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Mond fotografieren – Ausrüstung, Standort und der richtige Zeitpunkt für perfekte Bilder

Der Mond war schon für unsere Vorfahren und antike Hochkulturen besonders spannend zu beobachten. Er war auch die Grundlage für den Mondkalender, da seine Mondphasen gut sichtbar waren. Für Astronomen und Astrologen spielt er auch heute noch eine große Rolle und selbst einige Fotografen, die sich der Astrofotografie gewidmet haben, haben ihn zu ihrem Hauptmotiv erkoren. Aber worum geht es bei der Mondfotografie und was musst du beachten?

Die Mondfotografie als Teilbereich der Astrofotografie

Die Mondfotografie ist ein Teil- oder Unterbereich der Astrofotografie. Deine Ausrüstung sowie die grundsätzlichen Tipps ähneln sich jedoch bei allen Bereichen der Astrofotografie, der Nachtfotografie, der Fotografie der Milchstraße oder auch bei den Aufnahmen des Sternenhimmels. Damit du nicht in jedem unserer Artikel dasselbe lesen musst, verweisen wir daher auf all diese Artikel, damit du dich möglichst umfassend informieren kannst.

Die Anfänge der Mondfotografie

Um die Hintergründe der Mondfotografie besser erklären zu können, bietet sich ein kurzer Blick in ihre Historie an. Noch bevor man den Mond mit der heutigen Technik fotografieren konnte, beobachtete und skizzierte man nämlichen seinen Verlauf und sogar seine Oberfläche allein aufgrund der Beobachtung mit dem bloßen Auge. Denn der Phasenwechsel war immerhin mit dem bloßen Auge leicht zu sehen und zog schon das Interesse der babylonischen Astronomen auf sich. Dabei konnten antike Forscher bereits seinen Einfluss auf den menschlichen Körper oder die Natur (Ebbe und Flut, günstige Aussaatzeiten) feststellen.

Von der Erde aus ist die Oberfläche gut erkennbar, was zu allerlei mythischen Deutungen geführt hat. Der Mann im Mond ist in Asien beispielsweise ein Hase. Bei genauer Betrachtung findet sich auf dem Mond aber weder das eine noch das andere. Stattdessen kannst du bei guter Sicht einige scharfbegrenzte Flächen erkennen, die sich durch ein Fernrohr noch genauer erkunden lassen.

Das Fernrohr diente früher der Skizzierung heute der Fotografie

1608 konnten die ersten Forscher nach der Erfindung des Fernrohrs den Mond noch viel besser untersuchen und die Zeichnung der Mondkarten ausweiten. Galileo Galilei ist dir sicher ein Begriff. Er gehörte zur Riege der Männer, die sich mit der Erforschung beschäftigten.

Nachdem William Gilbert im Jahr 1600 bereits eine Mondkarte allein durch die Beobachtung mit bloßem Auge angelegt hatte, konnte Galileo bereits 1609 eine verbesserte Karte anlegen. Weitere Forscher optimierten diese immer weiter und so konnte Johannes Hevelius 1647 eine gute Karte veröffentlichen, die kurz darauf 1651 Giovannic Riccioli weiter verfeinerte.

Es folgten Detailzeichnungen von Bergen und Kratern durch Johann Hieronymus Schroeter (1778-1813) sowie 1837 der erste Mondatlas von Wilhelm Beer und Johann Heinrich Mäder. Und nach der Erfindung der Fotografie konnte man den Mond durch die Fernrohre (Teleskope) endlich auch fotografieren!

Was genau kannst du auf der Mondfotografie ablichten?

Falls du denkst, dass der Mond zu langweilig ist, dann vergiss nicht, dass er nicht nur eine faszinierende Oberfläche besitzt, sondern du ihn auch täglich in einer anderen Phase ablichten kannst.

Die Oberfläche

Auf der Mondoberfläche findest du ein tolles Muster vor, denn sie ist durchzogen von einer Kraterlandschaft, die durch Meteoriteneinschläge und Magmaergüsse entstanden ist. Wenn die Sonne den Mond in einem guten Licht anstrahlt, dann kommen diese Krater durch die entstehenden Schatten noch viel besser zur Geltung und du bekommst ein beinahe plastisches Bild der Oberfläche.

