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Schärfentiefe – Knackig scharfe Fotos und gezielt eingesetzte Unschärfe

Die Schärfentiefe ist in der Fotografie besonders wichtig, um ausdrucksstarke und kreative Bilder zu machen. Doch was versteht man genau darunter? Und sind Schärfentiefe und Tiefenschärfe dasselbe? Diesen theoretischen Fragen sowie praktischen Tipps zur Anwendung wollen wir uns in diesem Artikel widmen.

Was ist die Schärfentiefe?

Die Schärfentiefe nennt man ab und zu auch Tiefenschärfe, es handelt sich allerdings genaugenommen nicht um dasselbe. Darauf gehen wir aber später ein. Mit der Schärfentiefe kannst du die Ausdehnung des scharfen Bereiches um dein Motiv herum messen. Den Begriff gibt es auch im Film und am Computer, aber bei uns geht es natürlich nur um die Schärfentiefe in der Fotografie.

Scharfe und unscharfe Bereiche im Bild

In der Fotografie ist diese Ausdehnung wichtig, denn ihr Umfang oder ihre Größe zeigt, in welchem Bereich dein Motiv noch scharf dargestellt ist. Außerhalb dieses Bereichs ist das Bild dann unscharf.
Wenn man das weiß, kann man damit arbeiten und den Effekt in voller Absicht einsetzen. Ungünstig ist es, wenn du die Schärfentiefe nicht kennst und einfach wild drauf los fotografierst. Dann bekommst du nur durch reinen Zufalle scharfe und unscharfe Stellen im Bild und das ist natürlich nie die Absicht eines Fotografen.

Dazu solltest du nun wissen, dass du als Fotograf nur eine einzige Schärfeebene haben kannst, denn der Bereich davor und danach sind zunehmend unscharf. Es liegt nun an dir – und immer auch an deinen kreativen Vorstellungen, welche Teile des Bildes scharf sein sollen und welche nicht.

Einstellung in der Bildgestaltung

Das hängt davon ab, welche Bildgestaltung du erreichen möchtest. Typischerweise steuerst du die Schärfentiefer mit der Blende. Eine große Schärfentiefe bekommst du mit einer kleinen Blendenöffnung. Je größer deine Blendenöffnung also ist, desto geringer ist die Schärfentiefe. Achte auch darauf, dass eine große Blendenöffnung eine kleine Blendenzahl bedeutet.

Die Blendenöffnung ist aber nicht das einzige, das du bei der Einstellung beachten musst. Darüber hinaus spielt bei der Schärfentiefe die Brennweite eine große Rolle. Wenn du also die Brennweite, die Entfernung zum Motiv und die Blendenzahl richtig auswählst, bekommst du das bestmögliche Bild. Denn der Blick des Betrachters fällt hier automatisch auf das (scharfe) Hauptmotiv.

Schärfentiefe berechnen

Tatsächlich kannst du die Schärfentiefe berechnen. Dazu musst du allerdings einige physikalische Hintergründe und ein paar Fachbegriffe sowie mathematische Formeln anschauen.
Wie du weißt, fällt das Licht durch das Objektiv in deine Kamera, die dann mithilfe der Bildebene (Film oder Sensor) das Bild aufzeichnet. Damit das Licht besser gebündelt in die Kamera fällt, benötigst du zusätzlich die Blende sowie ein System aus Linsen, welches für ein scharfes Abbild deines Motives sorgt.

Die Lichtstrahlen kommen also durch die Blende und sehen wie dicke oder dünne kegelförmige Lichtkörper aus. Wenn dieser Lichtkegel auf die Bildebene trifft, entsteht ein sogenannter Zerstreuungskreis oder Unschärfekreis, der in der Berechnungsformel mit dem Buchstaben Z abgekürzt wird.

