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Grauverlaufsfilter – Was bringt er und wie setze ich ihn sinnvoll ein?

Der Grauverlaufsfilter ist nur einer der möglichen Filter, die du für deine Kamera verwenden kannst. Denn hier hast du die Auswahl zwischen Schutzfiltern, Klarfiltern, UV- und Skylightfiltern, Polarisationsfiltern und dem eben genannten Grauverlaufsfilter. Jeder Filter dient einem speziellen Zweck, sowie beispielsweise der Polarisationsfilter für gute Farbsättigungen zuständig ist oder ND-Filter für Wasseraufnahmen. Worum es sich beim Grauverlaufsfilter handelt und was du bei der Verwendung alles beachten musst, erklären wir dir hier.

Was genau ist ein Grauverlaufsfilter und wann setzt du ihn ein?

Der Grauverlaufsfilter, oder auch nur Verlaufsfilter, ist besonders bei Landschaftsaufnahmen sehr gefragt. Denn hier kann er effektiv dabei helfen, eine Überbelichtung des Himmels zu vermeiden. Der Filter heißt auch GND-Filter. Diese Abkürzung steht für den englischen Begriff „Graduated Neutral Density Filter“. Typischerweise bestehen diese Filter aus Glas oder Poly-Resin.

Wozu brauchst du einen Grauverlaufsfilter?

Die Helligkeitsunterschiede, die du mit dem menschlichen Auge erfassen kannst, sieht eine Kamera völlig anders. Damit das geschossene Foto mit dem übereinstimmt, was du auch mit deinem Auge gesehen hast, musst du ein wenig tricksen. Damit der strahlend blaue Himmel nicht die Landschaft farblos oder zu dunkel erscheinen lässt, setzt du zur Milderung der Helligkeitsunterschiede den Filter ein.

Jede Kamera geht mit den Unterschieden anders um. Die Fähigkeit der Kamera dazu kannst du anhand der Angabe ihres Dynamikumfangs ablesen. Sie wird in Blenden ausgedrückt. Man sagt beispielsweise, dass gute Digitale Spiegelreflexkameras einen Dynamikumfang von 13 Blenden besitzen.

Unterschiedliche Verläufe = Farbübergänge

Es gibt diese Filter in unterschiedlichen Stärken sowie unterschiedlichen Verläufen. Das bedeutet, dass der Filter von dunkel bis transparent gefärbt ist, wobei die Übergänge weich oder hart sein können. Ein weicher Verlauf zeigt sich daran, dass die Farben sanft ineinander übergehen, bei einem harten Verlauf gibt es deutlich sichtbare Grenzen zwischen den Farbübergängen. Die Stärke des Filters trägt stets die Angabe NDx.

Streng genommen gibt es sogar vier unterschiedliche Verläufe: „very hard“, „hard“, „medium“ und „soft“. Die harten Übergänge sind meist zu stark, weil der Übergang viel zu sehr ins Auge fällt, daher arbeiten die meisten Profis lieber mit weicheren Übergängen.

Im oberen Teil, wo der Filter neutral abgedunkelt ist, kommt entsprechend wenig bis kein Licht hindurch. Und das, ohne die Farbe zu beeinflussen (daher der Ausdruck „farbneutral“). Im unteren, durchsichtigen Teil kommt hingegen das ganze einfallende Licht durch. Die Farbübergänge dazwischen besitzen immer eine gerade Linie.