Die Mondphasen und der Supermond

Der Mond wechselt nicht nur zwischen Neumond und Vollmond und nimmt zwischendurch zu und ab, sondern er erzeugt außerdem eine seltsame optische Illusion während des sogenannten Supermondes oder Supervollmondes.
Dieser Supermond ist kein astronomischer Begriff. Man verwendet ihn jedoch für einen besonders großen und gut sichtbaren Vollmond, währenddessen er näher an der Erde steht. Der Mond bewegt sich in einer Entfernung von ungefähr 357.000 km zur Erde um uns herum. Während des Supervollmonds erscheint er uns bis zu 14% größer, auch wenn er nicht wirklich viel näher ist.

Der letzte Supervollmond fand am 19. Februar 2019 um 16:53 Uhr (MEZ) statt. Dabei war der Mond 356.846 km von der Erde entfernt. Der diesjährige Supervollmond ist am 08.04.2020 um 03:35 Uhr (MEZ) zu beobachten (Entfernung: 357.035 km) und 2021 ist er dann am 26.05.2021 um 12:14 Uhr (MEZ) im Abstand von 357.462 km zu sehen. Übersichten dieser Daten findest du online in diversen Mondkalendern, sodass du immer genau weißt, wann es etwas zu sehen gibt.

Der richtige Zeitpunkt und das richtige Licht

Eben weil der Mond sich ständig verändert und täglich zu- oder abnimmt, ist es für dich wichtig, einen Überblick über die Phasen zu haben, damit du deinen optimalen Zeitpunkt und die richtigen Lichtverhältnisse für deine Bilder bestimmen kannst. Bei Vollmond ist der Mond schließlich sehr viel heller als bei Neumond und mitten am Tag wirst du ihn auch kaum fotografieren wollen. Stattdessen kannst du ihn perfekt beim Mondauf- oder -untergang abpassen.

Dafür musst du dich allerdings mit den verschiedenen Mondphasen beschäftigen. Wer sich gleichzeitig nicht nur für die Fotografie, sondern auch die Astronomie oder Astrologie interessiert, hat daran natürlich mehr Spaß und auch ein größeres Hintergrundwissen, was die ganze Sache stark vereinfacht. Schauen wir uns also ein paar dieser Hintergründe an.

Die Monatsnamen

Außer dem Supervollmond hat jeder Vollmond einen eigenen Namen. Du kannst also während des Jahres jeden Monat einen tollen Mond fotografieren. Und da meist ein 13. Vollmond während des Jahres sichtbar ist (der Blue Moon), hast du sogar 13 Schnappschüsse, die du einplanen kannst.
Die traditionellen Namen unterscheiden sich in jeder Kultur. Einige Beispiele sind:

  1. Januar-Vollmond: Hartung, Wolfsmond, Eismond
  2. Februar-Vollmond: Hornung, Schneemond, Hungermond
  3. März-Vollmond: Lenzmond, Wurmmond, Krähenmond
  4. April-Vollmond: Ostermond, Rosa Mond, Grasmond
  5. Mai-Vollmond: Wonnemond, Blumenmond, Pflanzmond,
  6. Juni-Vollmond: Brachmond, Erdbeermond, Honigmond
  7. Juli-Vollmond: Heumond, Bockmond, Sonnenmond
  8. August-Vollmond: Erntemond, Störmond, Ährenmond
  9. September-Vollmond: Herbstmond, Maismond/Erntemond, Jagdmond
  10. Oktober-Vollmond: Weinmond, Jägermond, Blutmond
  11. November-Vollmond: Nebelmond, Bibermond, Schlachtmond
  12. Dezember-Vollmond: Julmond, Kalter Mond, Heilmond

Hilfreiche Monddaten und Mondkalender

Im Internet findest du viele kostenlose Mondkalender, auf denen du die wichtigsten Daten und Uhrzeiten (Mondaufgang, Monduntergang, Mondphase) ablesen kannst. Außerdem gibt es auch kostenlose Mondkalender Apps, die dir bei der Fotografie unterwegs auch auf dem Handy behilflich sein können.