Das Linsensystem verbessert die Lichtbündelung und die Schärfe. Denn im theoretischen System der geometrischen Optik lassen sich nur die Punkte als scharfe Bildpunkte auf dem Film oder Chip abbilden, die im richtigen Abstand zur Linse liegen. Alle anderen ergeben Zerstreuungskreise. Alle Bildpunkte, die nicht in der sogenannten Gegenstandsebene liegen, bilden im Randbereich viele kleine und sich überdeckende Zerstreuungskreise, was dein Bild im Endeffekt unscharf macht.

Wir können dir verraten, dass der Schärfentiefenbereich sich mit folgender Formel darstellen lässt:

FORMEL

Der Schärfentiefenbereich ist somit die Hyperfokale Entfernung (df) minus Nahpunkt (dn).
Allerdings wollen wir lieber auf komplizierte Berechnungsmodelle verzichten und dir stattdessen erklären, wie du mit der Schärfentiefe in der Fotografie arbeiten kannst.

Schärfentiefe Tabelle –

Natürlich ist jetzt nicht jedes Bild sofort unbrauchbar, wenn du einen Zerstreuungskreis darauf bekommst. Je nach deiner Absicht und kreativen Bildgestaltung sind der ein oder andere unscharfe Bereich ja durchaus gewünscht. Für deine spätere Berechnung der Schärfentiefer sagt man, dass die maximale Größe dieses Kreises (Z) maximal 1/1500 der Diagonalen beträgt. Damit ist sie natürlich von deinem Aufnahmeformat abhängig, lässt sich aber leicht berechnen oder tabellarisch darstellen.

Der Grund dafür ist folgender: Wenn dies Unschärfekreise nicht größer sind als der berechnete Wert Z, dann ist die Unschärfe für dein Auge nicht erfassbar, da sie unterhalb der Auflösungsgrenze des menschlichen Auges liegt. Und somit erscheint das Bild für dich als scharf. Hier sind einige Beispiele für dich, in denen du für einige Sensoren den entsprechenden Wert für Z ablesen kannst und auch die Normalbrennweite siehst:

TABELLE

Wichtig: Beachte die richtige Blendenöffnung für deine Tiefenschärfe.

Du musst dir merken, dass du beim Fotografieren einen Einfluss darauf hast, wie du den Blick des Betrachters am besten auf das Hauptmotiv lenkst. Dadurch kannst du, besonders in der Portrait-Fotografie, dein Modell oder Motiv deutlich erscheinen lassen und den Hintergrund unscharf halten. Wichtig ist dabei, dass du die oben beschriebenen Zerstreuungskreise so klein wie möglich hältst, damit nur die gewünschten Bildstellen unscharf sind. Wenn du eine kleine Blende verwendest, kannst du leicht den Zerstreuungskreis verringern. Vor allem bei Selbstportraits ist dies eine schwierige Aufgabe!

Für die Schärfentiefe/Tiefenschärfe gibt es auch Berechnungshilfen. Mit Rechenscheiben kannst du leicht Blende, Fokus und Schärfentiefenbereich für verschiedene Brennweiten herausfinden.

Heißt es nun Tiefenschärfe oder Schärfentiefe?

Obwohl beide Worte in Umlauf sind und auch man sie gerne synonym verwendet, macht eigentlich nur die Schärfentiefe Sinn. Denn, wenn du es näher betrachtest, kann die Tiefe nicht scharf sein, aber du kannst die Schärfe des Bildes vertiefen. Daher ist der korrekte Name für das, wovon wir hier reden, die Schärfentiefe.

Wobei es dabei genaugenommen nur einen einzigen Schärfepunkt gibt. Und wenn wir noch weiter gehen, müssten wir sogar sagen, dass es eigentlich gar keine Schärfentiefe gibt. Verwirrend, oder? Aber es ist ja so: Nur das Licht, das durch Objektiv und Blende auf Sensor und Film fällt, ergibt genau fokussierte Punkte. Daneben existieren noch die Zerstreuungskreise, die aber unsere Augen bis zu einem bestimmten Maximalwert trotzdem als scharf wahrnehmen.