Filterstärke bei Graufiltern

Die Stärke des Filters gibt man in Blendenstufen an. Normalerweise besitzen Filter 2 oder 3 Blenden Abdunklung. Allerdings findest du auch welche, die nur eine oder aber vier Blenden haben.
Die ND-Angabe für eine bis vier Blenden sieht folgendermaßen aus (in vollen Lichtwertsprüngen):

  • ND 0.3: 1 Blende (entspricht also einer Blende (1 LW) Lichtwertreduktion
  • ND 0.6: 2 Blenden (entspricht 2 LW Reduktion)
  • ND 0.9: 3 Blenden (entspricht 3 LW Reduktion)
  • ND 1.2: 4 Blenden (entspricht 4 LW Reduktion) …

Wenn du zum ersten Mal einen solchen Filter kaufst, dann kannst du fürs Erste mit vier Filtern auskommen. Du solltest dir je einen ND 0.2 und 0.3 mit harten und weichen Übergängen (HARD und SOFT) zulegen. Damit kommst du schon ziemlich weit, denn diese wirst du am häufigsten einsetzen. Dies ist natürlich kein unumstößliches Gesetz.

Es gibt auch Fotografen, die diese relativ schwache Abdunklung als zu gering empfinden und daher die Stärken 0.6 und 0.9 als unabdingbar ansehen. Welche Variante für dich am besten passt, kommt nun natürlich darauf an, was du am häufigsten fotografierst. Für den Einsatz gehst du am besten von der alten Faustregel aus: je dunkler dein Vordergrund im Vergleich zum Himmel ist, desto stärker muss dein Grauverlaufsfilter sein.

Spezialfall: ND Reverse Grad

Es gibt auch einen speziellen Grauverlaufsfilter, bei dem der Grauverlauf nicht oben beginnt, sondern in der Mitte des Filters! Somit ist der Filter in der Mitte Grau und nach oben hin zunehmend klarer. Einen solchen Filter solltest du verwenden, wenn bei Außenaufnahmen und Panoramabildern die Sonne ganz dicht über dem Horizont steht und du sie abdunkeln musst.

Alternativ, wenn du dir keinen solchen Filter für eine Spezialanwendung leisten willst oder kannst, benutzt du einfach zwei Grauverlaufsfilter, die du gegenläufig in den Halter schiebst. Ideal ist die Kombination eines Filters mit hartem Verlauf und eines Filters mit softem Verlauf. (Am besten Stärke 0.3 und Stärke 0.9). Da es aber im Endeffekt darauf ankommt, was für ein Bild du haben möchtest, kannst du auch zwei weiche oder zwei harte Filter kombinieren. Zum Schluss muss nur genau DAS Bild dabei herauskommen, das du gerne haben willst.

Haupteinsatzgebiet von Grauverlaufsfiltern

Es gibt keine Vorschrift, die dir sagt, wann der Grauverlaufsfilter zur Anwendung kommen muss oder soll. Aber er eignet sich hervorragend für Außenaufnahmen oder Landschaftsaufnahmen, um den Himmel dunkler erscheinen zu lassen. Daneben kannst du ihn auch immer dann einsetzen, wenn du bestimmte Effekte erzielen möchtest. Beispielsweise ergibt der Einsatz eines ND-Filters tolle Effekte, wenn du fließendes Wasser fotografieren willst.

Vorsicht bei Filterkombination und Dauereinsatz

Wichtig ist allerdings, dass du den Filter nicht dauerhaft auf deinem Objektiv befestigt lässt und womöglich noch weitere Filter damit kombinierst (UV-Filter, Schutzfilter). Denn dadurch reduzierst du die Bildqualität und verursachst zusätzlich noch sichtbare Vignettierungen. Falls dies beabsichtigt ist, spricht natürlich nichts dagegen, aber für eine schöne Panoramaaufnahme brauchst du so etwas nicht. Da solltest du dich lieber auf die bestmögliche Qualität konzentrieren.

Unterschied zum ND-Filter

Der ND-Filter (Neutral Density Filter oder Graufilter) blockiert einen Teil des einfallenden Lichtes. Er ist nicht dasselbe wie ein GND-Filter, da er keine Farbverläufe hat. Du brauchst ihn für detailreiche Szenen in der Landschafts- oder Architekturfotografie, die du mit einer längeren Belichtungszeit besser darstellen kannst.