Beispielsweise zeigt dir der Mondkalender von Kalender-365.EU auch den jeweiligen Abstand des Mondes von der Erde an. Oder im App Store von Google gibt es „Mondphasen“, Daff Mond, Moon Phase Calendar und viele weitere. Hier hast du die Qual der Wahl und kannst dir in Ruhe die App aussuchen, mit der du am besten klarkommst.

Der richtige Zeitpunkt für dein Fotoshooting

Mithilfe der vorgeschlagenen Kalender kannst du ganz leicht die gewünschte Mondphase herausfinden, die du ablichten willst. Natürlich finden alle den Vollmond besonders spannend, allerdings empfiehlt Olaf, lieber bis zu 5 Tage vor Vollmond zu fotografieren, da du in der Zeit bessere Details der Oberfläche ablichten kannst. Der Vollmond selbst ist zwar sehr hell, zeigt aber nicht dieselbe gut sichtbare Grenze der Mondkrater, wie das in den Tagen zuvor der Fall ist.

Dasselbe gilt auch für die Neumondphase. Rund 6 Tage nach Neumond kannst du die großen Mondkrater noch sehr gut auf deinen Fotos erkennen. Olaf hat die Krater in der Nähe des Mondlandungsortes der Apollo 11 mit seiner NikonD5300 und 400 mm Brennweite hervorragend fotografiert.

Beachte auch den Mondaufgang und Monduntergang! Der Mond ist natürlich immer gleich groß, aber er wirkt häufig optisch größer oder kleiner, wenn er gerade auf- oder untergeht. Besonders in Kombination mit den ihn umgebenden Objekten wie Häuser oder Bäume.

Der beste Standort für Mondfotos

Wie bei allen astronomischen Aufnahmen und Nachtaufnahmen ist es wichtig, dass du zunächst eine klare Sicht auf den Himmel hast. In diesem Fall natürlich konkret eine gute Sicht auf den Mond. Ohne Wolken, ohne Nebel oder Regen.

Außerdem stören fremde Lichtquellen wie Straßenlaternen oder auffällige Hausbeleuchtungen des Nachbarn sowie plötzlich auftauchende Autoscheinwerfer deine Aufnahmen. Gerade mitten in der Großstadt findest du kaum einen idealen Platz für die Fotos, an dem es dunkel genug ist.

Falls möglich, solltest du dich also irgendwo postieren, wo kein störendes Umgebungslicht ist. Hilfreich bei der Suche nach einem Standort können Karten sein, die dir den Grad der sogenannten Lichtverschmutzung anzeigen. Also Orte und Großstädte, die nachts so massiv beleuchtet sind, dass es viel zu hell ist für gute Aufnahmen.

Aktuelle Lichtverschmutzungskarten findest du online, beispielsweise unter Lichtverschmutzung.de, oder natürlich auch als App für dein Smartphone.

Welche Ausrüstung brauchst du für gute Mondfotos?

Für alle nächtlichen Himmelsfotos brauchst du auf jeden Fall eine gute Ausrüstung und eine lichtempfindliche Kamera. Dazu musst du aber nicht unbedingt zu den teuersten Geräten greifen. Vielleicht willst du ja später gar nicht bei der Astrofotografie bleiben und hast dann viel zu teure Objektive und Teleskope herumliegen.

Gut bedient bist du in jedem Fall mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Dabei können schön günstige Modelle sehr gute Bilder bringen. Manchmal aufgrund des Cropfaktors sogar bessere als eine teure Profikamera.

Der Cropfaktor gibt an, wie stark das Bild gegenüber dem Kleinbildformat beschnitten ist. Die angegebenen Megapixel des Sensors sind in dem Fall nämlich für einen kleineren Bildausschnitt vorhanden und du bekommst dadurch eine bessere Bildvergrößerung.

