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Schwarz-Weiß-Fotografie – So gelingen dir eindrucksvolle Fotos auch ohne Farbe

Die Schwarz-Weiß-Fotografie ist durch die modernen und beliebten „bunten“ Bilder zwar weitestgehend verdrängt worden, erfreut sich aber dennoch einer nicht unerheblichen Fangemeinde, da sich damit fantastische und aussagekräftige Bilder machen lassen. Wie? Das zeigen wir dir in diesem Artikel.

Die Schwarz-Weiß-Fotografie – eine kleine Einführung

Zu Beginn der Fotografie gab es lediglich Schwarz-Weiß-Fotos beziehungsweise „Graustufenfotos“. Denn eine Unterscheidung in Schwarz-Weiß- und Farbfotografie war noch nicht notwendig und besaß keinen eigenen Namen. Eine Untergruppe der Schwarz-Weiß-Fotografie ist die Monochrome Fotografie, bei der man die Fotos zusätzlich tönt. Am bekanntesten ist dabei die Sepia-Tönung, die es sogar als Filter in die Fotoprogramme der Smartphones geschafft hat.

Seit dem 19. Jahrhundert kennt man zwar bereits die Technik, um Farbfotografien zu erstellen, doch zu Beginn war diese noch ein sehr kompliziertes Verfahren, das nicht alle Fotografen beherrschten und anwenden wollten oder konnten. Kodak und Agfa entwickelten ungefähr 1930 die ersten Dreischichtenfarbfilme. Doch erst seit den 1970er-Jahren dominieren Farbfotos und die sw-Fotografie rückte in den Hintergrund, existierte allerdings nach wie vor als eigene technische Stilrichtung weiter.
Damals erstellte man die „analogen“ Schwarz-Weiß-Fotos hauptsächlich mittels einer beschichteten Glasplatte, da sich damit die Bilder am einfachsten duplizieren und vervielfältigen ließen.

Alternativ dazu gab es auch andere Trägermaterialien wie Zelluloid- oder Nitrofilm, auf die man eine mit kleinen Silberhalogenidkristallen durchsetzte Gelatineschicht auftrug. Heute lassen sich die Bilder leicht „digital“ mit der Kamera oder dem Smartphone erstellen. Außerdem ist es möglich, Farbfotos nachträglich in Schwarz-Weiß-Fotografien zu verwandeln.

Kameratechnisch gibt es keinen großen Unterschied zwischen Schwarz-Weiß-Fotografie und Farbfotografie. Du musst nur einen anderen geeigneten Film auswählen. Aber das Prinzip der Fotografie, was Belichtung, Brennweite und Perspektive angeht, ist bei beiden Varianten dasselbe. Bei digitalen Bildern musst du nicht einmal auf einen geeigneten Film achten, denn du kannst mit der Digitalaufnahme eine RGB-Datei erstellen, die sich nachträglich in ein Schwarz-Weiß-Bild umwandeln lässt.

Warum solltest du Schwarz-Weiß-Fotos machen?

Farbfotos sind fröhlich und kontrastreich und besonders in der Werbung sehr gefragt, da sie die Vorzüge der Produkte herausstellen. Wenn man dir einen Pullover in einem tollen Rot oder leuchtenden Blau schmackhaft machen möchte, bringt ein Schwarz-Weiß-Foto nicht besonders viel. Die Liebhaber der Schwarz-Weiß-Fotos wissen diese Art der Fotografie aber dennoch zu schätzen, weil sie dem Fotografen einiges abverlangt. Er kann nämlich bei seinen Bildern nicht auf das Zusammenspiel der Farben setzen, sondern muss sich auf andere Dinge konzentrieren.

Die andere Frage ist: wann solltest du KEIN Schwarz-Weiß-Foto machen? Auf jeden Fall nicht, um eine misslungene Aufnahme durch die Anwendung eines Schwarz-Weiß-Filters zu retten versuchen. Das geht meist in die Hose. Denn ein schlechtes Bild bleibt einfach schlecht – egal, in welcher Farbnuance. Außerdem sieht nicht jedes Motiv in Schwarz-Weiß gut aus. Hier musst du viel üben und probieren, um ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Motive oder Kombinationen gut in Graustufen wirken und welche nicht.

Worauf musst du bei jedem SW-Foto achten?