Wie kurz oben angesprochen, sind diese Filter hilfreich, wenn du Wasserfotografien erstellst oder Details darin verschwimmen lassen möchtest. Auch für eine gezielte Himmelsaufnahme beziehungsweise Darstellung von Wolken, kannst du diesen ND-Filter gut einsetzen.

Unterschied zu anderen Verlaufsfiltern

Beim Grauverlaufsfilter verlaufen die Farben nur von Grau zu Transparent. Es gibt daneben jedoch noch weitere Verlaufsfilter, die von einer bestimmten Farbe bis hin zu Transparent verlaufen. Während der Grau-Effekt schlecht am PC nachzuarbeiten ist, ist das jedoch bei Farbverlaufsfiltern kein Problem. Daher sind die farbigen Verlaufsfilter auch heute nur noch selten im Einsatz.

Wie wichtig ist der Grauverlaufsfilter?

Eine interessante Frage, die die Fotocommunity aufreibt, ist: Braucht man diesen Filter überhaupt? Unserer Meinung nach ist er auf jeden Fall wichtig, um optimale Bildergebnisse zu erzielen und um tolle künstlerische Effekte ins Bild zu zaubern. Trotzdem gibt es auch Fotografen, die gegenteiliger Meinung sind. Daher sollten wir kurz einen Blick auf die Argumente werfen.

Was sind die Nachteile des Grauverlaufsfilters?

Lassen wir den Kontra-Stimmen den Vortritt. Was spricht gegen den Einsatz dieses Filters?

  • Tatsächlich gibt es einige ungünstige Eigenschaften, die nicht von der Hand zu weisen sind. Dazu zählen der hohe Preis und dass sie so schwer und sperrig sind. Wer diese Teile auf einem Ausflug mitführen möchte, der muss praktisch einen Zusatzrucksack mitschleppen.
  • Sie sind auch empfindlich und gehen leicht kaputt, daher muss man vorsichtig mit ihnen umgehen und hat im Falle eines notwendigen Nachkaufs ein kleines Preisproblem, wenn er sehr hochpreisige Filter verwendet. Aber sogar günstige Sets um die 100 Euro möchte man ja nicht wöchentlich nachkaufen.
  • Ein kreativer Nachteil ist, dass die Grauverlaufsfilter nicht alle Bildteile gleich gut belichten. Diese Filter gehen aufgrund der Unterteilung in ihre Farbverläufe stur danach vor. Sollte zufällig ein Objekt (ein Baum oder Fels) in den Himmel hineinragen, dann dunkelt der Filter diese Stelle genauso mit ab wie den restlichen Himmel. Solche Probleme sind leider später nicht immer am PC zu korrigieren.
  • Das Fotografieren mit dem Grauverlaufsfilter ist etwas schwieriger zu lernen und daher für Anfänger nicht immer leicht umsetzbar.

Vorteile: Warum lieben viele Fotografen dennoch diesen Filter?

  • Wer einmal gelernt hat, damit zu fotografieren, dem ist die Handhabung in Fleisch und Blut übergegangen und er will nicht mehr darauf verzichten.
  • Derzeit ist ein großes Wachstum im Segment analoge Kameras zu beobachten. Back to the roots, sozusagen. Die Fotografen möchten wieder flexibel und ursprünglich fotografieren, um keine „sterilen“ Instagram-Kunstwerke zu erschaffen, sondern lebendige, ursprüngliche Fotos, die auch streckenweise ein charmantes Bildrauschen zeigen.
  • Ein großer Vorteil ist es, mit nur einer Belichtung gleich das gewünschte Bild zu schießen. Denn durch das Kameradisplay kann der Fotograf gleich das Ergebnis sehen.
  • So gesehen könnte man auch sagen, dass der Filter dabei hilft, den Blick für das Wesentliche zu wecken oder zu schärfen.

