitt erstellt wurden, da dafür die Aufzeichnungen fehlen. Haben die Architekten ihn also stillschweigend zugrunde gelegt, so haben sie es zumindest nirgends ausdrücklich notiert!

Architektur

Gute Fotografie Beispiele des Goldenen Schnitts findest du von architektonischen Höchstleistungen praktisch überall im Internet. Schau dir mal folgende Gebäude an:

  • Die Cheops-Pyramide in Gizeh, Ägypten
  • Der Parthenon Tempel auf der Akropolis in Athen, Griechenland
  • Der Dom von Florenz, Italien
  • Die Kathedrale Notre Dame in Paris, Frankreich
  • Die Torhalle des Klosters in Lorsch, Hessen, Deutschland
  • Das Alte Leipziger Rathaus, Deutschland. Hier schneidet nicht der Turm, sondern die Mitte des Haupttores das ganze Gebäude im goldenen Schnitt!
Bildende Kunst

In der Kunst gibt es folgende Beispiele für Skulpturen und Gemälde:

  • Achte besonders auf die alten griechischen Statuen, beispielsweise die Marmorskulptur des Apollo von Belvedere, der in der Antikensammlung des Vatikanischen Museums zu bewundern ist.
  • Dazu kommen praktisch alle alten Gemälde berühmter Renaissance-Künstler wie Leonardo da Vinci („Abendmahl“), Raffael („Sixtinische Madonna“) und Albrecht Dürer („Selbstbildnis“).

Wenn du dir diese Kunstwerke einmal anschaust, bekommst du ein Gefühl dafür, wie die alten Künstler die Regel des Goldenen Schnitts umgesetzt haben. Nun hast du auch die Erklärung für den Goldenen Schnitt in der Fotografie. Denn in der Fotografie kannst du die Regel genau wie bei Gemälden auch in deinen Bildern einsetzen. Wobei dir hier zusätzlich die vereinfachte Methode der Drittel-Regel zur Verfügung steht. Auf diese gehen wir selbstverständlich ebenfalls noch ein.

Verwandte Methoden zum Goldenen Schnitt

In der Fotografie verwenden Profis nicht nur den Goldenen Schnitt, sondern auch die damit verwandten oder daran angelehnten Methoden wie die Fibonacci-Folge oder die Drittel-Regel. Bevor wir zu den Anwendungstipps kommen, sollten wir uns also kurz anschauen, worum es sich dabei handelt.

Fibonacci-Folge, die Goldene Spirale und die Drittel-Regel

Die Fibonacci-Folge basiert auch auf Mathematik und stellt eine unendliche Folge von natürlichen Zahlen dar, die wahlweise mit der Zahl Null beginnen und dann zweimal die Zahl 1 zu Beginn stehen haben.

Die Folge wird so berechnet, dass immer die Summe von zwei nacheinander kommenden Zahlen die nächste Zahl ergibt. Nach 1 und 2 kommt also die 3 (da 1 + 2 = 3) und dann die 5 (da 2 + 3 = 5). Leonardo Fibonacci, der Erfinder, hat die Rechnung benutzt, um zu beschreiben, wie schnell sich Kaninchen vermehren. Aber die Zahlenfolge war schon der alten Griechen bekannt.

Diese Zahlenreihe hängt mit dem Goldenen Schnitt zusammen, weil man sich dadurch bei fortschreitender Folge dem Quotienten des Goldenen Schnitts (1,618033…) immer weiter annähert. Ihn zu erreichen ist nicht möglich, da die Quotienten immer einmal kleiner und einmal größer sind als der Goldene Schnitt und daher nur um ihn herum schwanken.

Optische Darstellung der beiden Varianten

Als Fotograf musst du dir die Einteilung der Flächen optisch vorstellen. Das ist möglich mithilfe eines Rasters oder Kachelmusters oder mit der Spiralform:

Fibonacci-Raster GRAFIK

Goldene Spirale, genähert durch Viertelkreise. Das Verhältnis der Radien der Kreissektoren entspricht der Fibonacci-Folge GRAFIK

Letztlich berechnest du also keine komplizierten Formeln, sondern musst dir nur verinnerlichen, wie du die Motive oder Hintergründe auf deinen Bildern anordnen solltest, damit das Bild insgesamt gut proportioniert wirkt.