Kamera

Es gibt nicht „die richtige“ oder „die falsche“ Kamera für die Bilder, daher wollen wir dir nicht ein fixes Modell ans Herz legen, dass du dir unbedingt anschaffen musst. Aber wir können dir ein paar Beispiele nennen, mit denen es auf jeden Fall funktioniert.

Eine gute DSLR (mit Cropfaktor) oder DSLM Kamera von den Marktführern Canon, Sony oder Nikon sind auf jeden Fall eine gute Wahl. Damit kannst du eigentlich nichts falsch machen. Vielleicht eine Canon EOS 750D, Sony Alpha 6000 oder Nikon D3400.

Übrigens kannst du den Mond auch mit dem Handy fotografieren. Allerdings sind selbst die guten modernen Smartphones wie das Huawei P30 nicht in der Lage, ohne ein Teleobjektiv scharfe Aufnahmen zu machen. Sogar dann, wenn du dein Handy benutzen möchtest, musst du also ein Teleobjektiv plus ein Stativ dazu verwenden!

Objektiv

Dazu brauchst du auf jeden Fall ein gutes Teleobjektiv mit einer Brennweite von mindestens 200 mm oder mehr. Profis benutzen lieber 400- 600 mm. Der Unterschied liegt darin, dass bei der kleinen Brennweite der Mond nur einen kleinen Teil des Bildes ausmacht – umrahmt vom schwarzen Himmel. Alternativ kannst du einen Telekonverter einsetzen, der die Abbildungsleistung ein wenig verringert.
Bei den Objektiven kannst du bedenkenlos zu denselben Marken greifen wie bei der Kamera. Wir haben bereits mit folgenden Objektiven gearbeitet, die sich alle als brauchbar herausgestellt haben. Hier entscheiden deine persönlichen Vorlieben und dein Budget, welches dir am liebsten ist:

  • Canon Telezoomobjektiv EF 70-200mm F4.0L IS USM für EOS (67mm Filtergewinde, Autofokus, Bildstabilisator)
  • Canon Teleobjektiv EF 200mm F2.8L II USM für EOS (Festbrennweite, 72 mm Filtergewinde, Autofokus). Mit der Festbrennweite ist das Objektiv lichtstärker!
  • Nikon 70-200 mm/F 4,0G ED VR AF-S Objektiv (Nikon F-Anschluss, True)
  • Nikon AF-S Zoom-Nikkor 70-300mm 1:4,5-5,6G VR Objektiv (67mm Filtergewinde, bildstabilisiert)
  • Sigma 150-600mm F5,0-6,3 DG OS HSM Contemporary Objektiv (95mm Filtergewinde) für Canon Objektivbajonett

Stativ

Dazu solltest du unbedingt ein stabiles und robustes Stativ und einen Fernauslöser verwenden, damit du die Bilder während der langen Belichtung nicht verwackelst. Wenn du bei dem Stativ nur die dicksten Elemente ausfährst, ist es auch bei schweren Teleobjektiven stabil genug. Falls du keinen Fernauslöser besitzt, kannst du alternativ auch deinen Selbstauslöser auf 2s Verzögerung einstellen.

Teleskop

Falls du dir sicher bist, dass die Mondfotografie dein absoluter Schwerpunkt ist, in den du auch gerne investieren möchtest, dann kannst du dir auch gleich ein gutes Teleskop anschaffen. Dabei hast du preislich verschiedene Möglichkeiten und außerdem unterscheiden sich die einfacheren Sets auch von der Technik und der Bedienung.

Mit einem Teleskop hast du die Chance, nicht nur einfach den Mond auf das Bild zu bekommen, sondern auch die Mondkrater oder andere prägnante Oberflächeneigenschaften. Zudem bist du mit dem Teleskop natürlich nicht nur auf den Mond festgelegt, du kannst damit auch Aufnahmen von anderen Planeten, vielleicht vom Jupiter oder Saturn machen. Schließlich sind die Ringe des Saturn, der am weitesten von der Erde entfernt ist, sehr interessant zu beobachten.