Wer keinen Spaß am Grauverlaufsfilter hat, der kann auch eine Alternative nutzen

Beispielsweise bietet die HDR-Technik die Möglichkeit, ganze Belichtungsreihen zu machen. Dies lässt sich auch in diesem Fall als Ansatz verwenden. Denn hier kannst du nacheinander mehrere Fotos schießen, bei denen du die Belichtung des Motivs entsprechend ausrichtest. Dann kannst du später in aller Ruhe am Computer daraus ein einziges Bild zusammensetzen und digital nachbearbeiten. Angesichts dieser Auswahl – stundenlang am PC hocken oder lieber einen Grauverlaufsfilter einsetzen – sind wir lieber ein wenig länger draußen auf Motivsuche und haben unser Wunschbild im Kasten.

Allerdings möchten wir niemandem seine persönliche Meinung ausreden. Es gibt in der Kunst kein falsch oder richtig. Am Ende zählt der Spaß an der Fotografie, die Leidenschaft und natürlich auch, dass du das von dir gewünschte Ergebnis erzielen kannst und am Ende mit den Bildern glücklich bist. Egal, ob du sie mit oder ohne Graufilter geschossen hast.

Weitere Eckdaten zum Grauverlaufsfilter – was du noch wissen solltest

Du kannst unterschiedliche Varianten dieser Filter kaufen und musst außerdem wissen, welche Größe zu deinem Objektiv und Sensor passt.

Steckfilter und Schraubfilter

Den Filter kannst du als Schraub- oder Steckfilter kaufen. Weil der Schraubfilter leider einen großen Nachteil hat (die Übergangslinie lässt sich nicht verschieben), ist der Steckfilter wesentlich beliebter.

Nachteil Schraubfilter

Der Hintergrund dazu ist schnell erklärt: Den Schraubfilter musst du nämlich auf dein Objektivgewinde schrauben, wobei der Verlauf dann genau in der Mitte liegt. Bei deinen Outdoor-Fotos liegt aber erfahrungsgemäß auf keinen Fall bei jedem Bild der Horizont auch genau in der Bildmitte.
Somit ist der Filter ein großer Nachteil für dich. Dazu kommt, dass du – um dieses Problem zu umgehen – alternativ verschiedene Schraubfilter mit unterschiedlichem Verlauf mitführen müsstest. Das ist umständlich und unpraktisch und du müsstest laufend den Filter wechseln.

Vorteil Steckfilter

Genau dieses Problem hast du beim Steckfilter nicht. Wenn du Steckfilter einsetzen willst, dann musst du zunächst mit einem Filteradapterring eine Einschubmöglichkeit für den Filter am Objektiv befestigen. In diesen Kunststoff-Filterhallen kannst du dann die rechteckigen Grauverlaufsfilter einschieben.
Und dabei ist der große Vorteil direkt ersichtlich: du kannst den Filter entsprechend weiter nach oben oder unten schieben und ihn so genau deinen Bedürfnissen für die optimale Lage (in Bezug auf den Horizont) anpassen. Also genau DAS optimal lösen, wobei der Schraubfilter „versagt“.

Tipp

Wenn du mit den Steckfiltern arbeitest, dann kannst du übrigens in denselben Filterhalter auch Grau- oder Polfilter einsetzen. Die Filter haben nämlich eine Einheitsgröße und daher sind alle Filter auch in jedem Filterhalter (sofern er von der Größe her passt), einsetzbar.

Filterhalter und Filtergröße

Nun haben wir gerade die Größe des Filters erwähnt, aber wonach richtet sich diese? Dabei geht es um die passende Filtergröße, die zu deinem Filtergewindedurchmesser passen muss. Diese richten sich nach den Filterserien, die je nach Hersteller unterschiedlich ausgestaltet sind. Nehmen wir als Beispiel die Filtergröße des Herstellers Cokin, eine beliebte Filtermarke und günstiges Einstiegsmodell.