Wenn du nun absichtlich, aus welchem Grund auch immer, nur eine geringe Schärfentiefe erzielen willst und mit einer großformatigen Kamera und hohem Abbildungsmaßstab fotografierst, ergibt sich folgende Situation: Dein Auge nimmt die Zerstreuungskreise ein einem so großen Format als scharf wahr – besser als bei einer kleinformatigen Kamera. Und somit hast du eigentlich das Gegenteil erreicht: deine Schärfentiefe ist größer und nicht kleiner.

Welche Faktoren beeinflussen die Schärfentiefe?

Wir haben schon weiter oben angesprochen, dass die Blende, Brennweite und der Abbildungsmaßstab wichtig sind für die Schärfentiefe. Allerdings ergibt sich die Brennweite ohnehin automatisch durch den Abbildungsmaßstab. Nun gibt es die Lehrmeinung, dass eine hohe Brennweite (eines Teleobjektivs) weniger Schärfentiefe produziert als die geringe Brennweite (eines Weitwinkelobjektivs), mit dem du eine hohe Schärfentiefe erzielst.

Wenn du das allerdings einmal ausprobierst und zweimal dasselbe Motiv mit unterschiedlichen Objektiven ablichtest, wirst du allerdings bemerken, dass du mit derselben Blende und demselben Abbildungsmaßstab genau dieselbe Schärfentiefe erreichst – unabhängig von der Brennweite. Daher kannst du dir merken, dass bei einem höheren Abbildungsmaßstab die Schärfentiefe abnimmt.

Auf jeden Fall hast du als Fotograf einen Einfluss auf die Schärfentiefe, wenn du die Blende, Brennweite und deine Entfernung zum Motiv variierst.

Welche Rolle spielen der Sensor und der Film?

Hängt es auch vom Sensor oder vom eingelegten Film ab, welche Schärfentiefe du erreichen kannst? Nun, zumindest indirekt hängen auch diese Punkte miteinander zusammen. Robert erklärt das gerne so: Wenn du ein Objektiv nacheinander an eine Mittelformatkamera und eine Digitalkamera anschließt und ansonsten nichts veränderst, bleiben Abbildungsmaßstab und Schärfentiefe gleich.

Aber nun hast du eine andere Komponente, die eine Rolle spielt: die unterschiedlichen Formate bedingen einen veränderten Bildausschnitt. Und das ist in dem Fall ausschlaggebend, da nun die Schärfentiefe bei derselben Blende bei jener Kamera am geringsten ist, die das größte Aufnahmeformat hat. Das bedeutet also für dich: dass ein größeres Aufnahmemedium (Film, Chip) eine geringere Schärfentiefe bedingt!

Robert empfiehlt daher: Schau dir mal zum Vergleich die Aufnahmen der uralten historischen Kameras an, bei denen die Fotografen eine geringe Hintergrundschärfe hinbekommen haben, obwohl sie meist weit von ihren Motiven weg platziert waren.

Wie kannst du die Schärfentiefe erhöhen?

Mit einer guten Ausrüstung brauchst du nur darauf zu achten, dass deine Blende geschlossen ist und du mit einem möglichst kleinen Abbildungsmaßstab fotografierst. Anders ausgedrückt solltest du dich weiter von deinem Motiv entfernt aufstellen oder lieber mit einem kleinen Aufnahmeformat oder einer geringeren Brennweite arbeiten.

Falls du zufällig schon länger fotografierst und auch alte Objektive besitzt, dann kommt hier ein Tipp von Olaf: die älteren Objektive haben noch Skalen, die dir dabei helfen können, dir die richtige Fokus-Zone auszuwählen, innerhalb der du scharfe Bilder bekommst. Olaf hat solche Skalen noch an seinen Nikon-Ai-Objektiven.