Zwei Teleskop-Tipps von uns

Omegon

Ein günstiges Einsteigerset wäre beispielsweise das Omegon Teleskop N 150/750 EQ-3. Das kannst du bereits für rund 300 Euro bekommen. Es ist besonders lichtstark und erlaubt es dir daher, dass du die anvisierten Objekte sehr detailreich und klar beobachten und ablichten kannst. Damit kannst du problemlos bis zum Orionnebel fotografieren.

Allerdings gibt es hier eine kleine Einschränkung: du kannst das Teleskop nicht in Verbindung mit einer Spiegelreflexkamera verwenden, weil du wegen dem langen Okularauszug nicht in den Fokus kommst. Es ist aber gut geeignet für Aufnahmen mit einer Webcam.

Es ist kompakt, leicht montierbar, hat eine hohe Auflösung und du kannst alle Objekte leicht auffinden. Dazu kommen verschiedene Zubehörteile wie unterschiedliche Okulare, Linsen und ein Leuchtpunktsucher, die alle im Set inbegriffen sind.

Skywatcher

Wenn du gleich richtig einsteigen willst, dann wäre eventuell das Skywatcher Maksutov Teleskop MC 180/2700 SkyMax NEQ-5 Pro SynScan GoTo etwas für dich. Allerdings kommst du hier preislich in andere Gefilde, du musst mit rund 2000 Euro rechnen. Für das EQ-6 Pro SycnScan blätterst du noch viel mehr hin.

Dafür hast du hier ein sehr hochwertiges Teleskop mit einer langen Brennweite, das du besonders gut für die Planetenbeobachtung (nicht nur für den Mond, das wäre etwas einseitig) verwenden kannst. Es ist kompakt und leicht transportierbar und du kannst damit sogar Deep-Sky-Objekte beobachten. Für die Sonnenfotografie ist es allerdings nicht geeignet, dazu musst du dir zusätzlich einen geeigneten Sonnenfilter anschaffen.

Hilfreiches Zubehör

Des Weiteren kannst du eine Streulicht- oder Gegenlichtblende einsetzen. Diese reduziert den unerwünschten seitlichen Lichteinfall, dem du in der Großstadt kaum entgehen kannst. Ohne Streulichtblende läufst du Gefahr, dass du später Schleier oder Reflexionen auf dem Foto hast. Dazu kommt, dass du entweder deine Kamera auch in stockfinsterer Nacht blind bedienen kannst oder dir eine Stirnlampe anschaffst, damit du alle Knöpfchen und Rädchen findest.

Die richtigen Kameraeinstellungen

Nachdem du nun die richtigen astronomischen Kenntnisse und die richtige Ausrüstung besitzt, weißt du genau was und von wo aus du fotografieren möchtest. Auch die Frage nach dem „womit“ (Kamera oder Webcam) ist geklärt. Jetzt musst du nur noch die richtigen Einstellungen finden …

Da der Mond sehr hell ist, kannst du ihn sogar mit niedrigen ISO-Werten gut ablichten. Dabei solltest du dir aber keine der optimal belichteten und perfekten Mondbilder aus dem Internet zum Vorbild nehmen. Denn dabei – wenn man die detailreiche Struktur des Mondes gut erkennen kann – handelt es sich um einen zusammengefügte und bearbeitete Aufnahme, die aus vielen Einzelbildern besteht.

Aufgrund der Helligkeit kannst du nämlich den Mond nur entweder hinsichtlich seiner Struktur gut belichten oder du belichtest die Umgebung. Aber beides gleichzeitig und dann noch mit einem perfekten Ergebnis … da musst du anschließend nachhelfen.

Belichtung

Beginnen wir also am besten gleich mit der richtigen Belichtung. Diese Sache musst du manuell angehen, denn die normale Belichtungsmessung kommt mit dem überwiegend dunklen Bild nicht klar. Falls du eine Spotbelichtungsmessung hast, dann kannst du diese einsetzen, denn sie belichtet anhand der gemessenen Helligkeit des mittleren Fokusfeldes. Damit das im Endeffekt funktioniert, musst du später auch den Mond in den Mittelpunkt des Bildes rücken.