Filtergröße

Der Hersteller Cokin führt die Serien A, P, X und Z, die sich nach folgenden Kriterien richten:

  • Die A-Serie ist passend für Gewinde von 36-62 mm und der Filter ist 67×67 mm groß.
  • Die P-Serie eignet sich für Gewinde von 48-82 mm und der Filter hat eine Größe von 84×84 mm.
  • Die Z-Pro-Serie ist für Mittelformat- und Filmkameras und der Filter hat die Maße 100×100 mm.
  • Die X-Pro-Serie ist ebenfalls für Mittelformat-, Film- sowie Großformatkameras geeignet und die Filtergröße beträgt 170×130 mm.

Filterhalter

Diese rechteckigen Filter musst du mithilfe eines Filteradapters an der Kamera befestigen, wobei du einen Adapterring benutzt, um ihn am Objektiv zu befestigen. Diese Adapterringe gibt es in unterschiedlichen Größen von 46 mm über 52, 55, 58, 62, 67, 72, 77 bis hin zu 82 mm und größer.
Abgesehen von der passenden Größe musst du beim Filterhalter noch beachten, wie viele Einschübe diese haben und ob du mit einem, zwei oder drei Einschüben am besten arbeiten kannst.

Ansonsten must du keine großen Bedenken haben, dass der Filterhalter nicht passen könnte. Denn es kommt hier weniger auf den Hersteller als auf die Breite des Filters an. Einen Filter mit der richtigen Breite kannst du in jeden Filterhalter dieser Größe einschieben.

Wenn du mit einer DSLR fotografierst, dann ist normalerweise ein 100 mm breiter Filter ideal. Damit lassen sich mit allen gängigen Objektiven gute Aufnahmen schießen. Aufpassen musst du nur, wenn du ein Spezialobjektiv benutzt, das wesentlich breiter ist. Aber das Filterprinzip, also Funktion und Aufbau sind auch dann immer gleich.

Die Arbeit mit den Grauverlaufsfiltern

Ob du die Filter einsetzen möchtest oder nicht, hängt von deiner persönlichen Bewertung der Vor- und Nachteile ab, die wir weiter oben bereits angeschaut haben. Wenn du sie einsetzt, dann musst du aber berücksichtigen, wo sie ihre Grenzen haben, wie farbecht sie sind und ob du später am PC noch eine Nachbearbeitung vornehmen kannst. Hier nochmals die wichtigsten Punkte für dich in der Übersicht:

Horizont-Problematik

Die Filter haben jeweils gerade Übergangslinien – die aber nicht zur Horizontlinie im Bild passt. In dem Fall dunkelst du leider nicht nur den Himmel, sondern auch gleich die Landschaft ab, was natürlich nicht erwünscht ist. Die Alternative dazu wäre, eine Reihe von Bildern zu schießen, die du unterschiedlich belichtest und am PC zusammensetzt. Das schafft allerdings neue Probleme, falls du ein bewegliches Motiv im Bild hast.

Farbstich

Im Idealfall sind die Filter farbneutral abgedunkelt. Dieser Idealfall kommt aber nicht immer vor. Sogar Top-Marken wie Cokin haben einen Magenta- oder Blaustich. Das liegt aber nicht daran, dass sie irgendetwas bei der Herstellung falsch machen.

Denn an den abgedunkelten Stellen trifft ja ebenfalls Licht auf. Und ein Sperrfilter verhindert, dass die darin enthaltenen Infrarot-Wellen bis zum Sensor vordringen. Allein dadurch ergibt sich eine Farbveränderung im Bild. Der Grauverlaufsfilter verhindert durch die Abdunklung das Fotografieren mit einer kurzen Belichtungszeit. Während der langen Belichtung kommt nun mehr infrarotes Licht zum Sensor und verursacht dadurch ebenfalls einen Farbstich.