Damit das Foto an Aussagekraft gewinnt, ist es wichtig, dass du dich auf folgende Punkte fokussierst:

  • Zusammenspiel von Licht und Schatten
  • Kontraste (der Graustufen)
  • Die unterschiedlichen Grautöne (hell und dunkel)
  • Linien, Formen, Strukturen der Objekte
  • Zusammensetzung der einzelnen Bildteile
  • kontrastreiche Beleuchtung
  • Kannst du mit dem Bild eine Geschichte oder Emotion vermitteln?

Du musst dir schon vor dem Shooting überlegen, wie die bunten Farben einer Landschaft oder deines anderen Motivs sich hinterher in Graustufen darstellen. Am besten machst du verschiedene Aufnahmen, bei denen du unterschiedliche Winkel, Belichtungszeiten und Blendeneinstellungen benutzt. So hast du nachher mehr Material zur Auswahl und Nachbearbeitung. Denn für ein gutes Schwarz-Weiß-Foto brauchst du ein hervorragendes Farbfoto, sonst wird auch das umgewandelte Bild später nicht besonders gut. Schauen wir uns zunächst die oben genannten Elemente im Einzelnen an, um dir zu jedem Punkt ein paar Hinweise zu erläutern.

Zusammenspiel von Licht und Schatten

Bei einer Farbaufnahme ist es oft interessant, einen dunklen Schatten absichtlich einzubauen oder auf dem Bild zuzulassen. Auf einer Schwarz-Weiß-Aufnahme musst du gut überlegen, an welcher Stelle du einen dunklen Schatten haben möchtest oder ob du überhaupt einen brauchen kannst. Denn bei einer SW-Fotografie ist ein Schatten oder ein heller Lichtstreifen, der beispielsweise durch ein Fenster fällt, ein wichtiges Bildelement, das gut platziert sein sollte.

Achte darauf, dass die Schatten nicht nur plump und dunkel sind, weil diese dann viel zu stark wirken. Stattdessen sollten sie subtil oder aber detailliert eingebaut sein. Dasselbe gilt für helle lichtdurchflutete Bereiche. Lass sie nicht einfach zu, sondern lege genau fest, wo sie sich befinden sollen und hebe sie dann so hervor, dass sie zur Aussage des Bildes beitragen. Dadurch könnten die Elemente sowohl Trostlosigkeit und Leere, als auch Romantik oder einen Hoffnungsschimmer andeuten.

Kontraste der Graustufen

Der Kontrast ist bei einer SW-Aufnahme enorm wichtig. Und damit ist nicht nur gemeint, dass ein Teil heller und ein Teil dunkler sein sollte. Du musst den Farbverlauf und Kontrast aller auf dem Foto abgebildeten Objekte berücksichtigen. Stell dir vor, du fotografierst ein Regal, auf dem eine weiße Tasse neben einer schwarzen Tasse steht. Dabei stechen die Farbunterschiede stark hervor. Das Bild gewinnt dadurch aber an Intensität und Dynamik.

Fotografierst du dasselbe Bild mit zwei weißen Tassen wird es eher langweilig wirken. Wichtig für dich ist daher, dass du mit der Zeit den Unterschied lernst, wann du starke Kontraste und wann du weiche Kontraste einbauen kannst oder musst. Denn dein Kontrastlevel muss immer zum Motiv passen. Bei Landschaftsaufnahmen empfiehlt sich übrigens ein hoher Kontrast.

Die unterschiedlichen Grautöne (hell und dunkel)

Abgesehen vom Kontrast musst du auch die Grautöne deines Bildes so regeln, dass sie die beabsichtigte Stimmung transportieren. Stell dir einen langen Waldweg vor, den du entweder in hellen Tönen oder in dunklen Tönen fotografieren kannst. Wenn du die Töne sehr dunkel wählst, bekommst du ein düsteres Bild, auf dem die Bäume bedrohlich wirken. Wenn du helle Töne wählst, sieht das Bild freundlich aus und zeigt eine Umgebung, in der du gerne einen Sonntagsspaziergang unternehmen möchtest.

Solltest du ein neutrales Foto schießen wollen, dann liegen die Farbtöne meist irgendwo dazwischen und die Aussage des Bildes ist weder bedrohlich noch „überirdisch“, sondern einfach ganz natürlich.