Bei der Belichtung darfst du nicht vergessen, dass sich der Mond weiterbewegt. Das bedeutet, dass du bei einer Brennweite von 200 mm nur rund eine Sekunde lang belichten kannst, bevor der Mond weiterwandert und du unschöne Streifen auf deinem Bild bekommst. Faustregel: je länger die Brennweite, desto kürzer die Belichtungszeit Die richtige Belichtung kannst du immer mit dem Histogramm prüfen, solltest aber auf das Clipping verzichten, damit dir nicht die feinen Linien auf der Oberfläche des Mondes entgehen.

ISO-Wert

Bei der Mondfotografie ist ein niedriger ISO-Wert wichtig. Ab ISO 400-800 sind leider Verpixelungen gut sichtbar und der Mond sieht körnig aus. Wenn du zu kurz belichtest, ist das Bild aber zu dunkel. Dann musst du den Wert erhöhen, um das Bild heller zu machen. Wenn der Mond zu grell aussieht (das siehst du vor der Aufnahme bereits auf dem Display), dann musst du mit der Belichtungszeit runtergehen. Den Wert stellst du am besten manuell ein.

Brennweite

Als gute Brennweite wählst du mindestens 200 mm. Je nach Lichtverhältnissen nimmst du dabei eine Verschlusszeit von 1/30s bis 1/60s. Wenn du mit 400 mm bis 600 mm fotografierst, dann musst du die Verschlusszeit noch weiter verkürzen, weil schon eine minimale Erschütterung dein Bild verwackelt.

Fokussierung

Wie besprochen, sollte der Mond in der Bildmitte liegen, das kannst du mit dem Autofokus erledigen. Danach solltest du aber auf MF umstellen, damit sich der Fokus nicht plötzlich wieder verändert. Dazu stellst du noch die kamerainterne Schärfung auf niedrig. Achtung: die Fokussierung ist bei jeder Kamera ein wenig anders, daher gehen wir an dieser Stelle nicht in die Tiefe. Bitte informiere dich entsprechend in der Bedienungsanleitung der von dir verwendeten Kamera.

Bei einer DSLR-Kamera solltest du beispielsweise den Live View Modus einschalten, bei dem du den Mond gut heranzoomen und scharf stellen kannst. Dazu kannst du auch den Autofokus benutzen.
Falls deine Kamera dir in dieser Ansicht nur einen weißen Klecks am Himmel zeigt, dann musst du dich leider schrittweise vorantasten und die Verschlusszeiten immer wieder neu einstellen, bis du den Mond vernünftig sehen kannst. Wenn das nicht klappt, dann erhöht deine Kamera automatisch die Belichtung und du musst die automatische Belichtungskorrektur ausschalten.

Weitere wichtige Einstellungen

  • Bitte wähle für die Aufnahme das RAW-Format. Das ist eigentlich immer ideal, nicht nur bei der Mondfotografie, weil du dann einen besseren Dynamikumfang hast und das Bildrauschen besser verhindern kannst. Zudem lassen sich Details (hier: die Mondoberfläche) besser herausarbeiten.
  • Je nachdem, welche Kamera oder Webcam du benutzt, musst du darauf achten, bestimmte Einstellungen zusätzlich vorzunehmen oder verschiedene Automatikeinstellungen auszuschalten. Hier richtest du dich am besten nach der Bedienungsanleitung.
  • Wenn du mit der Spiegelreflexkamera fotografierst, dann schalte die Spiegelvorauslösung ein, damit die Kamera mit Verzögerung auslöst und dadurch eventuelle Erschütterungen (des Spiegels) nicht dein Bild verwackeln.
  • Dein Bildstabilisator auf dem Status muss ausgeschaltet sein, damit er sich nicht plötzlich von selbst korrigiert und dein Bild dadurch verwackelt. Alles, was automatisch einstellt und nachjustiert ist jetzt gefährlich für dein Bild.
  • Kommen wir zur Blende, hier wählst du die Zeitautomatik A mit Blendenvorwahl und blendest dann am besten zwei Stufen ab. Dadurch kannst du die Details der Mondoberfläche besser auf dem Bild einfangen.