Du kannst ja spaßeshalber einmal diese Raster oder die Spirale optisch über deine bisherigen Arbeiten legen oder auch über Gemälde alter Künstler. Dann siehst du, wie nah du an der Gestaltung bereits dran bist und wie die alten Meister die Gestaltung mithilfe dieser Mittel gelöst haben.

Noch ein paar Worte zur Drittel-Regel

Wir gehen später noch auf die Drittel-Regel ein, aber sie gehört hier bereits bei der Auflistung kurz angesprochen. Denn dabei wird der Goldene Schnitt sehr stark vereinfacht, indem du einfach dein Bild in drei Teile (Drittel) unterteilst und das Motiv dann auf einem der beiden Trennstriche positionierst. Die Methode ist etwas ungenau, lässt sich aber schnell und einfach anwenden, wenn man ohne Zuschaltung eines Rasters arbeitet.

Wie bestimmst du den Goldenen Schnitt mit der Kamera?

Falls du schon Angst hattest, dass du den Goldenen Schnitt mühsam mit dem Taschenrechner, oder noch schlimmer: im Kopf, ausrechnen musst, können wir dich beruhigen. Die Kamera bietet dir im Normalfall eine Rasterfunktion, die du ein- und ausschalten kannst. Wichtig ist nur, dass du den Goldenen Schnitt verstehst, sonst nützt dir das beste Raster nichts, denn du solltest wissen und verstehen, wo die Motive oder einzelnen Objekte innerhalb des Rasters zu positionieren sind. Der Goldenen Schnitt teilt das Bild in einem Verhältnis von 1/3 zu 2/3 oder mathematisch ausgedrückt: 38,2% zu 61,8%. Das funktioniert selbstverständlich sowohl bei einer vertikalen als auch einer horizontalen Aufnahme.

Aufnahmetipp

Als einfachen Anhaltspunkt kannst du dir merken, dass du am besten dein Motiv immer ein Stück versetzt zur Mitte aufnehmen solltest. Das funktioniert mit und ohne Raster, mit dem Raster bekommst du aber zusätzlich die Eckpunkte im Sucher angezeigt, was besonders für Anfänger hilfreich ist.
Platziere also den Kopf deines Models oder den Kirchturm der historischen Kirche nicht genau in die Bildmitte, sondern lieber im hinteren oder auch vorderen Drittel. Ideal ist der Goldene Schnitt übrigens auch, wenn du Produktfotos aufnimmst, weil du deine Sachen online zum Verkauf anbieten willst oder Aufnahmen für Webseiten machst.

Unterschied zur Goldenen Spirale und zur Drittel-Regel

Die Goldene Spirale hilft dir als optischer Anhaltspunkt, wenn es um eine Aufnahme geht, bei der du geschwungene Linien harmonischer darstellen möchtest. Wehendes Haar, fliegende Tücher oder Ähnliches. Bei der Drittel-Regel ist der Unterschied der, dass du hier nicht mit 38,2% zu 61,8% arbeitest, sondern mit 3 x 33%. Dadurch bekommst du eine leicht abweichende Perspektive als beim Goldenen Schnitt, die dennoch harmonisch aussieht.

Genau genommen, unterteilst du dein Bild sogar in Gedanken oder mithilfe deines Rasters in 9 Teile, nämlich durch zwei senkrechte Linien (zum eigentlichen Dritteln) und durch zwei weitere waagrechte Linien. Alle neun Teile müssen dann gleich groß sein und dein Motiv oder dein Model sollte dann entweder längs einer der Linien liegen oder auf einem der vier Schnittpunkte.

Weil der Sucher und die Schärfeeinstellung der meisten Kameras sich auf die Mitte des Suchers und somit auf die Mitte des Bildes konzentriert, wirst du immer verführt, dein Model mittig in Szene zu setzen. Aber genau darin liegt dann dein Problem. So schön auch das Model ist und so leuchtend die Farben sind, es wirkt trotzdem statisch und langweilig.

Noch eine Variante: die Diagonalmethode

Ein niederländischer Fotograf, der die Drittel-Methode als zu ungenau empfand, weichte diese weiter auf und empfahl nach der Untersuchung alter Gemälde die Diagonalmethode. Denn er ging davon aus, dass ein Foto überwiegend als Rechteck erstellt wird (im Verhältnis 3:2 oder 4:3). Daher sollte der Fotograf sich auf die vier Winkelhalbierenden der Ecken konzentrieren anstatt auf eine starre Drittelung.