Linien, Formen, Strukturen der Objekte

Auf SW-Fotografien kannst du gut mit Formen oder Linien der Objekte spielen. Denn ohne Farbe lässt sich – aus manchen Perspektiven aufgenommen – nicht sagen, worum es sich bei dem abgebildeten Objekt handelt. Dadurch kannst du ganz hervorragend abstrakte Bilder zaubern!
Sollte das nicht deine Absicht sein, dann musst du dafür sorgen, dass der Betrachter später einen klaren Eindruck davon bekommt, was das Objekt auf dem Bild darstellen soll. Einfacher ist es nur bei Aufnahmen von Menschen. Dabei erkennst du am Umriss bereits, was es sein soll. Hier kannst du mystische Bilder gestalten, wenn du nachts eine Person auf einer schlecht beleuchteten Straße fotografierst – oder im Nebel.

Kontrastreiche Beleuchtung

 

Um die Kontraste der Graustufen und Grautöne hervorzuheben und die Linien und Formen der Objekte zu verdeutlichen – oder auch nicht – musst du ganz individuell darauf achten, dass du eine optimale, dem Motiv angepasste Beleuchtung wählst. Um hier für jedes beliebige Motiv das richtige Licht in der richtigen Stärke zu beschreiben, fehlt der Platz. Dabei kann dir nur ein wenig praktische Übung helfen.

Zusammensetzung der einzelnen Bildteile

Die Struktur und Komposition sind weitere wichtige Punkte, die bei der SW-Fotografie eine große Rolle spielen. Beispielsweise wird es schwierig, eine SW-Fotografie eines romantischen Sonnenuntergangs am Strand einzufangen. Du musst dabei die verschiedenen Farben des Himmels und des Meeres beachten und hast dabei noch mit der Textur und Struktur von Sand und Wellen zu kämpfen. Das Motiv bietet sich eher nicht für die SW-Fotografie an. Aber das Beispiels zeigt dir, was du beachten oder hervorheben musst.

Du musst in einem solchen Fall darauf achten, dem Betrachter durch Kontraste und Schatten die Textur des Wassers näherzubringen. Das verstärkt auch die Stimmung des Bildes. Wahlweise musst du die Strukturen weicher machen, um den Aspekt harmonischer zu gestalten.

Dadurch nimmst du insgesamt auch einen Einfluss auf die Komponenten, aus denen sich dein Bild zusammensetzt. Nicht nur durch verschiedene Objekte mit unterschiedlichen Formen und Texturen, sondern durch bewusst ausgewählte Objekte, die auf den Betrachter anziehend oder beeindruckend wirken sollen.

Geschichte und Emotion im Bild

Ein ausdrucksstarkes Bild ist häufig nicht nur beeindruckend durch ein einziges Motiv in einer guten Perspektive, sondern es erzählt auch eine Geschichte. Nehmen wir beispielsweise einen Bahnsteig und einen Zug, zum Fenster heraus winkt eine weinenden Frau mit einem weißen Taschentuch und am Bahnsteig steht ein Mann, der er zuwinkt. Auch in schwarz-weiß und unter Berücksichtigung unserer genannten wichtigen Punkte, erkennt ein Betrachter die rührende oder traurige Abschiedsszene. Sie kommt in Schwarz-Weiß sogar noch viel ausdrucksstärker beim Betrachter an, als in Farbe.
Wenn du also ein Motiv findest, das eine Geschichte erzählen kann, eine Geschichte mit Emotionen, dann nutze es!

Schwarz-Weiß-Fotografie: Tipps vom Profi

Olaf hat seine ersten Schwarz-Weiß-Probefotos draußen versucht und architektonisch und historisch schöne Gebäude in der Altstadt fotografiert. Daher kann er dir für deine ersten Schritte in der Schwarz-Weiß-Fotografie ein paar grundsätzliche Tipps an die Hand geben: Tatsächlich lassen sich Gebäude oder auch technische Einrichtungen besonders gut in Schwarz-Weiß ablichten. Robert fotografiert beispielsweise gerne alte Eisenbahnen. Aber egal, ob du Gebäude oder technische Objekte in Grautönen ablichten willst, solltest du die folgenden Tipps beherzigen:

  • Achte auf ungewöhnliche Perspektiven. Geh gerne in die Hocke oder lege dich vor dem Brandenburger Tor rücklings auf den Boden. Alles, was dir ein gutes Bild garantiert, kann probiert werden!
  • Wähle enge Bildausschnitte, dadurch kannst du die Besonderheit deines Motivs noch hervorheben.
  • Arbeite bei deinen Fotoexperimenten mit Weitwinkel, damit bekommst du die besten Ansichten. Das gilt auch für Innenaufnahmen in historischen oder alten Gebäuden.
  • Bei historischen Aufnahmen kannst du eine Sepiatönung hinzufügen, um den „alten“ Eindruck zu unterstreichen (bei der Bearbeitung in Photoshop unter „Farbtonung“).
  • Berücksichtige die Lichtverhältnisse (draußen und drinnen) und achte auf eine kontrastreiche Beleuchtung. Besonders bei Außenaufnahmen in diffusen Lichtverhältnissen.

Wenn du draußen Aufnahmen machst, insbesondere wenn du hohe Gebäude wie den Eiffelturm fotografierst, hast du auch immer den Himmel und meist auch Wolken im Hintergrund. Nicht immer ist das vorteilhaft, zumindest, wenn er farblich nicht dazu passt. Ein blauer Himmel auf einem Farbbild ist immer schön, aber ein makellos grauer Himmel ist in der entsprechenden Farbstufe in Schwarz-Weiß nicht ideal.

Ein dunkler Himmel allerdings auch nicht, denn dieser wirkt äußerst dramatisch, besonders wenn du noch leuchtend weiße Wolken dazu im Bild hast. Falls du die Dramaturgie abschwächen möchtest, solltest du für die Fotosession ein ideales Wetter aussuchen. Ansonsten kannst du dir mit einem Polfilter behelfen. Andernfalls kannst du einen Minuskorrektur im Blaukanal vornehmen, wenn du das Bild später nachbearbeitest.

Bildvorbereitung und Nachbearbeitung

Ideal ist es, wenn du deine Schwarz-Weiß-Bilder mit einer DSLR schießen kannst. Damit kannst du zwar nicht das Endergebnis im Sucher sehen, weil die Landschaft trotzdem bunt bleibt, aber dafür siehst du sofort im Anschluss auf dem Display, wie das Bild wirkt.

Robert benutzt in diesem Fall gerne RAW + JPG (fine) für die Aufnahme. Dabei wird dein JPG zwar schwarz-weiß, aber deine RAW-Datei bleibt bunt. Damit hast du beide Varianten und kannst mit beiden weiter arbeiten. Denn eine hübsche bunte Aufnahme vom Sonnenaufgang am Grand Canyon kannst du auf jeden Fall als Farbbild verwenden, auch wenn deine Schwarz-Weiß-Aufnahme nichts geworden ist. Später kannst du das Bild mit diversen Programmen an deinem Rechner nachbearbeiten.

Grauwerte leicht umstellen

Für die Nachbearbeitung deiner RGB-Datei gibt es viele empfehlenswerte Programme, von denen das bekannteste wohl Adobe Photoshop Lightroom sein dürfte. Damit kannst du Farbkorrekturen oder einen Weißabgleich vornehmen, aber auch Schärfe und Schnitt anpassen.
Du kannst auch direkt in Photoshop eine JPG oder TIF-Datei mithilfe der sechs Farbkanalreglern (die Farben Blau, Cyan, Gelb, Grün, Magenta, Rot) mischen.

Damit kannst du jede Farbe und ihre zugehörige Graustufe heller regeln. In Lightroom stehen dir sogar acht Farbkanalregler dafür zur Verfügung. Wenn du alles richtig machen möchtest, um ein wirkliches Spitzenergebnis zu erzielen, wirst du einige Stunden damit beschäftigt sein. Aber das Ergebnis ist es in jedem Fall wert.

Schwarz-weiß oder Farbe?

Das Thema Farbfotografie vs. Schwarz-Weiß-Fotografie erhitzt immer wieder die Gemüter. Ist das eine besser als das andere? Zumindest zu Zeiten der analogen Kameras musstest du dich vorab entscheiden, ob du eine Rolle für einen Farb- oder Schwarz-Weiß-Film einlegen willst. Heute kannst du mit deiner Digitalkamera jederzeit zwischen Farbe und Schwarzweiß wechseln oder dich nachträglich bei der Bildbearbeitung noch umentscheiden.

Das Motiv entscheidet

Die einzig wichtige Frage für viele Fans der Schwarz-Weiß-Fotografie ist daher nur, ob das Motiv beziehungsweise das gesamte Bild in Farbe oder SW am besten zur Geltung kommt. Und danach entscheidet der Fotograf, wie er das Foto machen möchte.