Nachbearbeitung

Du kannst mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen machen und sie später am PC zusammensetzen. Auch verschiedene andere Nachbearbeitung kannst du mit Photoshop dann noch vornehmen. Doch stundenlange Fummelei und Bastelei am Computer reichen häufig nicht aus, um das Bild so perfekt hinzubekommen, wie du es ursprünglich geplant hast.

Besonders wenn du schöne Aufnahmen am Wasser gemacht hast und die Wellen des Meeres oder einen Wasserfall oder Springbrunnen richtig in Szene setzen möchtest. Immer wenn Bewegung vorkommt, gerätst du auch bei der Nachbearbeitung an technische Grenzen.

Die richtige Anwendung

Nur durch häufige oder auch langjährige Übung und viel Probieren und Experimentieren kannst du mit dem Grauverlaufsfilter gute Ergebnisse erzielen. Dabei können wir dir leider keine Geheimtipps an Herz legen, denn dein künstlerischer Ausdruck soll sich mit deinen Vorlieben und deinem Stil decken. Vielleicht möchtest du sehr starke Kontraste, die andere Fotografen lieber vermeiden? Vielleicht möchtest du leicht surreale Fotos erzielen, bei denen der Himmel durch Überbelichtung einen gewissen „Touch“ bekommt?

Was du auf jeden Fall beachten musst, ist zum einen die Wahl der richtigen Filterstärke. Denn ein zu schwacher Filter plättet deine hellen oder dunklen Stellen weg und ein zu starker Filter sorgt für ein unnatürliches Ergebnis. Der zweite wichtige Punkt ist das optimale Setzen des Übergangs, damit du wirklich nur die Stellen abdunkelst, die auch wirklich dunkel werden sollen. Dies ist der schwierigste Teil, der ein gewisses Fingerspitzengefühl von dir verlangt, das du mit der Zeit aber erlernen kannst.

Problematik bei der Kombination von Filtern

Die Kombination mit Polfiltern oder auch das in Reihe Schalten von zwei Grauverlaufsfiltern ist zwar eine häufig empfohlene und angewandte Alternative, aber dabei musst du ein Risiko einkalkulieren: Zunächst vermindert jeglicher Filter leicht deine Bildqualität. Je mehr du also einsetzt oder übereinander verwendest, desto schlechter ist das Ergebnis. Dazu kommt eine Problematik beim Stecksystem. Hier gibt es kleine Lücken zwischen den einzelnen Filter, durch die Licht fallen kann. Und dieses Licht sorgt leider für unerwünschte Reflexionen.

Welche guten Grauverlaufsfilter gibt es?

Welchen Filter du verwenden möchtest, ist natürlich eine Frage des Geschmacks, deiner Marken-Vorlieben, des Einsatzzweckes und deines Budgets. Selbstverständlich musst du vor dem Kauf auch die Kompatibilität mit deiner Kamera berücksichtigen. Olaf empfiehlt für Einsteiger immer einen Grauverlaufsfilter von Cokin, da er selbst mit diesem begonnen hat.

Eine kleine Übersicht für deine Kaufüberlegung

Unter den vielen hervorragenden Produkten haben wir drei für dich ausgesucht, mit denen wir bereits erfolgreich fotografiert haben:

  • Man könnte sagen, dass Cokin für Einsteiger aufgrund des niedrigen Preises ideal ist. Damit bist du also gut bedient, wenn du nur über ein kleines Budget verfügst. Dafür musst du leider einen leichten Magenta Farbstich in Kauf nehmen. Aber dieser kann auch super kreative Effekte bringen und muss daher nicht unbedingt nachteilig sein.
  • Wenn du schon Erfahrungen in der Fotografie oder mit Verlaufsfiltern hast, dann kannst du zu Formatt Hitech greifen. Diese ist weitgehend farbneutral, aber etwas teurer als der von Cokin.
  • Und wenn du entweder Profi bist oder es dir leisten kannst, ein teures Modell anzuschaffen, dann rät dir Olaf zu einem von Lee oder Singh-Ray.
  • Egal, für welchen Filter du dich entscheidest, denk immer dran, dass du den passenden Filterring dazu brauchst, um ihn mit deinem Kamerasystem zu verbinden. Grundsätzlich sind die Grauverlaufsfilter aber Markenunabhängig und lassen sich mit verschiedenen Marken verbinden. Wichtig ist aber, dass du die unterschiedlichen Gewindedurchmesser berücksichtigst.