GRAFIK Diagonalmethode nach Edwin Westhoff

Falls du jetzt verwirrt bist, was die Vielzahl der Methoden angeht, keine Panik. Es gibt ungefähr 20 solcher Varianten, nach denen du deine Fotos gestalten kannst. Du solltest sie zwar kennenlernen, aber dich nicht zu verbissen in die Anwendung einer Art hineinsteigern. Welche Methode für dich am besten funktioniert, findest du während deiner ersten Gehversuche als Fotograf heraus. Außerdem kannst du von Fall zu Fall auch abwechselnd mit unterschiedlichen Methoden arbeiten!
Ganz wichtig ist, dass du immer daran denkst, dass du im ein oder anderen Fall ganz bewusst eine dieser Gestaltungsregeln brechen oder auch alle über Bord werfen MUSST, um ein tolles Foto zustande zu bringen. Denn deine verwendete Gestaltungsmethode sollte immer vom Zweck und der Absicht des Bildes abhängen.

Fotografieren mit dem Goldenen Schnitt – Harmonische Bildgestaltung leicht gemacht

Jetzt geht es ans Eingemachte. Grundsätzlich hast du nach dem vielen Anschauungsmaterial nun sicher verinnerlicht, worauf bei den verschiedenen Bildgestaltungsmethoden zu achten ist. Du musst dich lediglich beim Fotografieren für eine davon entscheiden. Wenn du gedanklich oder mithilfe des Rasters dein Modell gut platzierst, hast du schon fast gewonnen. Aber das allein reicht noch nicht ganz aus, um ein perfektes Bild zu schießen. Worauf musst du also bei einem harmonischen Bildverhältnis achten und wie musst du den Goldenen Schnitt anwenden?

Achte auf die richtigen Proportionen deines Bildes

Hier achtest du zunächst darauf, ob du eine Landschafts- oder eine Porträtaufnahme machen möchtest. Soll das Bild Ruhe ausstrahlen und vielleicht die Weite des Meeres zeigen? Oder möchtest du Dynamik und Bewegung hineinbringen, galoppierende Pferde darstellen oder ein Autorennen? Deine Absicht entscheidet, wie viel von welchen Elementen auf deinem Bild später zu sehen sein soll. Das ist mit der Wahl der richtigen Proportionen zugunsten der Stimmung gemeint.

Proportionen richtig setzen durch die geeignete Standortwahl

Damit du wunschgemäß alle von dir ausgewählten Punkte auch wie geplant in dein Bild bekommst, brauchst du außerdem einen guten Standort. Dazu musst du ein wenig herumprobieren. Bewege dich um das Motiv herum oder in der Landschaft hin und her. Vielleicht eignet sich eine erhöhte Position besser oder du gehst sogar in die Hocke oder legst dich zur Not auf den Boden. Sobald du das Gefühl hast, dass du die richtige Position gefunden hast, müssen auch alle geplanten Bildpunkte oder Elemente im Bild sein. Dann passt es – fast.

Alle Bildelemente auf den Idealpunkten platzieren

Wenn du endlich halb in der Hocke oder einer anderen ungewöhnlichen Position den richtigen Winkel oder die richtige Stelle gefunden hast, um zu fotografieren, sollten alle Elemente zu sehen sein. Aber: nicht irgendwo im Bild, sondern auf den korrekten Stellen, die wir eingangs bei den unterschiedlichen Methoden besprochen haben.

Für die Platzierung gemäß des Goldenen Schnitts müssen alle deine ausgewählten Elemente genau auf den Idealpunkten des Goldenen Schnitts liegen. Bei Personenaufnahmen achtest du auf Punkte wie die Augen (ein Auge) oder bei Ganzkörperaufnahmen auf den Kopf. Wenn du eine Landschaft fotografierst, dienen dir natürliche Landschaftsinhalte als Hilfsmittel zur Punktbestimmung. Vielleicht ein Baumstumpf, eine Frucht am Baum, ein Blütenblatt oder auch ein Berg oder dessen Gipfel.

Ideales Hilfsmittel dafür ist das Raster. Bei den meisten Kameras hast du eine Mattscheibe oder ein Gitter, das sich elektronisch ein- und ausblenden lässt und für die Drittelregel oder den Goldenen Schnitt nutzbar ist. So fällt es dir ganz leicht, die wichtigen Bildelemente auf den Idealpunkten zu platzieren.