Dabei kann man sagen, dass eine kontrastarme Langzeitbelichtung auch als SW-Foto genauso gut aussehen kann, wie eine kontrastreiche Kurzzeitbelichtung. Häufig kannst du gerade bei Landschaftsaufnahmen in schlechter Witterung aus einem Schwarzweiß-Foto sogar mehr herausholen, da die gesamte Landschaft an kalten Nebeltagen ohnehin ziemlich farblos und langweilig wirkt.

Auch der Verwendungszweck kann eine Rolle spielen

Dabei ist natürlich ebenfalls wichtig, was du mit deinem Bild zum Ausdruck bringen willst.
Wenn du Fotos für ein Buchcover schießen möchtest, bei dem es um einen gruseligen Fall oder gar keinen Mord geht, möchtest du vielleicht genau die farblose trostlose Farbaufnahme haben. Oder du hebst ein bestimmtes Detail in gnadenlosen Kontrasten auf einem SW-Bild hervor. Vielleicht möchtest du aber auch eine hübsche Portraitaufnahme machen, bei der du mit einem ausdrucksstarken symmetrischen Gesicht spielst, das halb im Schatten liegt? Das kommt in S/W sehr gut an, wenn es richtig gemacht wird.

Apropos Porträt: Bei der Schwarz-Weiß-Fotografie braucht man ein ziemlich hartes Licht, damit das Ergebnis später nicht im Einheitsgrau versinkt. Gerade bei Porträts sind Strukturen unbedingt erwünscht. Wichtig ist, dass die fotografierte Person über ihre Mimik und ihre Kopfhaltung ein Gefühl oder eine Geschichte erzählen kann, die du dann auf das Foto bannst.

Vorvisualisieren üben oder nachbearbeiten

Profis haben bereits ein gutes Auge und ausreichend Erfahrungswerte, um zu wissen, wann sich eine Schwarzweiß-Aufnahme anbietet und wann nicht. Diese Art der Vorstellung hat nicht jeder, aber du kannst sie zumindest üben. Ansonsten bleibt dir nichts weiter übrig, als sehr viele Aufnahmen sowohl in S/W als auch in Farbe zu machen beziehungsweise viele davon später nachzubearbeiten.

Papierabzüge können zusätzlich helfen

Wenn du dich vorab nicht festlegen willst oder noch in der Experimentierphase bist, dann ist es hilfreich, wenn du Motive sowohl in Farbe als auch in Schwarzweiß aufnimmst und die Aufnahmen dann ein paar Tage zur Seite legst. Später nimmst du dann beide Varianten wieder zur Hand und lässt die Bilder auf dich wirken. Meist wird dir spontan eine Option besser gefallen, weil sie die stärkere Wirkung erzielt. Viele Fotografen nehmen sich die Fotos nicht nur digital, sondern als Papierabzug zur Brust, weil sich dabei oft die Wirkung verstärkt.

Ungewöhnliche Bilder schaffen

Als geübter Schwarz-Weiß-Fotograf kannst du ungewöhnliche Wege gehen und gerade die klassischen Farbfotos wie Sonnenuntergänge auch in Schwarz-Weiß zu einem Erlebnis machen. Dabei ist es wichtig, dass du sehr auf die Kontraste und Linienführung achtest und das Bild zusätzlich durch interessante Elemente lebendig gestaltest.

Du kannst die Umrisse von Sonne, Mond und Wolken genauso einfangen wie Vögel im Flug, Menschen, Tiere oder vergessene Sandburgen, alte Ruinen oder ähnlich spannende Landschaftsteile. Wichtig ist es dann später bei der Nachbearbeitung, viele Graustufen und Nuancen davon einzuarbeiten, um das Bild interessant und dynamisch zu machen.

Darüber hinaus lassen sich mit der Schwarz-Weiß-Fotografie beeindruckend abstrakte Bilder schaffen, die durch Licht und Schatten bestechen und die als Farbfoto eher langweilig wären.

Wichtig: du musst immer den Hintergrund und die gesamte Umgebung in das Bild mit einbeziehen. Denn auch sie besteht später nur aus Grautönen. Daher muss sie entweder so unwichtig für das eigentliche Motiv sein, dass sie nicht davon ablenkt, oder sehr harmonisch dazu passen und quasi damit verschmelzen. Es darf sich nicht zu viel in deinem Bild abspielen, damit es am Ende nicht überladen wirkt.