Damit kannst du übrigens auch die Schärfentiefe verschieben. Denn du kannst beispielsweise den Unendlich-Bereich schärfer bekommen, wenn du die entsprechende Marke am Objektiv rechts auf der Skala der Marke für die von dir benutzte Blende gegenüberstellst. Und links siehst du dann auf der Skala, ab welcher Entfernung (in Metern) die Schärfentiefe einsetzt. Das ist der Wert der „Hyperfokalen Entfernung“, die dir weiter oben in der mathematischen Formel schon begegnet ist.

Tipps zur Arbeit mit der Schärfentiefe

Wenn du mit der Schärfentiefe arbeitest, kannst du ganz besonders gut Stimmungen darstellen. Denn damit erreichst du es, dass deine Bilder nicht nur zweidimensional dein Motiv wiedergeben, sondern du erschaffst quasi ein dreidimensionales Ergebnis damit. Bei den zusammengestellten Tipps beziehen wir uns nun besonders auf die Digitalen Spiegelreflexkameras, mit denen du insgesamt besonders gute Ergebnisse erzielen kannst. Natürlich heißt das nicht, dass deine Versuche mit anderen Kameras völlig erfolglos sind.

Voraussetzungen

Am besten schauen wir uns nochmal kurz stichwortartig an, welche Voraussetzungen wichtig sind, damit du deine Motive „freistellen“ und sozusagen vom Hintergrund des Bildes abtrennen kannst:

  1. Sensor
    Je größer dein Sensor ist, desto größer ist in Relation gesehen die erzielte Schärfentiefe. Daher erzeugt eine kleine Digicam auch weniger Effekte als deine Digitale Spiegelreflexkamera.
  2. Brennweite
    Hier gilt: je länger die gewählte Brennweite ist, desto größer ist die Tiefenunschärfe.
  3. Blende
    Eine weit geöffnete, also eine größere Blende sorgt für eine größere Tiefenunschärfe. Die Blende ist das Element, mit dem du die größte Einflussnahme auf den gewünschten Effekt nehmen kannst.
  4. Entfernung
    Wenn dein Motiv zu weit von der Kamera entfernt ist, erreichst du keine saubere Freistellung und der Hintergrund ist unscharf. Achte also darauf, dass du nahe genug an deinem Motiv stehst – oder deine Kamera auf dem Stativ nahe genug am Motiv steht.

Schärfentiefe: Zusammenspiel von Blende, Brennweite und ISO-Wert

Da deine Blende eine so große Rolle bei der Arbeit mit der Tiefenschärfe spielt, und diese wiederum mit der Brennweite und dem ISO-Wert zusammenhängt, hier nochmal eine kleine Erinnerung für dich:

Blende

  • Hohe Blendenzahl, geschlossene Blende = große Schärfentiefe (oder große Blendenzahl)
  • Kleine Blendenzahl, offene Blende = geringe Schärfentiefe (oder kleine Blendenzahl)

Brennweite

Ein Teleobjektiv (Brennweite 200 mm) erzeugt mehr Schärfentiefe als ein Weitwinkelobjektiv (Brennweite 18 mm). Je größer also deine Brennweite ist, desto geringer ist die Schärfeebene.

ISO-Wert

Der ISO-Wert ist entweder auf den benötigten Filmen der Analog-Kameras angegeben oder ist bei Digitalkameras einstellbar. Er bezieht sich auf die Lichtempfindlichkeit. Das musst du berücksichtigen, da du, wenn du mit geschlossener Blende fotografierst, einen geringeren Lichteinfall hast und eine höhere Lichtempfindlichkeit benötigst. Also musst du in diesem Fall die ISO-Zahl erhöhen, um ein schärferes Bild zu bekommen. Nachteil: dein Bildrauschen erhöht sich leider dadurch ebenfalls.

Der Bokeh-Effekt

Nun sollten wir endlich noch den Fachbegriff für deinen absichtlich eingebauten Unschärfeeffekt einbauen und der ist aus dem Japanischen entlehnt und lautet „Bokeh“. Der englische Begriff, über den du im Zusammenhang mit der Unschärfe stolpern könntest, lautet „Defocus“ oder auch „defocus aberration“.