Achte auf den Horizont

Der Horizont ist beim Goldenen Schnitt in der Fotografie enorm wichtig. Wenn du draußen fotografierst, hast du häufig eine Horizontlinie im Bild. In dem Fall musst du ihr eine spezielle Beachtung zukommen lassen. Denn der Horizont erhöht in gewisser Weise den Schwierigkeitsgrad, weil er den Standpunkt des Betrachters unwillkürlich ändert.

Das Bild lässt sich jetzt nämlich zusätzlich in die Bereiche Himmel und Erde unterteilen und nicht nur in die mühsam gefundene harmonische Aufteilung auf die Idealpunkte. Wenn es zur Stimmung des Bildes passt, kannst du die Horizontlinie in der Mitte belassen, aber Achtung: das wirkt sehr monoton.
Ansonsten solltest du um den Horizont herum planen und deine Schwerpunkte berücksichtigen. Fotografierst du nach der vereinfachten Drittel-Regel kannst du das Bild leichter oder schwerer wirken lassen, wenn du mehr Himmel oder mehr Erde zeigst.

Stilmittel: Gekippter Horizont

Viele Fotografen greifen auch zu dem Stilmittel des gekippten Horizonts. Aber dabei solltest du wissen, was du tust, denn wenn es nicht zum Motiv passt oder falsch ausgeführt wird, dann sieht das Bild unmöglich aus. Vor allem, wenn du den Horizont versehentlich nur ganz leicht und andeutungsweise kippst. Wenn du ihn kippst, dann richtig! Fotografierst du am Meer, musst du doppelt aufpassen, dass sich keine schiefen Horizontlinien im Bild befinden. Diese haben hier gar nichts verloren, wenn du ein gutes Bild erzeugen willst. Du kannst dir merken, dass du bei ruhigen Landschaftsaufnahmen den Horizont am besten im unteren Drittel mit einplanst. Wenn der Himmel unspektakulär ist (weder Wolken, Vögel noch Flugzeug oder interessante Farbgebung), dann setze ihn ruhig ins obere Drittel.

Nachbearbeitung nach dem Goldenen Schnitt

Es kann passieren, dass du vor lauter Konzentration auf die Position und die optimalen Punkte des Goldenen Schnitts etwas übersiehst und später dein Bild nicht so gut geworden ist, wie du gehofft hast. Um Objekte auf dem Foto eher in den Hintergrund treten zu lassen oder hervorzuheben, kannst du natürlich schon bei der Standortwahl darauf achten, dass ein gefällter Baum oder eine Mülltonne nicht im Bild erscheinen.

Durch eine große Blende kannst du außerdem absichtlich mit der Unschärfe einiger Bildstellen spielen und sie so optisch verwischen. Das ist sogar ideal, um die dann hervortretenden Hauptmotive deutlicher hervorzuheben und auf die richtigen Punkte des Goldenen Schnitts zu platzieren.

Abgesehen vom Ausblenden und Verwischen von Objekten kannst du natürlich später bei der digitalen Bildbearbeitung noch nachhelfen. Wenn Olaf eine Aufnahme nicht ganz geglückt ist, positioniert er einfach nachträglich noch irgendwo etwas ins Bild hinein. Denn, während Robert lieber beim Shooting mehr Zeit einplant und perfektionistisch die richtigen Plätze sucht und alles Störende aus seinem Bild eliminiert, setzt Olaf später gerne auf die Zauberkräfte von Photoshop. Damit lassen sich noch zusätzlich versäumte Rasterpunkte nachbearbeiten und wichtige Bilder „retten“.

Fotografieren mit der Drittelregel

Grundsätzlich musst du bei der Drittelregel dasselbe beachten wie beim Fotografieren mit dem Goldenen Schnitt. Der Hauptunterschied ist die Aufteilung, die bei der Drittelregel leicht abweicht, da es sich um 3 x 33% handelt und nicht 2/3 zu 1/3.

Wann solltest du vom Goldenen Schnitt abweichen und die Drittelregel benutzen?

Bei der Drittelregel ist das Bild gleichmäßiger aufgeteilt und du musst die vertikalen und horizontalen Linien im Vergleich dazu beim Goldenen Schnitt weiter in die Mitte rücken. Dort setzt du dann die wichtigen Elemente entlang der Schnittkanten oder diagonal ins mittlere Rechteck des Bildes. Damit bekommst du bei Fotos, die du mit dem Goldenen Schnitt erstellst, ruhige Motive und eine ausgeglichene Stimmung.