Die besondere Herausforderung: Schwarz-Weiß-Fotografie von Landschaften

Die Porträtfotografie haben wir oben bereits erwähnt und auch schon Beispiele für Landschaftsaufnahmen angesprochen. Zu Beginn deiner Schwarz-Weiß-Foto-Übungen wirst du vermutlich häufiger draußen drauflosknipsen als Freunde und Familie unter Studiobedingungen abzulichten. Denn die Landschaft ist immer da und unkompliziert jederzeit fotografierbar.
Dennoch ist es gerade bei der Landschaft, wie du ja oben schon erfahren hast, schwieriger, sie richtig darzustellen. Denn wenn die Lichtverhältnisse nicht gut sind, verschwimmt auch die beste Aufnahme deines Lieblingssees mit den Farben des trüben Himmels oder einiger Wolken. Und dann hast du ein graues Einheitsbild, das du gleich wieder löschen kannst.

Text, Struktur und Helligkeit sind essenziell

Daher musst du für Schwarz-Weiß-Fotografien in der Natur immer daran denken, die Motive so zu wählen, dass der Betrachter später einen Eindruck von der Textur und Struktur bekommen kann. Wenn dein See Wellen schlägt, ist das für das Bild besser als wenn er so glatt ist wie der Himmel und beide im schlimmsten Fall noch dieselbe Farbe und somit später dieselbe Graustufe haben! Das will sich später niemand mehr als Foto anschauen.

Profis betonen daher immer wieder, dass das Geheimnis einer Landschaft nicht in ihren Farben liegt, sondern in ihren Formen, Texturen, der Helligkeit oder Leuchtkraft. Du kannst fantastische Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Hügellandschaften oder dem Monument Valley schießen, die genauso eindrucksvoll wirken als hättest du eine Aufnahme der Mondoberfläche gemacht.

Eigne dir ausreichend Wissen über die Farblehre an

Du musst dich mit der Farblehre auskennen und dir das Wissen darüber aneignen, welche Farben sich später in welcher Graustufe (unbearbeitet) äußern. Denn viele rote Rosen auf einer grünen Wiese ergeben später leider in S/W fotografiert denselben Grauton und das Bild sieht langweilig aus.
Wenn du genau weißt, welchen Grauton eine Rose später auf dem S/W-Foto hat oder eine Sonnenblume oder auch ein beiges Mauerwerk, dann kannst du schon während der Aufnahme sehr gut abschätzen, ob es sich rentiert, das Bild in Schwarz-Weiß zu machen oder später umzuwandeln. Ein sicheres angelerntes Wissen oder deine Erfahrungswerte können deine Fotos also entscheidend verbessern.
Was du immer beeinflussen kannst, wenn es um Landschaftsfotos geht:

  • Die Tageszeit und somit Sonnenstand und Lichtverhältnisse der Aufnahme.
  • Die Jahreszeit, eventuell im Winter mit zusätzlichem Schnee, der reflektiert.

Demgegenüber kannst du bei Porträt- und Studioaufnahmen Einfluss nehmen auf:

  • Den Hintergrund und die Objektfarbe, Objekte können auch ausgetauscht werden (Luftballon, Blume, Schirm, Hut).
  • Die Kleidung des Models bei Porträtaufnahmen, um die optimale Farbwirkung in Graustufen zu erreichen.

Im Internet findest du dazu passend einige Farb-Harmonie-Rechner, die dir dabei helfen können, geeignete Farben zu finden, berechnen oder zu verändern.

Fazit

Auch wenn S/W-Aufnahmen kontrovers diskutiert werden und anspruchsvoller sind als normale Farbaufnahmen, kannst du damit tolle Effekte erzielen, die eine Farbfotografie nicht leisten kann. Leider kommst du dabei aber nicht um viel Übung herum. Denn nur das Experimentieren mit verschiedenen Farben und Motiven sowie die Gegenüberstellung von Farb- und Schwarzweiß-Aufnahmen desselben Motivs können dir aufzeigen, welche Bilder und Motive sich eignen und welche Farben später überhaupt nicht miteinander harmonieren und zu einem Einheitsgrau zerfließen. Lass dich aber davon bloß nicht abschrecken. Denn: Übung macht den Meister!


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