Anwendungsbereich

Der Haupt-Anwendungsbereich für die Freistellung von Motiven innerhalb einer weniger betonten oder unscharfen Umgebung sind die bereits erwähnten Portraitfotos und die Makrofotografie. Bei den Portraits ist es wichtig, die Person hervorzuheben, da beispielsweise für ein Passfoto im Ausweis der Hintergrund überhaupt keine Rolle spielt.

Bei der Makrofotografie und der Nahaufnahme eines Insekts auf einem Blatt spielt wiederum das Blatt (zumindest meistens) überhaupt keine Rolle, da du die Besonderheiten des Insekts eindrucksvoll hervorheben möchtest. Beispielsweise sind das sie Facettenaugen oder Mundwerkzeuge.

Dazu kommen natürlich noch alle kreativen Motive, die du mit diesem Effekt umsetzen möchtest. Vielleicht eine Landschaft, die surreal aussieht oder wie eine Umgebung aus einem Traum?

In einem anderen Artikel gehe ich ausführlich darauf ein, welche Ausstattung man für Makrofotografie benötigt!

Anwendungsformen

Das Bokeh erzielst du dadurch, dass sich im Hintergrund deines Bildes eine Lichtquelle befindet. Das kann die Sonne sein oder auch eine Lampe oder nachts eine Straßenlampe oder Ampel. Tagsüber genügt bei Makroaufnahmen auch das reflektierende Licht eines Tautropfens auf einem Blatt.

Diese Lichtquelle ergibt einen unscharfen Bereich, in dem sich die Lichtquelle scheibenförmig abzeichnet. Der helle Bereich des Ampellichtes ergibt quasi ein kleines helles Lichtscheibchen, das dann vor dem dunkleren Hintergrund zu sehen ist. Wie das Bokeh später wirkt und aussieht, bestimmst du mit der Größe deiner Blende.

Den Bokeh-Effekt kannst du also mit den dafür geeigneten Objektiven deiner Vollformat- oder Systemkamera oder mit dem Portrait-Modus deines Smartphones leicht erzielen. Ansonsten kannst du den Effekt auch nachträglich bei der Bildbearbeitung einfügen.

10 wichtige Tipps zur richtigen Arbeit mit dem Bokeh-Effekt

Wenn du den Vorder- oder Hintergrund extrem unscharf gestalten möchtest, um ein Objekt oder Motiv im Vordergrund ganz besonders hervorzuheben, dann solltest du einige Tipps unbedingt berücksichtigen.
Die 10 wichtigsten haben wir für dich hier zusammengestellt:

  1. Wähle das richtige Objektiv aus
    Am besten eignen sich Sonnar-Objektive, kürzere Teleobjektive sind – abgesehen von Portrait-Teleobjektiven – nicht gut geeignet für eine schöne Bokeh-Aufnahme.
  2. Greif am besten zu Spiegellinsenobjektiven
    Mit Spiegellinsenobjektiven bekommst du ringförmige Bokehs anstelle von Unschärfekreisen. Besonders mit den Weichzeichner-Objektiven erzielst du ganz interessante Effekte. Ob du zu dieser Art von Linsen greifen möchtest, kommt aber auf deinen Stil und das beabsichtige Ergebnis an. Denn hier ist Kreativität auch immer Geschmacksache.
  3. Benutze für Portraits lieber ein Portraitobjektiv
    Wenn du ganz gezielt Portraitaufnahmen erstellen möchtest, dann benutzt du für das beste Bokeh auch lieber ein eigens dafür konzipiertes Objektiv. Denn die in den Portraitobjektiven enthaltenen Apodisationsfilter ergeben eine tolle plastische Bildwirkung. Welche Einstellungen du speziell bei Portraits noch berücksichtigen solltest, findest du in unseren anderen Artikeln erklärt. Beispielsweise musst du mit dem Blitz vorsichtig sein, um keine gruseligen und bleichen Gesichter zu bekommen und du solltest nicht zu nah herangehen, um nicht jede Falte in Übergröße aufzuzeichnen.
  4. Achte auf die optimale Blendenöffnung
    Beginne deine Aufnahmen auf jeden Fall mit einer möglichst kleinen Blendenstufe. Perfekt geeignet ist ein 50 mm Objektiv und einer Einstellung von 1,8 bis 2,8. Wenn die Blende zu weit geöffnet ist, hast du das Problem, dass du störende Farbsäume oder eine Vignettierung erhältst.
  5. Wenn du willst, bastle dir deine eigenen Blenden!
    Diese Option kommt nicht für jeden infrage, ist aber durchaus möglich. Denn du kannst den Helligkeitsbereich selbst bestimmen und zudem noch ein interessantes und kreatives Bokeh erzeugen, wenn du aus Pappe Formen ausschneidest und vorne auf deinem Objektiv anbringst. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt und einfache Kreise, Quadrate oder Dreiecke funktionieren genauso gut wie Sterne oder Herzchen oder Fantasieformen.
  6. Berücksichtige die Lichtreflexe aus dem Hintergrund
    Wie bereits erwähnt, sorgen die Lichtreflexe aus dem Hintergrund für das Bokeh. Damit dir nicht irgendwelche unbeabsichtigten Lichtquellen (der Scheinwerfer eines sich nähernden Autos) einen Strich durch die Rechnung macht, musst du diese zunächst ausschließen. Die Quellen, die du hingegen verwenden möchtest (Sonne, Lampe, Kerze, Ampel) musst du so gut wie möglich in Szene setzen und am besten optimal in den Hintergrund integrieren.
  7. Schalte unbedingt den Autofokus aus
    Der Autofokus sorgt dafür, dass deine Kamera automatisch das Bild scharfstellt. Aber genau das kannst du bei einem Bokeh-Effekt natürlich nicht brauchen, denn du willst ja selbst bestimmten, welcher Bereich scharf und welcher unscharf sein soll. Daher musst du den Autofokus auf „manuell“ einstellen und dann die manuelle Justierung selbst vornehmen.
  8. Vorsicht bei Kompaktkameras
    Kompaktkameras können leider nur bedingt guter Ergebnisse bei den Experimenten mit der Hintergrundschärfe erzielen. Denn in den Kompaktkameras befinden sich keine lichtstarken Objektive und außerdem haben sie nur eine kurze Brennweite. Falls du mit einer Kompaktkamera arbeiten musst oder willst, dann musst du darauf achten, die gewünschten Effekte durch gezielte Einstellungen auf Tele oder eine große Blendenöffnung zu versuchen. Dabei kannst du durchaus gute Bilder erhalten!
  9. Bokeh-Effekte sind für modernen Smartphones auch kein Problem
    Wie eingangs schon erwähnt, können moderne Smartphones ebenfalls gute Effekte erzeugen. Die neusten iPhones (ab 7) sind mit einem Portraitmodus ausgestattet, der einen künstlichen Bokeh-Effekt erzeugen kann. Dabei tritt das Motiv im Vordergrund scharf hervor und der Hintergrund ist unscharf. Die Smartphones erreichen diese Effekte durch künstliche Berechnung der Tiefenunschärfe. Der Nachteil bei diesen Aufnahmen ist leider, dass die Ergebnisse etwas gekünstelt wirken – was sie ja auch sind. Du kannst diese Bilder aber mittel verschiedener Foto-Apps etwas nachbessern und optimieren.
  10. Nachbearbeitung mit Photoshop
    Nicht nur bei Aufnahmen mit dem Smartphone, sondern auch bei regulären Aufnahmen mit deiner Lieblingskamera kann es sein, dass die Bilder nicht so werden, wie du das wolltest. Aber auch dann steht dir ein Hilfsmittel zur Verfügung. Du kannst diese Bilder mit Photoshop nachbearbeiten und nachträglich eine Hintergrundunschärfe einzufügen.
    Und natürlich kannst du auch weitere Punkte wie Helligkeit oder Bildrauschen verbessern. Wenn deine Fotos also nicht auf Anhieb gelingen (und das ist ja häufig der Fall, gerade bei Anfängern), dann kannst du nachträglich noch das Beste aus dem Bild herausholen!