Sobald du aber ein wenig Unruhe, Dynamik und Spannung im Bild brauchst, solltest du zur Drittelregel greifen. Sie sorgt dafür, dass du den Betrachter aufrütteln kannst und dein Bild mehr Aufmerksamkeit bekommt! Die Methode ist außerdem einfacher als der Bildaufbau beim Goldenen Schnitt und du kannst zusätzlich als Hilfsmittel die „Gitterlinien“ verwenden, die die meisten Kameras zur Verfügung stellen. Deine Motive oder wichtige Bildelemente platzierst du dann einfach auf diese wichtigen Linien und schon hast du ein perfekt ausgewogenes Foto!

Beispiel: Die Drittelregel beim Porträt und in der Makrofotografie

Du kannst die Drittelregel bei jedem Foto benutzen, das spannend und dynamisch wirken soll. Wenn du es bei einem Modell einsetzen möchtest, dann platzierst du es ebenfalls auf die wichtigen Linien. Achte ganz besonders darauf, dass das Gesicht auf einem der wichtigen Schnittpunkte liegt. Hier hebst du vor allem die Augen hervor.

Diese Tipps kannst du auch anwenden, wenn du Makrofotografie betreibst und eine Biene beim Pollensammeln fotografierst oder das aufmerksame Gesicht der Rennpferde oder auch menschlicher Läufer vor dem Start. Dadurch lässt sich hervorragend die angespannte Stimmung, die Ruhe vor dem Sturm, einfangen.

Beispiel 2: Die Drittelregel bei der Landschaftsfotografie

Wenn du gerne Landschaftsaufnahmen machst, in denen es eher selten um Dynamik geht, ist überraschenderweise ausgerechnet die Drittelregel besser geeignet als der Goldene Schnitt. Denn du kannst hier besser die Platzierung des Horizonts festlegen, der ja bei den Outdoor-Aufnahmen eine wichtige Rolle spielt. Auf die Unterschiede der Linienplatzierung sind wir im vorangegangenen Abschnitt bereits eingegangen.

Achte drauf, dass du eine spannende Landschaft immer dem langweiligen Himmel vorziehst und den Horizont lieber ein wenig höher legst. Dabei darfst du aber nicht die vertikalen Linien aus den Augen verlieren. Vielleicht ein Fels oder ein Turm oder auch eine Fahnenstange oder ein einzelner Baum verdient deine Aufmerksamkeit. Dann profitiert das Bild erst von der optimalen Platzierung plus der richtigen Horizontlinie!

FAZIT

Ein wichtiger Punkt, den jeder Fotograf berücksichtigt, ist die bestmögliche Bildgestaltung. Dafür stehen ihm etliche Stilmittel zur Verfügung, die alle Motive oder Bildelemente optimal auf dem Bild anordnen. Gute Fotos, bei denen du die Bildkomposition mithilfe des Goldenen Schnitts oder der vereinfachten Drittelregel gestaltest, sind gar nicht so schwer. Wenn du einmal verstanden hast, worum es dabei geht und wie andere Künstler die Aufteilungen umgesetzt haben, ist es leichter, es nachzuahmen. Zwar basieren die Aufteilungen auf mathematischen Berechnungen, aber du musst nicht selbst mit komplizierten Formel alle Positionen berechnen, die deine Motive und Models auf dem Foto einnehmen sollen.

Es genügt, wenn dir klar ist, wie du die Bilder ungefähr optisch unterteilst und auf welche Linien du welche Akzente setzt. Die meisten Kameras haben zu diesem Zweck ein Raster, das sich zuschalten lässt. Das vereinfacht die Arbeit mit den Idealpunkten oder Eckpunkten enorm. Zusätzlich kannst du auch noch Fluchtpunkte in die Bildperspektive einbauen, um ihm noch mehr Aussagekraft zu verleihen.

Mit dem Goldenen Schnitt und der Drittel-Regel hast du ein gutes Instrument zur optimalen Bildgestaltung. Und wenn etwas schiefläuft, kannst du es meist nachträglich noch bei der digitalen Bildbearbeitung ausmerzen. Trotzdem darfst du nicht vergessen, dass allein die Platzierung der Bildelemente auf idealen imaginären Linien noch nicht das Einzige ist, was ein gutes Bild ausmacht. Der richtige Abstand, ein korrekter Filter, das optimale Licht und weitere Punkte sind trotzdem mit einzubeziehen.


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