Verschiedene Mondphasen fotografieren

Wie du dein Mondbild in Szene setzen möchtest und ob es realistisch oder künstlerisch aussehen soll, liegt ganz bei dir. Grundsätzlich kannst du jederzeit den Mond fotografieren, beliebt sind ein klarer Halbmond, ein Neumond oder auch eine Mondfinsternis. Dafür musst du aber jeweils unterschiedliche Einstellungen vornehmen, um das Beste aus dem Motiv herauszuholen.

Beispielsweise hat Olaf für sein coolstes Halbmondfoto mit der Nikon D750 und dem Sigma f/5-6.3 150-600 mm geschossen (1/180s, f/8, ISO400). Selbstverständlich arbeitet er mit einem Stativ und der Spiegelvorauslösung.

Robert hingegen fotografiert lieber den Vollmond oder die Mondfinsternis. Dazu hat er folgende Einstellungen benutzt: Für den Vollmond hat er die Nikon D5300 mit einem Nikor f/4.5-5.6 55-300mm benutzt und später den Bildausschnitt aus dem RAW-Bild noch optimiert. Das ist der Vorteil, wenn du RAW-Aufnahmen machst – du kannst Kontrast und Klarheit noch hervorragend anpassen und auch die Schärfe und die Details nachbearbeiten.

Abweichende Einstellungen für die Mondfinsternis

Wegen der schnellen Mondbewegung kannst du keine lange Belichtung vornehmen, daher musst du zunächst nach der 500er-Regel die Verschlusszeit bestimmen. Ideal wäre bei der Nikon D700 mit Brennweite 600 mm beispielsweise eine Verschlusszeit von 1/2s. Danach kannst du über die ISO-Automatik die maximale Zeit und den höchsten ISO-Wert ermitteln und über die Zeitautomatik eine Blende vorgeben.

Der Trick dabei ist, dass in dem Fall die Kameraelektronik den ISO-Wert steigert, wenn das Licht sich verschlechtert und du dadurch immer ein scharfes Bild bekommst. Ganz wichtig ist, dass du den Mond bereits manuell fokussierst (Live-View), solange er noch hell ist, danach geht es praktisch nicht mehr.

Den Blutmond fotografieren – die besten Tipps

Die totale Mondfinsternis nennt man übrigens auch „Blutmond“. Es ist ganz besonders faszinierend, ein solches Schauspiel zu fotografieren. Daher geben wir dir hierzu auch ein paar extra Tipps.

Kamera und Stativ

Zunächst einmal kannst du auch hier gute Bilder mit einer normalen Pocketkamera oder dem Smartphone machen. Wichtig ist, dass das gewählte Geräte besonders lichtempfindlich ist. Die besten Ergebnisse erzielst du dabei allerdings nur, wenn du den Mond in Verbindung mit einer Landschaftsaufnahme machst.

Denn für Nahaufnahmen, die auch die Oberfläche oder Details darauf gut zeigen, sind diese Kameras nicht geeignet. Dafür brauchst du dann schon eine digitale Spiegelreflexkamera oder eine Systemkamera mit Objektiv oder eine Bridgekamera mit einer langen Brennweite. Stativ und Fernauslöser sind auch beim Blutmond eigentlich unverzichtbar, ansonsten ist die Gefahr zu groß, dass du die Bilder verwackelst.

Blitz und ISO

Außerdem versteht es sich von selbst, dass du den Blitz ausschalten musst. Die Belichtung solltest du manuell einstellen. Auch fokussieren solltest du lieber manuell. Und wie bei den anderen Mondaufnahmen musst du einen kleinen ISO-Wert wählen und mit einer kleinen Blendenzahl (2.8 wäre gut) fotografieren.