Beurteilung der Grauverlaufsfilter im Vergleich

Bevor du dir einen solchen Filter zulegst, empfiehlt es sich auf jeden Fall, sich im Bekanntenkreis umzuhören oder im Internet nach Testberichten zu suchen. Was der eine mag, muss für den anderen nicht zwingend ebenfalls passend sein. Und ganz teure Profigeräte, die natürlich ganz toll sind, kann sich nicht jeder leisten.

Du musst also darauf achten, dir objektive Fakten zu verschiedenen Filtern anzuschauen und dann passend zu deinem Budget den idealen Filter zu finden. Aktuelle Verlaufsfilter-Tests gibt es regelmäßig auf verschiedenen Fotoblogs, sowie auch bei uns.

Formatt Hitech bietet übrigens ein Dreierset aus Kunststofffiltern in Stärke 0.3, 0.6 und 0.9 für derzeit rund 100 Euro an. Leider musst du hier gegen einen Farbstich ankämpfen, wie bei fast allen Filtern. Wenn du dich für die Firecrest-Serie entscheidest, die aus Glasfiltern besteht, zahlst du für das Set ungefähr das Dreifache, hast keine Farbstichprobleme und sie ziehen weniger Staub an als ihre Kunststoff-Pendants. Dafür sind die Glasvarianten aber schwerer und bruchempfindlicher.

Einsparmöglichkeiten nutzen – aber bitte keine Billigfilter kaufen!

Robert als Sparfuchs empfiehlt, auch bei günstigen Filtern mögliches Einsparpotential zusätzlich zu berücksichtigen. Denn viele Hersteller bieten ganze Filtersets an, von denen du preislich und künstlerisch profitieren kannst. Warum also darauf verzichten? Gerade von Cokin gibt es diese fertigen Sets, aber auch andere Hersteller wie Hoya, Hama oder Haida können in diesem Bereich punkten.

Übrigens spart Robert zwar hin und wieder gerne ein paar Euro ein, indem er zu guten Sets greift, das bedeutet aber nicht, dass er dir zur Verwendung von Billigfiltern raten würde. Denn dabei kommt es erfahrungsgemäß immer wieder zu unterschiedlichen Problemen, was Unschärfe oder Farbverschiebungen betrifft. Achte also immer darauf, Qualitätsprodukte zu kaufen, bevor du deine Billigfilter entsorgen und doch hochwertigere Filter nachkaufen musst.

FAZIT – ohne Grauverlaufsfilter kommst du bei der Landschaftsfotografie kaum aus

Wie und welche Filter du einsetzt, kommt auf das Ergebnis an, das du damit erzielen möchtest. Viele Dinge kannst du am PC nachbearbeiten, andere (bewegliche Motive, Wasseraufnahmen) können nur schwer optimiert werden. Ob man wirklich einen Grauverlaufsfilter haben muss oder nicht, können wir niemandem vorschreiben. Wir wenden ihn an, weil wir schon länger damit umgehen und ihn auch anwenden können.

Für Anfänger ist es sicherlich zunächst mit viel Training und einigen Versuchen verbunden, bis die Verwendung „sitzt“. Außerdem lassen sich die Effekte von Grauverlaufsfiltern genauso wenig wie die der Polfilter komplett am PC nachahmen. Falls du häufig Landschaftsaufnahmen schießt, dann solltest du dir wirklich überlegen, ein günstiges Einsteigerset anzuschaffen. Und dann: fleißig üben, üben, üben.



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