Weniger ist mehr – Vorsicht vor diesen Fallen!

Wenn du total begeistert bist von deinen ersten kreativen Ergebnissen, dann müssen wir dich ein wenig bremsen. Denn zu viel ist einfach manchmal echt zu viel. Dein Ziel sollte es sein, gute oder künstlerisch ansprechende und ästhetische Bilder zu schießen und nicht das Maximum an Unschärfe auf jedem einzelnen Bild zu erzielen.

Manchmal genügt es völlig, wenn ein Bild einfach ein Bild ist. Frage dich also immer, ob es wirklich notwendig ist, dass du die Bilder mit Bokeh/Unschärfe aufnimmst oder ob ein „normales“ Bild nicht ästhetischer oder passender wäre. Und gerade bei Schnappschüssen, im Urlaub oder bei Anlässen, bei denen kein Wiederholungsfoto möglich ist – wie bei Auftritten, Ehrungen, Hochzeiten oder dem 90. Geburtstag deiner Lieblingsoma – dann solltest du darauf achten, einfach gute Bilder zu erzeugen und nicht zu viel herumzuexperimentieren.

Achte also immer darauf, dass du nur dann mit der Tiefenunschärfe arbeitest, wenn du die Resultate auch kontrollieren oder das Bild zur Not nochmals erstellen kannst. Ein zweites Mal die Hochzeitstorte frisch anschneiden ist also in dem Fall nicht drin!

FAZIT: Schärfentiefe birgt viele Möglichkeiten, wenn man einige Spielregeln beachtet

Ob Schärfentiefe oder Tiefenschärfe – damit kannst du besonders bei der Portraitfotografie punkten und ansprechende und kreative Fotos schießen. Wichtig ist, das Motiv scharf herauszustellen und den Hintergrund – oder auch den Vordergrund – auszublenden. Oder mit einem schicken Bokeh-Effekt zu versehen, wenn dir dieser Fachbegriff besser gefällt. Den besten Bildbereich für den scharfen Teil der Aufnahme kannst du mit einer Formel berechnen, in einer Tabelle nachschlagen oder bei Zoomobjektiven an der Rechenscheibe ablesen.

Wenn du alles manuell einstellst, was besonders bei kreativen Bildern wichtig ist, dann achte darauf, das richtige Objektiv für diesen Zweck zu benutzen und schalte die Autofokusfunktion aus, damit die Kamera nicht die falschen Bereiche scharf stellt. Sensor, Brennweite, Blendenöffnung und deine Entfernung zum Motiv spielen eine wichtige Rolle dabei, ob dein Bild am Ende gut wird. Hier kannst du vor allem mit digitalen Spiegelreflexkameras und Teleobjektiven gute Ergebnisse erzielen. Bei Kompaktkameras musst du mit den vorhandenen Gegebenheiten arbeiten und ein wenig experimentieren.

Ohnehin ist es hilfreich, wenn du mit der Kamera und verschiedenen Einstellungen übst, damit du ein Gefühl dafür bekommst, wann das Spiel mit Schärfe und Unschärfe einfach zu viel des Guten ist. Gerade bei wichtigen und einmaligen Momenten, in denen es nicht möglich ist, ein Bild ein zweites Mal zu schießen, solltest du lieber auf Spielereien verzichten und mit „normalen“ Einstellungen arbeiten. Zur Not lassen sich einige Effekte auch nachträglich noch mit Photoshop einfügen. Viel Spaß bei deinen Versuchen!


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