Belichtungszeiten

Hier bieten sich übrigens Belichtungsreihen an, für die du jeweils unterschiedliche Einstellungen wählst. Die Belichtungszeiten sind bei der totalen Mondfinsternis eine Herausforderung, weil sich die Helligkeit des Mondes dabei ständig ändert und du daher laufend nachjustieren musst. Dafür können wir dir folgende Richtlinien an die Hand geben:

  • Beim Vollmond, den du direkt nach der Mondfinsternis siehst, nimmst du am besten ISO 100 und eine Belichtungszeit von 1/100 mit einer großen Blendenzahl.
  • Wenn er in die Halbschattenphase geht, verdoppelst du entweder die Belichtungszeit oder deinen ISO-Wert.
  • Bei der partiellen Mondfinsternis kannst du die Einstellungen der Halbschattenphase nutzen, aber solltest dann immer länger belichten und eine kleinere Blendenzahl oder einen höheren ISO-Wert wählen.
  • Während der totalen Mondfinsternis musst du einen ISO-Wert zwischen 400 und 800 nutzen und eine Belichtungszeit von 1 bis 10 Sekunden bei weit offener Blende einstellen.
  • Falls du während der Aufnahmen an den Mond heranzoomst, dann achte darauf, dass sich bei manchen Kameras die Blendenwerte ändern und du daher die Belichtungszeit anpassen musst.

Umgebungslicht

Übrigens spielt sich die totale Mondfinsternis nicht immer mitten in der Nacht vor einem schwarzen Himmel ab. Manchmal zeigt sie sich auch in der Morgen- oder Abenddämmerung. In dem Fall musst du auch die Umgebungshelligkeit bei den Einstellungen berücksichtigen und mit den Belichtungszeiten spielen.

Weitwinkel oder Teleobjektiv?

Du kannst mit beidem gute Bilder erzielen. Bei einer langen Brennweite (Tele) brauchst du mindestens 200 mm und musst direkt auf die Mondscheibe zielen. Einfacher sind aber Weitwinkelaufnahmen mit einer kleinen Brennweite von 28 oder 35 mm. Damit kannst du schöne Panoramaaufnahmen machen. Leider ist der Mond dann aber nur ein nettes Beiwerk, da er ganz winzig am Himmel steht und während der eigentlichen Finsternis kaum auf dem Bild zu sehen ist.

Was dir besser liegt oder besser gefällt, hängt ganz von deinem Stil und deinen Wünschen ab. Du solltest auf jeden Fall alle Varianten ausprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Mondphasen du auf welche Art und Weise am besten fotografieren oder kombinieren kannst. Mit Kombinieren meine ich als Teil einer Nacht- oder Panorama-Landschafts-Aufnahme.

FAZIT – Erste Einstellungstipps für Anfänger

Die Mondfotografie ist ein spannender Unteraspekt der Astrofotografie, bei dem du die schnelle Bewegung des Mondes sowie seine besondere Helligkeit gegenüber weiter entfernten Planeten berücksichtigen musst. Zudem spielt es für die Aufnahmen auch eine Rolle, in welcher Phase der Mond sich befindet und zu welcher Uhrzeit du ihn aufnimmst – denn in der Morgen- und Abenddämmerung musst du zusätzlich auf das helle Umgebungslicht achten und deine Belichtung entsprechend anzupassen.

Für die ersten Bilder des Mondes kannst du dich aber jederzeit zur Übung etwas herantasten, bevor du Spezialaufnahmen machen möchtest. Falls dir die ganze Sache mit der Mondfotografie also noch etwas suspekt oder unklar ist, dann gibt dir Robert hier ein paar abschließende Infos für dein erstes Mondbild an die Hand.

So gehst du dabei vor:

  • Brennweite: 200 mm
  • ISO-Wert: 100
  • Blende: 9-11
  • Belichtungszeit: 1/20 – 1/40 s
  • Mit dem Autofokus den Mond fokussieren
  • (falls möglich, den Telekonverter nutzen)
  • Bei Spiegelreflexkameras die Spiegelvorauslösung aktivieren
  • Zum Auslösen den Fernauslöser benutzen, damit nichts verwackelt.


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